Krane & Komponenten
Kran statt Kraftwagen
Da während der gesamten Zeit der Renovierung die Margaretenbrücke passierbar bleiben musste, setzt man bei den Bauarbeiten auf Portalkrane statt auf Lkws. Eine große Herausforderung an die Krankonstrukteure. Portalkrane für Bauarbeiten einzusetzen ist keine neue Idee. Aber auf einer Brücke – noch dazu einer leicht gekrümmten Brücke mit Steigung und nur geringer Belastbarkeit?
Das war nicht nur für den ungarischen Kranbauer GD eine Herausforderung: In Ungarn ist es das erste Mal überhaupt, dass diese Krantechnologie auf einer Brücke eingesetzt wird. Die Margaretenbrücke ist eine der neun Donaubrücken in Budapest, und seit August 2009 ist die Brücke für den Autoverkehr gesperrt.
Das Besondere: Als eine der Hauptbrücken muss die Margaretenbrücke während der gesamtem Bauzeit für Straßenbahnen und Busse passierbar bleiben, was es praktisch unmöglich macht, Baumaterial per Lkw auf die Baustelle zu befördern. So entstand der außergewöhnliche Plan, zwei Spezial-Portalkrane zu bauen. Da die Lkws weder auf der Brücke noch an den Brückenköpfen parken können, liefern sie die Bauteile über den Kai an, der unterhalb der Brücke entlang des Ufers verläuft.
Von hier heben die Krane über einen 5 m langen Ausleger die 13–14 m langen Stahl- und Betonteile auf die Brücke und transportieren sie, ohne Drehung, an die richtige Position. Der Stützenabstand auf der Seite des Auslegers wurde zu diesem Zweck auf 18 m verbreitert. Ein speziell verstärkter Querträger aus einer geschweißten Gitterkonstruktion sorgt trotz des großen Abstands für die nötige Stabilität.
Ein weiterer Vorteil: Durch den großen Stützenabstand ist der Bereich am Brückenrand besser zugänglich, so dass hier die Bauteile für den neuen Fußgänger- und Radweg leichter montiert werden können. Jeder der Portalkrane kann über seine 320 m lange Kranbahn eine Hälfte der Brücke komplett abdecken. Eine der größten Herausforderungen an die Krankonstrukteure von GD war es, die 16 Tonnen Traglast so zu verteilen, dass die Brücke den Belastungen standhält.
Eine weitere Schwierigkeit: Nord- und Südseite der Brücke sind um 1° gekrümmt und haben eine Steigung von bis zu 3 %, so dass konventionelle Portalkranlaufwerke von vornherein ausschieden. Abhilfe schafften vier speziell angefertigte Fahrwerke des deutschen Krantechnik-Spezialisten Stahl Crane- Systems. Jede dieser Einheiten besteht aus vier angetriebenen Rädern, die sowohl paarweise als auch gemeinsam schwenkbar sind. So erreicht man eine maximale Radlast von weniger als 5 t, was unter der Radlast der Budapester Straßenbahnen liegt.
Die Gesamtleistung der 16 angetriebenen Laufräder beträgt 35 kW, so dass die Krane auch bei 16 t Nennlast, 3 % Steigung und einer Windgeschwindigkeit von 50 km/h noch sicher arbeiten können. Als Hebezeuge kommen zwei Seilzüge der SHSerie von Stahl zum Einsatz, die Steuerung der Krane erfolgt über Funk. Der ungarische Kranbauer GD deckt alle Aufgaben von der Konstruktion über die Kranfertigung bis zur Montage ab. Er gilt als der wichtigste Partner von Stahl CraneSystems auf dem ungarischen Markt.
Als Hersteller von Spezialkranen und Transportlösungen setzen die Ungarn seit vielen Jahren auf die kompetente Beratung der starken Engineeringabteilung von Stahl. Die Portalkrane wurden im Dezember 2009 von GD montiert. Seither sind sie täglich im Einsatz: Sie heben die schweren Stahlbeton-Elemente aus der Fahrbahn und transportieren sie zur Verladestelle am Brückenkopf.
Später übernehmen sie dort die neuen Fahrbahnteile und manövrieren sie wieder an die richtige Position. Die Bauarbeiten werden von einem Konsortium der Firmen Közgép, Strabag und Hídépít unter Leitung von Közgép ausgeführt. Sie sollen Ende 2010 abgeschlossen sein.

Über die Margaretenbrücke Die Margaretenbrücke ist eine der verkehrsreichsten Donaubrücken in Budapest. Sie stammt aus dem Jahre 1876, ist 637 m lang und 16 m breit und verfügt über eine Spannweite von 87 m. Sie ist die längste Brücke des Landes und verläuft über die Südspitze der Margareteninsel, von der aus die beiden Brückenteile mit jeweils drei Segmentbögen abgehen.
Stahl CraneSystems GmbH, E-Mail: [email protected], www.stahlcranes.com









