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Nachhaltigkeit ist ein Dauerbrenner
Technologien und Zukunftskonzepte gibt es in der Intralogistik bereits zahlreich. Ausgeschöpft ist das Thema jedoch noch lange nicht. Gastbeitrag von Sascha Schmel, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Fördertechnik und Intralogistik. Mit jeder technischen Neu- und Weiterentwicklung definiert die Branche höhere Anforderungen und Ziele. Lag der Fokus in der Vergangenheit eher auf einzelnen Aspekten, ist heute zunehmend ein ganzheitlicher Ansatz gefragt. Das Unternehmen in all seinen Facetten wird auf den Prüfstand gestellt. Dazu ein Beispiel: Logistikzentren sind bereits heute intelligente Gebäude, nach Niedrigenergiestandard gebaut. Das heißt unter anderem ausgewählte recyclingfähige Materialien, entsprechende Dämmung, Photovoltaik auf dem Dach, intelligente Beleuchtung mit tageslichtabhängiger Steuerung und vieles mehr. Im Logistikzentrum finden sich neben der Lagereinrichtung verschiedene Intralogistiksysteme und -anlagen, teils automatisch, teils manuell. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Eine ganze Menge, vor allem in Bezug auf den Gesamtenergieverbrauch. Ein Projekt der Forschungsgemeinschaft Intralogistik/ Fördertechnik und Logistiksysteme e. V. – kurz IFL – hat dies bereits im vergangenen Jahr untersucht. Das Projekt „CO2-neutrales Logistikzentrum“ wurde am Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik sowie am Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik der Technischen Universität München durchgeführt. Das Ergebnis: Der Einfluss von Intralogistiksystemen steigt bei halb- und vollautomatischen Lagern im Verhältnis zum Gebäude stark an. Von 20 Prozent bei manuell betriebenen Lagerhallen auf 70 oder sogar 85 Prozent bei vollautomatisierten Logistikzentren. Das zeigt die Bedeutung von Nachhaltigkeit auf Produktebene. Aktuell wird die Studie übrigens aktualisiert, um den Umsetzungsstand und weiteren Handlungsbedarf zu identifizieren.

Schafft Industrie 4.0 eine neue Nachhaltigkeit?
Das Beispiel zeigt aber auch, wenn über Nachhaltigkeit gesprochen wird, dominiert die CO2- und damit die Energiediskussion. Andere Aspekte wie Ressourceneffizienz, Lebenszykluskosten- Optimierung oder Recycling stehen noch nicht so stark im Fokus. Für die Logistik im Allgemeinen – und damit auch für die Intralogistik – kommt noch eine weitere Betrachtungsweise hinzu. Dazu folgende These: Es ist effizienter und nachhaltiger, Informationen zu transportieren als physische Objekte. Bereits heute werden Daten und Informationen intensiv genutzt und ausgewertet, um Prozesse zu optimieren – vorrangig um Kosten und Zeit zu sparen, doch die Nachhaltigkeit kommt dabei auch nicht zu kurz. Automatisierung und Datentransparenz sind die Zutaten dafür. Und mit diesen wird in der Logistik bekanntlich zunehmend gearbeitet.
Der Vorteil von automatisierten Systemen liegt auf der Hand: Einzelne Komponenten sind in der Lage, miteinander zu kommunizieren, sich zu vernetzen und so Prozesse intelligent zu steuern. Auch dafür gibt es bereits zahlreiche Praxisbeispiele in der Intralogistik: Flottenmanagementlösungen, mit denen Unternehmen den Einsatz ihrer Staplerflotte in Echtzeit koordinieren und analysieren können oder Fördertechnikkomponenten, die sich dezentral selbst steuern – je nach Bedarf. Allein ein modernes Warehouse- Management-System – als zentrale Leitstelle, das alle angebundenen Prozesse und Komponenten effizient steuert, sorgt für Nachhaltigkeit, in dem es Aufträge bündelt, optimale Packgrößen ermittelt, wege- und lastenoptimierte Routen ausgibt und vieles weitere. Unweigerlich rückt bei diesen Beispielen ein anderes aktuelles Schlagwort in den Vordergrund: Industrie 4.0.
Ist Industrie 4.0 der Turbo für eine neue Nachhaltigkeit? Das wird die Zukunft zeigen. Ich meine jedoch, je vernetzter und intelligenter Systeme und die Logistik arbeiten, desto nachhaltiger können sie auch wirken.
Konsumverhalten contra Nachhaltigkeit?

Wohin die Reise gehen wird, hängt maßgeblich von den Rahmenbedingungen ab, die sich im B2B- und vor allem im B2C-Bereich entwickeln werden. Gemessen an der Vergangenheit erleben wir heute immer kürzere Veränderungszyklen und Paradigmenwechsel. Das gilt vor allem für unser Konsumverhalten, welches heute deutlich anders ist als noch vor zehn Jahren. e-Commerce entwickelt sich rasant wie kaum ein anderer Markt. Der B2C-Umsatz im gesamteuropäischen Raum lag 2013 laut einer Studie von „Ecommerce Europe“ bei 363,1 Milliarden Euro und damit etwa 16 Prozent höher als noch 2012. Allein in Deutschland gibt es weit über 60 Millionen Online-Shopper – Tendenz weiter steigend. e-Commerce bietet viel Potenzial, aber eben auch viele Herausforderungen. Den Onlinehandel nachhaltig zu gestalten, ist eine komplexe und schwierige Aufgabe, den Händler, Dienstleister und allen voran die Intralogistiker gemeinsam lösen müssen. Wo sich das Einkaufsverhalten so schnell verändert, muss sich die Logistik anpassen. Falls sich – was meiner persönlichen Erwartungshaltung entspricht – der Online-Einkauf für nahezu alle Dinge des täglichen Lebens durchsetzt, braucht es künftig deutlich weniger stationären Einzelhandel. Selbst der klassische Supermarkt könnte ausgedient haben. Dafür müssten die Versorgungsprozesse dem deutlich erhöhten Bestellaufkommen bei gleichzeitig kleineren Bestellmengen gerecht werden. Denn bei unserer begrenzten Infrastruktur – besonders in den Ballungszentren – sind ganzheitliche nachhaltige Konzepte und Technologien gefragt.
Der Weg ist das Ziel
Die Intralogistikanbieter wissen recht gut um die Herausforderungen und anstehenden Aufgaben. Wo aktuell noch notwendige Grundlagen fehlen, wird intensiv geforscht. Die Branche profitiert hier von ihrem Status als Querschnittsbranche. Denn auch Nachhaltigkeit ist interdisziplinär und braucht übergreifende Lösungen. Das Tempo, mit dem die ökologischen Innovationen entwickelt werden, hängt von deren ökonomischer Tauglichkeit ab. Denn Nachhaltigkeit muss auch wirtschaftlich sein. Die Innovationen der letzten Jahre zeigen jedoch, dass dieser Brückenschlag immer besser gelingt. Zudem führen die modernen Vernetzungsmöglichkeiten auf Produktebene bereits zu zahlreichen Verbesserungen. Informationstransparenz und Vernetzung sind damit zwei weitere wesentliche Schlüssel für Nachhaltigkeit.
Autor: Sascha Schmel
Kontakt:
VDMA Fachverband Fördertechnik und Intralogistik D-60528 Frankfurt Tel.: 0 69 / 66 03-0 E-Mail:









