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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kolumne: Was Würmser wurmt

Anita Würmser,

Das Raushalten ist nicht zum Aushalten

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass sich Deutschlands Konzerne regelmäßig wegducken, wenn es um Infrastrukturprojekte geht? Nach der Faustformel "Je größer das Projekt, desto kleiner der Konzern" verschwindet alles, was Beine hat unter die Grasnarbe, wenn es darauf ankommt. Allenfalls ein lauwarmes Statement zur allgemein wichtigen Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur lässt man über die Pressestelle ausrichten. Schlimmer noch als ein öffentliches Bekenntnis zur Gütermobilität am konkreten Projekt, ist nur die Frage nach der Höhe der Vorstandsboni. Die, sagen wir mal, vornehme Zurückhaltung, bedeutet nicht, dass man in den Vorstandsetagen der deutschen Großindustrie nicht jeden Euro mehr für Verkehrswege begrüßen würde, ja sogar darauf angewiesen ist. Es lässt sich nur kein Staat damit machen.

Anita Würmser schrieb bis Ende 2020 exklusiv in LT-manager die Kolumne „Was Würmser wurmt“. Die Agenturinhaberin und Chefin des IFOY Awards und der Logistics Hall Of Fame hat viel zu sagen – und das nun in materialfluss. © privat

Zur Abwechslung einmal keine Frage des Geldes, sondern des Willens ist die dritte Start- und Landebahn am Münchner Flughafen. Zum Willen gehört bekanntlich auch die Willensbildung. Wie das geht, macht der regionale Münchner Mittelstand vor. Die Inhaber erzählen ihre Geschichten, warum ihre und die Existenz und ihrer Mitarbeiter von einer guten Infrastruktur abhänge. Warum Wohlstand und Wachstum mit Verkehr zu tun habe oder gute Flugverbindungen Arbeitsplätze sichern. Wie es nicht geht, zeigen Allianz, BMW, Linde, MAN, Siemens und einige andere mehr, die ihre Konzernzentralen in der bayerischen Landeshauptstadt haben. Sie fürchten um das eigene Image, wollen auf keinen Fall öffentlich mit dem Thema in Verbindung gebracht werden. Warum auch, oder wie kürzlich ein hochrangiger Siemens-Manager anlässlich der LBS-Mitgliederversammlung im Bayerischen Bad-Gögging sagte: Fracht finde immer ihren Weg.

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Da darf´s dann ruhig mal ein bisschen länger dauern und ökologisch null Sinn machen. Immerhin 68.000 Tonnen Luftfracht müssen pro Jahr von München zum Flughafen Frankfurt getruckt werden, weil der Münchner Flughafen seine Kapazitätsgrenze längst überschritten hat. Macht umgerechnet 2566 LKW-Ladungen und rund 800 Tonnen CO2 - zusätzlich. Auch nicht besser fürs Image.

Zugegeben, Infrastrukturausbau ist ein heikles Thema. Wer begeistert sich schon spontan für die dritte Startbahn, eine vierte Autobahnspur oder neue Gleise in der Nachbarschaft. Doch es ist kurzsichtig, sich deswegen aus Fragen der Infrastruktur herauszuhalten und nicht zum Aushalten, dass das ausgerechnet diejenigen tun, die an der öffentlichen Meinung etwas verändern könnten. Man wünscht sich etwas mehr Rückgrat.

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