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Artikel und Hintergründe zum Thema

Fördertechnik & Komponenten

Martin Schrüfer,

Interview: Vom Komponentenhersteller zum Systemanbieter

Jens Kirchhoff ist seit Juni 2014 CEO bei der Denipro AG in Weinfelden, Schweiz. Zuvor war der 37-jährige Deutsch-Schweizer Marketing Director bei der WHR Marketing in Hinwil. Exklusiv in Materialfluss erzählt Kirchhoff, wie es zur strategischen Neuausrichtung von Denipro kam, und plaudert über das Verhältnis zur Ferag AG.

Materialfluss: Wie wird man vom Marketing Director zum CEO? Jens Kirchhoff:

Das ist bei uns nicht so spektakulär. Marketing Director ist nur ein Titel. Ich hatte drei verschiedene Positionen parallel inne und war interim Managing Director für den spanischen Markt, hatte das spanische Team und Büro in Madrid geführt. Ich habe mich schon vorher in der Organisation um die Intralogistik und die Intralogistik-Märkte gekümmert. Da war es naheliegend – als wir uns Anfang 2014 bei Denipro strategisch neu ausrichteten – dies auch bei der Unternehmensführung zu tun.

MFL: Worin bestand genau diese Neuausrichtung? Kirchhoff: Wir haben zuvor ein reines Komponentengeschäft betrieben, haben Komponenten hergestellt und an Systemintegratoren verkauft. Jetzt sind wir selbst der Systemanbieter. Die Systeme entwickeln wir selbst um unseren Technologiepark herum. Und wir operieren direkt mit den Endkunden.

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MFL: Was war der Auslöser? Warum hat man gesagt: Jetzt brauchen wir eine neue Strategie? Kirchhoff: Dafür gab es zwei Gründe. Viele Systemintegratoren planen nach der traditionellen, herkömmlichen Fördertechnik. Wir sind immer wieder in die Abhängigkeit von Systemintegratoren gekommen, die die Auslegung des Prozesses und der Anlage bestimmt haben. In Standardprozessen verbaut, konnte unsere Technologie nicht alle Vorteile ausspielen. Deshalb haben wir gesagt, wir machen das jetzt selbst. Der zweite Grund liegt in unserer DNA. Wir machen seit 70 Jahren Systembau. Und da in der zweiten Reihe zu stehen und unsere Komponenten irgendwo „reinzufüttern“, hat uns nicht so ganz gepasst.

Sanftes Rutschen statt Herausfallen: Das neue denisort-System von Denipro sorgt für schonendes Handling von Waren und Werkstücken. Foto: Denipro

Egal ob nach rechts oder links

Der Kippmechanismus und die Bauweise der Schalen beim neuen denisort zeigen, dass sich die Ingenieure im Schweizer Weinfelden bei den Details pfiffige Lösungen ausgedacht haben. Der Kippmechanismus ist so konstruiert, dass die Produkte schonend entladen werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit der doppelseitigen Entladung: Die Schale lässt sich sowohl nach rechts als auch nach links kippen und öffnen. Der Clou: Die Produkte fallen nicht einfach aus den Schalen, sondern rutschen behutsam und kontrolliert ihrer Destination entgegen.

MFL: Wie ist das Verhältnis von Ferag und Denipro? Ist Ferag der große Bruder, Denipro die kleine Schwester?

Kirchhoff:

Ja, von den Mitarbeitern und dem Umsatz her, ist es tatsächlich so. Ferag ist das Haupthaus, das Walter Reist 1957 gegründet hat. Wir haben viel Produktions-Know-how, sind aber erst 1984 zur Gruppe gestoßen. Wir sind das jugendliche Unternehmen im Gruppenverbund. Dadurch dass wir kleiner sind, sind wir flexibler, und vielleicht auch mal vorlauter. Vielleicht auch etwas dynamischer. Wir haben eine gemeinschaftliche Entwicklung, aber wir sind separate Spieler in den Märkten.

MFL: Sie haben mit Zalando ein bekanntes Unternehmen als Kunde gewonnen. Wie haben Sie sich gegen Ihre Marktbegleiter durchgesetzt? Kirchhoff: Technik. Wir haben ein extrem starkes technisches Portfolio. Die Technik ist einzigartig. Die gibt es seit 28 Jahren. Es wird seit über 20 Jahren versucht, die Kettenfördertechnik in der Grafik zu kopieren. Das hat niemand geschafft. Das hat Zalando auch überzeugt.

MFL: Sie betonen, dass Denipro ein familiengeführtes Unternehmen ist, und es auch keine Fremdinvestoren gibt. Was ist da für Sie als CEO der große Vorteil? Kirchhoff: Planbarkeit. Oder Kontinuität. Wir sind ein Unternehmen, das es sich erlauben kann, Pläne zu machen und umzusetzen. Das ist das Schöne. Ich habe vorher in großen, börsennotierten Unternehmen gearbeitet. Was mir immer auffiel, ist die unglaubliche Zeitverschwendung, die man für das Reporting aufwendet. Das hat man hier nicht. Es gibt kurze Kommunikationswege. Man greift zum Telefon und fünf Minuten später ist eine Entscheidung da.

MFL: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kirchhoff.

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