Identtechnik/RFID
Vocollect passt sich dem Dialekt an

Im Logistikzentrum des Handelsunternehmens Globus im tschechischen Jirny kommissionieren rund 60 Mitarbeiter aus fünf Nationen mit Sprachtechnologie von Vocollect. Die Pickleistung stieg um 70 Prozent von 130 auf durchschnittlich 220 Kartons pro Stunde. Um ein Haar wäre die Sprachkommissionierung im Globus-Logistikzentrum in Jirny bei Prag keine Erfolgsgeschichte geworden. Die Vorgängerlösung war ein „untrainiertes System“ (Erläuterung siehe Kasten) und auch nach zwei Jahren Testen und Entwickeln nur vereinzelt einsatzbereit. Die meisten der damals 40 Picker pro Schicht hatten deshalb immer noch mit Papierlisten statt mit moderner Voice-Technologie gearbeitet.Erst Honeywell Vocollect Voice Solutions brachte hier im Jahr 2007 die Wende. Damals führte Globus eine trainierte Voice-Lösung ein – zusammen mit dem Lagerverwaltungssystem Wamas von SSI Schäfer. „Die zeitgleiche Umstellung verlief pünktlich und ohne Probleme. Seitdem arbeiten alle unsere Kommissionierer papierlos und haben Hände und Augen frei, um sich voll und ganz auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren“, berichtet Lenka Kamesová, die im Globus Logistikzentrum Jirny das gesamte Lager für das Trockensortiment verantwortet.
Headset statt Pickliste
In Tschechien ist die deutsche Globus-Gruppe bereits seit 1996 aktiv. Insgesamt beschäftigt das konzernunabhängige Handelsunternehmen rund 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Über ein Drittel von ihnen sind als stille Gesellschafter an der Firma beteiligt. In der tschechischen Republik betreibt Globus 15 SB-Warenhäuser und drei Baumärkte.

Anstelle einer Pickliste oder eines Handscanners sind die Kommissionierer in Jirny jetzt mit einem Headset und dem daran angeschlossenen Talkman ausgerüstet. Dieses Voice-Gerät erhält die Kommissionieraufträge via WLAN aus Wamas, wandelt sie in Sprachbefehle um und überträgt sie zum Headset des Mitarbeiters. Zu den positiven Effekten zählt vor allem eine um rund 70 Prozent gestiegene Produktivität. „Die Leistung stieg von 130 auf durchschnittlich 220 Kartons pro Stunde,“ bestätigt Kamesová. Die rund zwei bis drei Millionen Picks pro Monat werden jetzt an sieben Tagen pro Woche in zwei Schichten von je 30 Kommissionieren geschafft.
Antworten in der Muttersprache
Von diesen Fakten ließ sich auch der für Globus tätige Dienstleister MD Logistik überzeugen. Das Unternehmen kommissioniert für das Logistikzentrum Jirny Tiefkühlware und ist dafür direkt an Wamas angeschlossen. Seit 2009 kommissioniert auch MD Logistik mit der Honeywell Vocollect Voice Solution und verzeichnet ähnliche Effekte.
Der Schlüssel zum Erfolg lag in den individuellen Sprachprofilen, die mit Vocollect in nur rund 30 Minuten angelegt werden können. Dabei werden Aussprache, Akzent und Dialekt der Mitarbeiter berücksichtigt, so dass sich das Voice-System perfekt an den einzelnen Menschen anpasst – und nicht umgekehrt. „Bei uns kommt fast jeder Kommissionierer aus dem Ausland, wie zum Beispiel Bulgarien, Rumänien oder der Ukraine“, erklärt Kamesová. Die Honeywell Vocollect Voice Solution ist derart flexibel, dass jeder Mitarbeiter bei Bedarf auch weiterhin in seiner Muttersprache mit dem Computer kommunizieren kann. „Das kann jeder Kollege beim Anlegen seines Sprachprofils mühelos festlegen“, betont die Lagerchefin. Dieser Komfort habe in der Belegschaft nicht zuletzt zu einer hohen Akzeptanz der Voice-Lösung geführt.
Fehlerquote gesenkt
In diesem Zusammenhang kletterte auch die Qualität steil nach oben, die bei Globus engmaschig kontrolliert wird. In Jirny werden monatlich 80.000 kommissionierte Kolli geprüft, wobei von jedem Mitarbeiter mindestens 300 Kartons berücksichtigt werden. Das Ergebnis ist eine sehr geringe Fehlerquote, die sich dank Vocollect drastisch verbessert hat. „Statt der ursprünglichen 0,2 Prozent liegen wir jetzt bei sehr guten 0,14 Prozent“, sagt Geschäftsführer Ondrej Zíka.
Trainierte und untrainierte Spracherkennung
Die am Markt verfügbaren Sprachtechnologie-Lösungen lassen sich in trainierte und untrainierte Systeme unterscheiden. Untrainierte Systeme passen sich nicht an die individuellen Sprachprofile der einzelnen Mitarbeiter an. Dialekte, Akzente und andere sprachliche Eigenheiten führen dann oft zu Fehlern oder Missverständnissen. Trainierte Systeme stellen sich hingegen individuell auf jeden Mitarbeiter ein. Für jeden Kommissionierer wird dafür innerhalb weniger Minuten einmalig ein Sprachprofil erstellt. Auf dieser Basis passt sich die Voice-Lösung an den jeweiligen Mitarbeiter an – und nicht umgekehrt.
Dieser Sprung ließe sich auf mehrere Ursachen zurückführen. Zum einen erhalten die Kommissionierer über das Headset eindeutige Anweisungen und zum anderen lasse der vorgegebene Prozess keine Abweichungen zu. „Die Struktur ist genau vorgegeben“, stellt Lenka Kamesová fest. Dazu gehöre auch, dass der Kommissionierer beim Erreichen einer Pick-Position zunächst die letzten beiden Barcode-Ziffern der dort gelagerten Kartons vorlesen muss. Durch diesen einmaligen Check wird sichergestellt, dass sich der Mitarbeiter am richtigen Fach befindet.
Wer fehlerlos bleibt, bekommt einen Lohnzuschlag

Die Qualitätskontrolle liefert aber nicht nur den Beweis für die extrem hohe Zuverlässigkeit, sondern auch die Grundlage für das bei Globus geltende Prämiensystem. Kommissionierer mit Null Fehlern erhalten am Ende des Monats einen Lohnzuschlag von fünf Prozent. Vor diesem Hintergrund fragen Mitarbeiter zuweilen nach, ob die eigenen Fehler nicht vielleicht doch der Computer zu verantworten habe.
In diesen Fällen kann die Vocollect Voice Konsole 5.0 ihre Stärken ausspielen, die Globus – unterstützt vom Prager Systemhaus Kodys – bereits im Jahr 2013 implementiert hat. „Die Umstellung auf Version 5.0 war nach über fünf Jahren überfällig, zumal sich die Konsole zu einem unverzichtbaren Management-System weiterentwickelt hat“, betont Ondrej Zíka. Zum Beispiel zeige das Programm nun jederzeit die voraussichtliche Lebensdauer aller Akkus an, die somit rechtzeitig beschafft und ersetzt werden können.
Verbesserte Spracherkennung
Ein weiteres Upgrade der Voice-Lösung erfolgte im Jahr 2015. Nach sieben harten Einsatzjahren im Zweischichtbetrieb zeigten fünf der insgesamt 30 Talkman erste Ermüdungserscheinungen, so dass diese Geräte ersetzt werden mussten. Damals entschied sich Globus für das Nachfolgemodell A700 mit Bluetooth-Verbindung zum Headset. Systemintegrator Kodys stellte hierfür zunächst eines der Geräte für zwei Wochen für Tests zur Verfügung. Mit Erfolg: „Unsere Mitarbeiter sind vom A700 begeistert“, bekennt Lagerchefin Lenka Kamesová.
Die kabellose Verbindung zum SRX2-Headset führe zu mehr Bewegungsfreiheit und die verbesserte Spracherkennung zu nochmals beschleunigten Abläufen. „Besonders deutlich spürten wir den Fortschritt bei den ausländischen Mitarbeitern mit stark ausgeprägtem Akzent“, so Kamesová. In Zukunft dürfte dies auch den Anlernprozess der acht bis zehn Leiharbeiter vereinfachen, die Globus einmal im Jahr für das Weihnachtsgeschäft benötigt. Kein Wunder also, dass Globus auch die restlichen 25 Talkman vom Typ T2X schrittweise durch den A700 ersetzen will. Aber auch mit dieser Maßnahme wird das Voice Projekt für Globus noch lange nicht abgeschlossen sein. Bereits 2016 soll im Logistikzentrum Jirny auch im Frischebereich mit der Sprachtechnologie kommissioniert werden.
Heiko Krause
Kontakt:
Globus SB-Warenhaus Holding GmbH & Co. KG D-66606 St. Wendel Tel.: 0 68 51 / 90 90 E-Mail:
Vocollect Solutions D-40549 Düsseldorf Tel.: 02 11 / 53 60 13 19 E-Mail: [email protected] www.vocollect.de









