Aus materialfluss 8-9/2020

Martin Schrüfer,

Editorial: Vernunft und Wille

Das Jahr 2020 hat uns durch die Corona-Pandemie bislang ein Auf und Ab sondersgleichen beschert. Im März Verwirrung, Angst und Veränderung, im Frühsommer erste Erleichterung. Jetzt, Anfang September: Ernüchterung und eine gewisse Furcht vor der kalten Jahreszeit. Corona und kein Ende, weder was dessen Verbreitung noch die Nachrichten darüber angeht. Der Föderalismus und die daraus offenbar unweigerlich resultierenden unterschiedlichen Auslegungen des Worts „Hygiene“ treiben uns langsam alle in den Wahnsinn.

© Oliver Tamagnini

Dazwischen stehen die Veranstalter von Kongressen. Ist Ihnen mal aufgefallen, dass Unternehmen, die einer Stiftung gehören oder die in öffentlicher Hand sind, defensiver agieren, vorausschauender und schneller Veranstaltungen ab­sagen? Diese Unsicherheit hat das Poten­zial, Misstrauen zu säen und zu spalten. Sowohl die „Sicherheitsfraktion“ als auch diejenigen, die jetzt mit befremdlichen Sprüchen wie „Also, riskieren Sie‘s. ­Kommen Sie zu uns, wir sorgen für Ihre Gesundheit“ agieren, polarisieren. Es gibt kaum Wirtschaftszweige, die nicht unter der Corona-Pandemie zu leiden haben, aber gerade das krampfhafte Festhalten an Präsenzmessen oder -veranstaltungen und der von befürchteten Ein­nahmeverlusten gespeiste Hurra-­Opti­mismus (diese „steile These“ sei mir erlaubt) hinterlassen einen schalen Beigeschmack. Die Gesundheit sollte immer vorgehen und die Fakten den Ausschlag geben. Folgt man diesen, werden in diesem Jahr guten Gewissens keine Treffen mit hunderten aus ganz Deutschland und vielleicht sogar Europa angereisten Teilnehmern mehr stattfinden können.

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Verstehen Sie mich nicht falsch – ich würde viel dafür geben, beispielsweise Ende ­November in Paderborn beim TEAM Logistikforum den ­persönlichen und fachlichen Austausch mit Intralogistikexperten zu suchen, das gemeinsame Bier oder die Tasse Kaffee fehlt mir langsam so sehr wie Ihnen vermutlich auch. Leider musste das Forum abgesagt werden. Aber: Das Leben ist kein Wunschkonzert und so ist weiter Geduld gefragt. Es kommen wieder andere Zeiten, die den Austausch ohne ­gesperrte Bars, vorportioniertes Essen, abgeschlossene Getränke und viel Abstand erlauben werden. Noch ist es nicht soweit. Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße

Martin Schrüfer
Chefredakteur

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