Behälterkreislauf für Drogeriemarktkette

Marvin Meyke,

Erfolgsfaktor Kunststoffbehälter

Mit Kunststoffboxen aus dem Behälterprogramm von SSI Schäfer hat die Drogeriemarktkette dm einen geschlossenen Mehrwegkreislauf eingerichtet. Die Behälter dienen als Lager-, Kommissionier- und Transportboxen. Mit Bestellungen von bis zu 60.000 Behältern pro Jahr baut dm das System kontinuierlich aus.

Kommissionierarbeitsplätze: Kommissionierung der Ware für die Auftragsabwicklung © SSI Schäfer

Die Gründe für den Erfolg von Kunststoffbehältern sind vielfältig: „Wachsender Automationsgrad in der Intralogistik, Transportketten- und Kostenoptimierung sowie gestiegenes Umweltbewusstsein sind die wesentlichen Treiber für die hohe Marktakzeptanz und Nachfrage“, erklärt Josef Kendl, Senior Sales Manager Behälter und Regalsysteme bei SSI Schäfer, Wels. Insbesondere durch die zunehmende Automatisierung steigen die Anforderungen an die Ladungsträger. Automatisierte Anlagen erzielen, im Vergleich zu Kartonagen und veralteten nicht konformen Behältern, mit passenden Kunststoffbehältern höhere Pick-Raten, eine bessere Verfügbarkeit sowie eine geringere Fehlerrate. Diese Aussagen unterstreicht unter anderem eine Anfang 2018 vom Fraunhofer Institut für Bauphysik veröffentlichte Studie zum Carbon Footprint von Mehrweg-Kunststoffbehältern.

Am Beispiel von Verpackungssystemen für Obst- und ­Gemüsetransporte weist sie für die genutzten Mehrweg-Kunststoffbehälter 60 % weniger Treibhausgas-Emissionen aus als für Einwegtransportverpackungen aus Karton. Bereits ab dem sechsten Umlauf verursachen Mehrwegtransportsysteme ­danach geringere Treibhausgasemissionen je Umlauf. Überdies bieten sie bezüglich der Skalierbarkeit wie auch hinsichtlich sukzessiver Automatisierungsschritte zahlreiche Vorteile in den operativen Abläufen und langfristiger Investitionssicherheit. Eine gute Referenz dafür ist die dm drogerie markt GmbH, die österreichische Tochtergesellschaft der dm-drogerie markt GmbH & Co. KG mit Sitz in Karlsruhe.

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Lange Nutzungsdauer der Behälter
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert, setzt dm bei der eigenen Logistik-Abwicklung auf Kunststoffbehälter. „Mir begegnen immer wieder Behälter mit dem alten Logo“, sagt Herbert Scheiblauer, Manager Transporte & Lagerorganisation dm Österreich. „Der Logo-Wechsel erfolgte Ende der 90er-Jahre.“ Bereits in den 1990er-Jahren lieferte SSI Schäfer erste Kunststoffbehälter an dm. 1989 bündelte die Kette ihr Warehousing für den österreichischen Markt in einem Verteilzentrum in Enns. Inzwischen sind dort bis zu 14.000 Drogerieartikel gelagert. Das zentrale Distributionszentrum versorgt heute alle 389 österreichischen dm-Filialen sowie acht Verteilzentren in Mittel- und Osteuropa. 1995 erfolgte eine erste Erweiterung des Logistikzentrums. 2009 wurden die Prozesse mit Einrichtung eines vollautomatischen Paletten- und Behälterhochregallagers auf künftige Anforderungen ­einer Logistik 4.0 ausgelegt.

Nach den positiven Erfahrungen aus der vorherigen Zusammenarbeit erhielt SSI Schäfer dabei den Auftrag für den Stahlbau der Anlage mit 57.400 Behälter- und 3.200 Palettenstellplätzen. Um für durchgängige Prozesse der Auftragsfertigung zu sorgen, wurden die Steuerungen aller im Lager befindlichen Komponenten in die Logistiksoftware Wamas integriert. Zur Grundausstattung des Lagers orderte dm bei SSI Schäfer überdies weitere 60.000 Kunststoffbehälter. „Mit dem Behältereinsatz verfolgen wir inzwischen von der internen Automatisierung bis zur Distribution an die Filialen einheitliche Standards“, erläutert Herbert Scheiblauer.

Effiziente Behälterlösungen für den täglichen Gebrauch
dm Österreich entschied sich für den Behältertyp FKE 6320 mit den Grundmaßen 600 x 400 x 320 mm als Basis für die interne Auftragsfertigung und das aufgelegte Mehrwegsystem. Der unempfindliche Polypropylen-Behälter aus der Serie der falt-/klappbaren Kunststoffboxen fasst einen Inhalt von 65  Liter. Fünf verschiedene Standardboxen hat SSI Schäfer in der FK-Serie aufgelegt. Sie sind auf das Euro-Palettenmaß abgestimmt. Der feststehende Oberrand der FKE 6320 garantiert Ver­windungssteifheit und ein sicheres Stapeln – mit oder ohne ­Verschlussdeckel. Der verstärkte Boden mit Rippenkontur ist optimal für das Handling in automatisierten Anlagen.

„Die Auftragsstrukturen aus den Filialen werden immer kleinteiliger“, hebt Herbert Scheiblauer hervor. „Parallel dazu verfolgen wir in Lager und Distribution eine Vereinzelungs­strategie. Das Mehrwegsystem mit den Kunststoffboxen ermöglicht es uns, einen kleinteiligen Auftragssatz sicher und un­beschädigt an die Filialen zu liefern.“ Die FKE 6320 fungieren bei Lagerung und Kommissionierung im Verteilzentrum Enns sowohl als Quell- wie auch als Zielbehälter. Fördertechnik führt die Quellbehälter aus dem AKL nach dem Prinzip Ware-zur-Person automatisch an die jeweiligen Arbeitsstationen. Dort werden pro Stunde bis zu 3.500 Auftragspositionen entnommen und direkt in die Zielbehälter kommissioniert, die zugleich als Transportbehälter dienen. Vorgeschaltete automatische ­Be­hälteraufrichter sorgen dafür, dass dem Mitarbeiter ­gebrauchsfertige Boxen präsentiert werden. „Mit Kartonagen hätten wir nicht nur kontinuierliche Beschaffungskosten und in den Filialen viel Ver­packungsabfall zu ent­sorgen“, begründet der Transport- und Lager-­Organisator „wir hätten ­angesichts des hohen ­Vereinzelungsgrades auch erhebliche Probleme bei der filialgerechten Palettierung. Die mit Kartons be­ladenen Paletten ließen sich wegen mangelnder Stabi­lität kaum ohne Beschä­digungen der untersten ­Par­tien aufeinander stapeln. Sie andererseits auf den Lkw-Ladeflächen zu verteilen würde extrem viel Laderaum vergeuden.“

Anders ist es mit den Kunststoffbehältern: Die auftragsgerecht befüllten Zielboxen werden via Fördertechnik ­automatisch von den Kommissionierplätzen abgezogen und an Konsolidierungsplätze geführt. Dort werden die Zielbehälter abgenommen, als Transportboxen übereinander auf Paletten gestellt und schließlich zur Belieferung der Filialen verladen. Dort werden die Artikel verräumt, die Transportbehälter ­anschließend zusammengeklappt, gesammelt und turnusmäßig zurück in das Logistikzentrum transportiert. „Mit den Boxen der FK-Serie lässt sich das Behältervolumen bei den Leer­gutrückführungen um rund 80 Prozent reduzieren“, erläutert Josef Kendl. „Auch das unterstützt den Nachhaltigkeitsgedanken beim Einsatz von Mehrwegbehältern.“

Ausdehnung des Systems auf Südosteuropa
Vor diesem Hintergrund hat dm Österreich das Kreislaufsystem mit den Mehrwegbehältern in den vergangenen Jahrzehnten auch auf Südosteuropa ausgedehnt. Inzwischen konsolidieren die Österreicher den Bedarf für zehn weitere der insgesamt ­13 europäischen Ländergesellschaften von dm und geben einmal im Jahr eine Sammelbestellung an SSI Schäfer. Seit Anfang der 2000er-Jahre liefert das Unternehmen jedes Jahr zwischen 40.000 und 60.000 der Lager- und Transportboxen an dm Österreich aus. Mittlerweile sind in den Landesgesellschaften ­ins­gesamt zwischen 600.000 und 800.000 Behälter des Typs FKE 6320 im Umlauf. Rechtzeitig zur Spitzensaison beginnt ­SSI Schäfer dann im Oktober mit der Auslieferung der Behälter.

Behälter als effizientes Gesamtsystem
„In Summe bilden die Mehrwegbehälter die Basis für ein effi­zientes, nachhaltig wirksames Gesamtsystem“, resümiert ­Herbert Scheiblauer, dm drogerie markt GmbH. „Es ist flexibel skalierbar, bietet viele operative Vorteile und sicheren Transport und hebt deutliche Einsparpotenziale. Für uns ein Erfolgsfaktor. In der langjährigen Geschäftsbeziehung mit dm hat sich SSI ­Schäfer dabei als verlässlicher Partner erwiesen.“

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