Logistic Lights

Per Lichtstrahl geleitet

Es wirkt wie ein Reaktionstest: Zwei Mitarbeiter stehen in einer knapp drei mal drei Meter großen Box, umgeben von Regalen und 120 Kartons. Geführt durch zwei verschiedenfarbige Lichtstrahle legen sie die Waren in einen der Kartons. Was so spielerisch aussieht, ist eine Innovation in der Kommissionierung, die seit November in einem Pilotprojekt bei Hellmann Worldwide Logistics zum Einsatz kommt.

Zeigen wie gute Kooperation geht (v.l.): Achim Hendriks (Symbic) und Peter Götting (Hellmann). © Symbic


Die „Logistic Lights“ wurden von dem Osnabrücker Start-Up Symbic in enger Abstimmung mit dem Full-Service-Dienstleister Hellmann Worldwide ­Logistics entwickelt und kamen passend zum Start des Weihnachtsgeschäfts bei Hellmann erstmalig im Realbetrieb zum Einsatz: Per Scan des jeweils nächsten Artikels mit dem MDE oder Fingerscanner weiß der Lichtstrahler, welcher der Kartonstellplätze angeleuchtet werden muss. Die beiden Mitarbeiter sehen daraufhin auf einen Blick, wo sie den Artikel einsortieren müssen. Die „Logistic Lights“ bieten so maximale Ergonomie. Die Anlage ist einfach, aber effektiv. Und das Ergebnis spricht für sich: Die Kommissionierung konnte mithilfe der „Logistic Lights“ um etwa fünf Sekunden pro Pick beschleunigt werden. Bei einer jährlichen Menge von in diesem Anwendungsfall rund sechs Millionen Artikeln also eine Zeitersparnis, die sich sehen lässt. Installiert waren die „Logistic Lights“ innerhalb weniger Stunden. Und Sie lassen sich in wenigen Minuten jederzeit neu kalibrieren.

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Von der Idee zum Erfolg
Angefangen hat aber alles ganz anders: Die eigentliche Idee des Start-Ups Symbic, bestand darin mit Hilfe eines Touchscreens und eines Lichtstrahls einen Produktfinder für Konsumenten zu entwickeln. Mit diesem sollen zum Beispiel in einem Fahrradladen kompatible Ersatzteile oder in einem Baumarkt spezielle Schrauben schneller auffindbar gemacht werden. Früh wurde jedoch klar, dass die Idee, einen Lichtpunkt zur Orientierung für das Picking durch Konsumenten zu nutzen, auch auf sehr viele Anwendungsfälle unter anderem in der Intralogistik anwendbar ist. Als ein Projektmanager von Hellmann Worldwide Logistics die Entwickler im Rahmen einer Networking-Veranstaltung traf, dauerte es auch nicht lang, bis die Idee für einen konkreten Anwendungsfall bei Hellmann weitergesponnen wurde, um sie für die Kommissionierung in der Kontraktlogistik nutzbar zu machen. Und so wurde die Idee zu den „Logistic Lights“ geboren: Nun ging es nicht mehr um Konsumenten am Point-of-Sale, sondern um eine echte Alternative zur herkömmlichen Put-to-Light-Anlage, um intralogistische Prozesse zu optimieren. Das Ziel des Gemeinschaftsprojektes zwischen dem kleinen IT-Unternehmen Symbic und dem weltweit tätigen Logistidienst-leister Hellmann war schnell definiert. So entwickelte Symbic innerhalb kurzer Zeit analog zu dem für den Point-of-Sale kreierten Produktfinder einen Prototyp für die Intralogistik. Dieser sollte intralogistische Prozesse wie die Verräumung und Kommissionierung von Waren effizienter machen und möglichst anwenderfreundlich, das heißt intuitiv zu bedienen sein.

Weniger Ermüdung für die Mitarbeiter
Nach den ersten Vorgesprächen wurden Kommunikationswege und -arten zwischen den IT-Systemen sowie prozessuale Anforderungen an das System definiert. Dabei ging es unter anderem auch um Themen wie die Einarbeitung neuer Mitarbeiter und die Verringerung des Ermüdungsfaktors der Kollegen. Ziel war es von Anfang an, eine sehr effektive gleichzeitig aber auch schlanke Lösung zu entwickeln. Nur wenige Monate später baute Symbic eine erste Testumgebung im Lager von Hellmann auf, in der die Kommissionierer die Technik unter realen Bedingungen ausprobieren konnten. Achim Hendriks, Geschäftsführer von Symbic erklärt im Gespräch mit materialfluss: „Die Mitarbeiter wurden bei der Installation vor Ort früh eingebunden. Sie konnten die „Logistic Lights“ zuerst ausprobieren und uns ihr Feedback dazu geben.“ Auf Basis des Praxistests wurden Optimierungspotenziale identifiziert und An­passungen vorgenommen. Somit waren die Mitarbeiter von Anfang an in die Entwicklung der „Logistic Lights“ involviert und konnten sich bereits früh mit der Technik vertraut machen sowie ihre anwenderbezogenen Anforderungen an das Produkt äußern. Peter Götting, Projektmanager im Bereich Kontraktlogistik bei Hellmann Worldwide Logistics, ergänzt: „Die Lösung stellt durch die intuitive Bedienung eine Prozessverbesserung dar, zudem ist die Arbeit ist für die Kollegen durch die verbesserte Ergonomie körperlich weniger anstrengend als zuvor.“ Die neue Lösung stieß dementsprechend auf positive Resonanz. „Wir beobachten ebenfalls positive Effekte im Bereich der Mitarbeiterzufriedenheit, einem zentralen Thema bei Hellmann,“ so Götting beim Meeting im Rahmen der LogiMAT 2019.

Kurze Wege, offener Austausch
Ein offener und zielgerichteter Ideenaustausch sowie eine unkomplizierte Arbeitsweise mit kurzen Informationswegen waren charakteristisch für die Zusammenarbeit zwischen den beiden auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Projektpartnern. Das Ergebnis spiegelt dies in der intuitiven und effizienzsteigernden Anwendung der „Logistic Lights“ wider: So sank die Zeit für die Einarbeitung im Bereich „Sortierung“ durch die intuitive Bedienung von einem Tag auf etwa eine Stunde. Dies führte in der Testphase bei Hellmann – die genau in die erhöhte Anforderung des Weihnachtsgeschäfts fiel – dazu, dass beispielsweise auch Zeitarbeitskräfte schnell und effizient eingesetzt werden konnten. So konnte nicht nur ein stabiler Materialfluss sichergestellt, sondern durch die erhöhte Pick- / Put-Rate auch die Produktivität maßgeblich gesteigert werden.

Die Lichtstrahler stammen aus der Veranstaltungstechnik und sind daher sehr robust. Aufgrund der einfachen Technik im Hintergrund kann auch die Kalibrierung innerhalb weniger Minuten durch den Anwender selbst vorgenommen werden, so dass sich ein Umbau im Lagersystem schnell realisieren lässt. „Im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen ist der Installationsaufwand bei „Logistic Lights“ deutlich geringer,“ weiß Hendriks. Ein weiteres Plus: Aufgrund der einfach gehaltenen Kommunikation zwischen den Systemen verbleiben alle relevanten Daten bei dem Anwender. Auch über weitere Einsatzmöglichkeiten wird im Hause Hellmann bereits nachgedacht: Die Möglichkeiten scheinen noch nicht ausgeschöpft zu sein. „Wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit und interessieren uns neben der Ausweitung der Anwendung für weitere gemeinsame Pilotprojekte,“ resümiert Götting.

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