MODI-Projekt
Automatisierte Lkw: Live-Tests im Hamburger Stadtverkehr
Im Rahmen des EU-Projekts MODI wurden in diesem Frühjahr zwei erfolgreiche Praxistests zur Automatisierung des Schwerlastverkehrs durchgeführt – sowohl im innerstädtischen Bereich Hamburgs als auch auf der Autobahn. Die Projektpartner Gruber Logistics, DAF Trucks, Volvo Trucks, New Mobility Solutions und die Bundesanstalt für Straßenwesen erprobten dabei im Mai unter Mitwirkung der Freien und Hansestadt Hamburg zwei wichtige Anwendungsfälle.
Die beiden Anwendungen dabei: zum einen das sichere, automatisierte Einfädeln von Lkw im Autobahnverkehr sowie die zuverlässige Erkennung gefährdeter Verkehrsteilnehmer im urbanen Umfeld.
MODI ist eine europäische Innovationsinitiative, die 34 Partner aus Wirtschaft und Forschung zusammenbringt. Das Projekt hat zum Ziel, automatisierte Schwerlasttransporte entlang eines realen Verkehrskorridors durch fünf europäische Länder zu demonstrieren.
Die Lösung für den Fahrermangel?
„Der zunehmend kritische Fahrermangel zwingt die Branche zum Umdenken. Wir müssen diese Fachkräfte künftig dort einsetzen, wo ihre Erfahrung strategisch notwendig ist – für einfache, monotone Aufgaben existiert die Technologie bereits. Die automatisierten Fahrfunktionen und Infrastrukturtechnologie erhöhen nicht allein die Sicherheit für unsere Fahrer, sondern die aller Verkehrsteilnehmer, nicht zuletzt auch von Fußgängern“, erklärt Martin Gruber, Geschäftsführer von Gruber Logistics, die Perspektive des Logistikprojektpartners.
Automatisiertes Spurwechselmanöver
Dabei konnte die Erprobung im realen Straßenumfeld durchgeführt werden – eine Grundvoraussetzung für die praxisnahe Weiterentwicklung automatisierter Fahrfunktionen. In den Anfang Mai gestarteten Testszenarien konnte einerseits ein automatisiertes Spurwechselmanöver im öffentlichen Autobahnverkehr erfolgreich demonstriert werden. Mittels der von Volvo entwickelten „Cooperative Merging“-Funktion tauschten die beteiligten Fahrzeuge Informationen in Echtzeit miteinander und intelligenten IT-Schnittstellen an den Baustellen aus, um die für den Test installierten Hindernisse sicher zu passieren. So wurde das Einfädeln in fließenden Verkehr oder das Navigieren bei Baustellen erprobt.
Kritische Situationen realitätsnah simuliert
Andererseits wurde die Integration in die städtische Infrastruktur, in sogenannte „intelligente Straßen“, getestet: An einem zentralen Hamburger Verkehrsknotenpunkt kam ein neuartiges Detektionssystem zum Einsatz, das gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer auf bis zu 300 Meter Entfernung erfasst. Dazu wurden Bewegungsmuster analysiert und in Echtzeit an herannahende Lkw übermittelt, die selbst nur einen begrenzteren Wahrnehmungsradius haben. Um kritische Situationen des toten Winkels realitätsnah zu simulieren, wurden auch Kinder-Crashtest-Dummys eingesetzt. Auf diese Weise soll eine zusätzliche Absicherung gewährleitet werden.
Kooperative Ampeldaten
Parallel dazu erprobten die Projektpartner die Nutzung von kooperativen Ampeldaten. Durch sogenannte „Time-to-Green“-Informationen konnten die Lkw ihre Geschwindigkeit vorausschauend anpassen, um Ampelphasen möglichst ohne Anhalten zu durchfahren. Gleichzeitig reagierte die Infrastruktur dynamisch auf das Verkehrsaufkommen: Die Ampelschaltungen wurden so angepasst, dass sie flexibel auf die erwarteten Ankunftszeiten der Fahrzeuge reagieren.










