Peter Kazander gibt LogiMAT-Leitung ab

Martin Schrüfer,

Persönlich, ehrlich und mit Herzblut

So wird aus einem Triumphzug zugleich ein Abschied: Peter Kazander, nicht nur in den Köpfen der Aussteller stets präsente Chef der LogiMAT, wird die Projektleitung für die Leitmesse abgeben. Im Interview mit materialfluss zeigt er Flagge in Sachen Internationalisierung des Messekonzepts und gibt Ausstellern Tipps für gelungene Tage in Stuttgart.

materialfluss: Herr Kazander, zunächst zu den Zahlen: Sie erwarten rund 1.500 Aussteller auf rund 117.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche – und wie viele Besucher?

Peter Kazander: Immer schwierig zu schätzen. In 2017 waren es 50.000. Eine Zahl die wir mit 150 Aussteller mehr wieder knacken sollten. Das ist aber leider auch von externen Faktoren wie Streiks, Schneestürmen oder Ähnlichem abhängig.

mfl: Hat die Euroexpo als Veranstalter dieses, man könnte es beinahe exponentielle Wachstum nennen, auch personell und organisatorisch abgebildet?

Kazander: Ja und nein. Nein, das Team ist nicht gewachsen. Manchmal abends nach einem 16-stündigen Arbeitstag überlege ich mir aber, ob das kein Fehler war. Organisatorisch versuchen wir selbstverständlich schon Prozesse zu automatisieren oder zu vereinfachen. Das Wichtigste ist aber der 1:1 Kontakt mit unseren Ausstellern. Das wird von Jahr zu Jahr zeitintensiver, macht aber am meisten Spaß.

Anzeige

mfl: Wie gewährleisten Sie, dass zumindest ein Teil der Nahbarkeit für Aussteller erhalten bleibt?

Kazander: Ich glaube nach wie vor fest daran, dass die Nahbarkeit nicht abhängig davon ist, was man tut, sondern vielmehr davon, wie man es tut. Wir gestalten auf Augenhöhe gemeinsam mit unseren Ausstellern – groß wie klein – partnerschaftlich eine erstklassige Plattform für unsere Fachbesucher. Das bedeutet Erreichbarkeit, die Bereitschaft Lösungen zu finden auch wenn’s mal schwieriger ist und Kommunikationsbereitschaft insbesondere dann, wenn Ideen und Wünsche nicht 1:1 umsetzbar sind oder, wenn wir selber beispielsweise im Planungsprozess Fehler gemacht haben. Das kommt auch vor. Dann muss Vertrauen da sein, das man nur mit Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit gewinnt.

mfl: Sie stehen nun vor der Aufgabe, den Übergang der LogiMAT von einer überschaubaren Arbeitsmesse in eine gut funktionierende Großmesse moderieren zu müssen. Was packen Sie auf die To-Do-Liste, was auf den Wunschzettel, um dieses Ziel zu erreichen?

Kazander: Eigentlich gar nichts. Wir werden eine – wenn auch wachsende – Arbeitsmesse bleiben. Wir stellen uns bewusst nicht hin uns fangen an anders zu agieren nur, weil wir – Dank unserer Aussteller und Besucher – die weltgrößte Intralogistik-Messe geworden sind. Darauf sind wir stolz, aber wir machen nach wie vor unsere LogiMAT so wie wir das immer gemacht haben: persönlich, ehrlich und mit Herzblut.

mfl: Sie geben Ausstellern seit langem den Rat, den Messeauftritt im Vorfeld gut vorzubereiten. Welchen Fehler beobachten Sie am häufigsten und was wäre Ihr bester Tipp für einen gelungenen Messeauftritt?

Ist das die Zukunft? Virtual Reality könnte auch für Messebesucher ein Thema werden.

Kazander: Es tut mir in der Seele weh, wenn Unternehmen ohne jegliche Kommunikation im Vorfeld nur auf die sogenannte Laufkundschaft hoffen. Eine Messeteilnahme kostet viel Geld. Dieses Geld sollte wohlüberlegt investiert sein. Wir bieten für die LogiMAT eine Menge Möglichkeiten an, mit Redaktionen und mit potentiellen Fachbesuchern zu kommunizieren. Das geht von unserem einmaligen Messe-News-Service über Newsletter-Werbung, kostenlose Gastkarten oder ein Firmenlogo in der Messe-App bis zur exklusiven Werbedarstellung auf dem Messegelände. Das muss nicht immer die Welt kosten und es wirkt trotzdem. Ein zweites No-Go ist Standpersonal, das sich hinter einem Notebook „versteckt“ um zum Beispiel E-Mails abzurufen und dann selbstverständlich auch zu beantworten. Kein Besucher wird einen Aussteller ansprechen, der offensichtlich „bei der Arbeit“ ist. Als letztes die Schulung und die Motivation der Mitarbeiter am Stand. Mit Schulung meine ich nicht eine Produktschulung – das haben alle drauf. Ich meine Messe-Schulung. In Bewegung bleiben, kommunikativ bleiben, aktiv auf Menschen zugehen. Einfache Sachen wie: reiche einem potentiellen Besucher die Hand. Damit mach ich es ihm viel schwieriger, gleich weiter zu laufen. Mitarbeiter-Motivation ist wichtig, weil drei ganze Tage am Messestand unglaublich anstrengend sind. Um das mit vollem Einsatz durchzuhalten, müssen alle Mitarbeiter unterstützt und nicht – wie leider oft der Fall – in Wettbewerb untereinander nur getrieben werden. Ich könnte noch weitere Beispiele bringen – „Messe-Vorbereitung und -Durchführung“ wäre ein Thema für sich.

mfl: Obwohl eine Messe von persönlichen Gesprächen lebt, kann man die Digitalisierung während der Messetage nicht ausknipsen. Was halten Sie als Veranstalter beispielsweise von AR-Anwendungen für die Handys der Messebesucher? Ist es nötig, den Messebesuch weiter digital anzureichern?

Kazander: Unsere Aussteller machen das bereits. VR-Brillen werden an den einzelnen Ständen immer beliebter, um Produkte und Lösungen optisch zu erläutern. Dies ist oft gespickt mit einem kleinen bisschen „Spielerei“, aber eine durchaus sinnvolle Entwicklung. Ich denke nicht, dass es viel Sinn macht, eine komplette Messe dagegen virtuell zugängig zu machen. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht noch Ideen gibt, wie man die Präsentationen der Aussteller miteinander auf einer virtuellen Plattform sinnvoll bündeln kann. Aber das Wort „sinnvoll“ ist dabei wichtiger, als das Wort „Spielerei“.

mfl: Herr Kazander, zum Ende dieses Gesprächs eine Frage, auf deren Antwort Branchenkenner warten: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an den Stand A41 in Halle 5 der kommenden LogiMAT denken?

Kazander: Viel Freude und ein bisschen Stolz - Da bin ich ganz ehrlich. Ich freue mich sehr mit der Beumer Group – eine so wichtigen Player im Markt – für die LogiMAT gewonnen zu haben. Beumer ist, wie alle anderen 1.500 Aussteller eine Bereicherung und das ist gut für die Messe. Es ist aber in erster Linie gut für unsere Fachbesucher, die in Stuttgart die Keyplayer suchen und finden.

mfl: Vor ein paar Jahren meinten Sie doch, wenn das mal klappt mit Beumer in Stuttgart, würden Sie aufhören...

Kazander: Vor ein paar Jahre sagte ich auch noch, dass ich es nicht anstrebe, die Weltleitmesse zu werden. Das ist trotzdem eingetroffen. Ab und zu muss man seine Aussagen halt revidieren (lacht). Aber im Ernst, es ist in der Tat an der Zeit, die Projektleitung der LogiMAT Stuttgart abzugeben. So gesehen ist die LogiMAT 2018 meine letzte Messe im Ländle.

mfl: 2017 meinten Sie in diesem Magazin: „Irgendwann hat man den Markt dann auch komplett beieinander in Stuttgart“. Das Ziel sollte bereits erreicht sein. Was kommt jetzt?

Kazander: Ich werde von Jahr zu Jahr vorsichtiger mit der Einschätzung wann das tatsächlich der Fall ist. Wir haben auch in 2018 wieder fast 200 Unternehmen gewinnen können, die erstmalig auf der LogiMAT ausstellen. Diese Zahl hätte ich im April 2017 sicherlich noch nicht so hoch eingeschätzt.

mfl: Sehen wir auf absehbare Zeit beispielsweise eine LogiMAT South America oder eine LogiMAT Russia?

Kazander: Ich hoffe in der Tat, dass ich die Gelegenheit bekomme, mich noch mehr auf ausländische Märkte konzentrieren zu können. Nichtsdestotrotz wird es keine Reihe von „zum Scheitern verurteilte“ LogiMAT-Ableger weltweit geben. Da gibt es intelligentere Lösungen, die unseren Ausstellern mehr Potential und mehr Sicherheit bieten. Denn das dürfen wir bei aller Euphorie nie vergessen: Wir machen keine Messe als Selbstzweck, wir machen es gemeinsam mit unseren Ausstellern für die Fachbesucher. Nur deren Erfolg ist mein Erfolg.

Mit Peter Kazander sprach Martin Schrüfer, Chefredakteur materialfluss. Die Aussicht auf eine LogiMAT ohne den sympathischen Messemanager stimmt nicht nur Schrüfer traurig - ob sich „Mr. LogiMAT“, wie ihn LT-manager im Jahr 2011 titulierte, noch umstimmen lässt? Beispielsweise mit einer Wild Card für die Elftal bei der kommenden Fussball-Weltmeisterschaft?

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Software

F.EE: Simulation 4.0

Die IT-Sparte des Automatisierungsspezialisten F.EE hat mit fe.screen-sim eine 3D-Simulationssoftware etabliert, die Simulation, Planung und virtuelle Inbetriebnahmen für komplexe Fördertechnikanlagen ermöglicht. Bei Lager- und...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem materialfluss NEWSLETTER

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite