Aus LT-manager 2/2020

Anita Würmser,

Was Würmser wurmt: Wann, wenn nicht jetzt

Die Welt wird nach Corona eine andere sein. Ein Satz, der das Kopfkino anspringen lässt und zugleich unspezifisch genug ist, um nicht in ein, zwei Jahren als kompletter Idiot dazustehen, wenn doch alles wieder so kommt, wie es einmal war. Dann hätte allerdings auch die Logistikbranche ihre Jahrhundertchance verpasst.

© privat

Zunächst zur Welt. Der Staat macht, was er am besten kann: Verwalten. Die Bürokratisierung der Seuche hat ­begonnen. Regeln, Verordnungen, ­Gesetze werden uns lange begleiten, denn erstens tun sich Staaten schwer damit, etwas abzuschaffen. Zweitens kann, was gegen Covid-19 hilft – bitte jetzt nicht gleich ausrasten – bei der nächsten Grippewelle nicht falsch sein. Wir werden uns also auch in Zukunft vorsichtshalber in den Abgrund stürzen, weil wir sterben könnten. Die Büro­kratie hat trotzdem ein Gutes, denn sie wird drittens genauso gründlich die Kollateralschäden erforschen, wie die Pandemie selbst. Vielleicht kommt es bei zweitens dann doch nicht so schlimm, wie wir heute befürchten.

Auch die Logistik wird nach Corona eine andere sein. Was PR-Kampagnen nicht geschafft haben, das Virus hat es erreicht. Logistik, na ja, sagen wir Transport, ist plötzlich lebenswichtig und alle schauen genau hin, wie die Helden der Coronakrise ihren Job machen. Überhaupt surfen grade alle auf der Heldenwelle, was zwischenzeitlich sehr bemüht wirkt. Kürzlich habe ich gelesen, dass es mal ganz schön wäre, wenn die Nation auch den Helden der Logistik danken würde. Dankbarkeit ist vergänglich und ändert obendrein nichts. Wertschätzung dagegen bleibt und ändert alles. Das ist es, was die ­Logistik braucht. Dafür muss sie es wert sein, und zweitens Werte haben.

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Es kommt darauf an, welche Lehren wir aus Corona ziehen. Angebracht wäre nicht nur ein unaufgeregter Umgang mit Covid-19, sondern eine Wertediskussion darüber, wie eine für unser System relevante Logistik gestaltet werden soll. Ob man immer das letzte Quentchen ­Effi­zienz rauspressen muss? Wie eine faire Wettbewerbs-, Abgaben- und Sozial­politik aussehen soll? Welche Arbeits­bedingungen die Logistik als menschlich erachtet? Was uns Helden wert sind, wenn das Klatschen verklungen ist? ­Offene Baustellen gibt es viele.

Eine Sache geht ganz einfach und kostet fast nix: Respektvolle Kommunikation, Bitte-Danke sagen, normale Lautstärke, ein anständiges Arbeits­umfeld. CEOs, was ist so schwer an ­einer klaren Ansage: „Wer es an Respekt gegenüber Fahrern, Lagerarbeitern und allen anderen mangeln lässt, hat mit fristloser Kündigung zu rechnen.“ 

Anita Würmser ist Wirtschafts- und Logistikjournalistin, Initatorin der Logistics Hall of Fame und der IFOY-Awards. In LT-manager nimmt die Branchenexpertin exklusiv seit Ausgabe eins kein Blatt vor den Mund.

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