Markus Falkenhahn im Interview

Martin Schrüfer,

„Wir haben unsere Holzlieferungen gut abgesichert“

Falkenhahn ist einer der größten Palettenhersteller in Europa und blickt auf eine 80-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Wie sich das Unternehmen in der Corona-Krise aufgestellt hat, wollte materialfluss von Marcus Falkenhahn, Geschäftsleiter der gleichnamigen AG, wissen.

© Falkenhahn

materialfluss: Auf welche Märkte und Segmente legen Sie heute einen Schwerpunkt?

Marcus Falkenhahn: Zunächst einmal müssen wir uns bei vorhandenen Kunden immer wieder bewähren. Vielen konnten wir in den vergangenen Monaten bei Paletten-Engpässen eine Lösung bieten. Das hat für uns erste Priorität. Zudem aber sind wir aus der Vergangenheit bei etlichen weiteren Zielkunden des Palettenmarktes bekannt, man hat uns nicht vergessen. Dort knüpfen wir mit recht gutem Erfolg wieder an: Lebensmittel-Industrie, Non-Food-Industrie, aber auch bei technischen Verbrauchsartikeln. Sie honorieren, dass die Marke World seit über 13 Jahren am Palettenmarkt aktiv ist, sich fest etabliert hat und zuverlässig liefert.

mfl: Welche besonderen Maßnahmen haben Sie in den vergangenen Monaten ergriffen?

Falkenhahn: Wir haben darauf geachtet, unser typisches Firmenprofil zu erhalten und weiter zu schärfen: Sehr schlanke Strukturen sind uns in jeder Hinsicht wichtig. Im Einkauf pflegen wir seit je den direkten Kontakt zu wichtigen Lieferanten und unmittelbare Abschlüsse. Hürden und unnötigen Aufwand in der bürokratischen Abwicklung verringern wir dadurch, dass wir selbst das entsprechende Know-how entwickelt haben und pflegen. Auch im Verkauf ist uns das direkte Gespräch wichtig, beginnend mit den ersten Akquisitions-Kontakten, die wir gerne auf Messen knüpfen. Dort zeigen wir uns auch mit unseren Innovationen zum Beispiel im Bereich der automatisch identifizierbaren RFID-Paletten und ihren Einsatz.

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mfl: Wie gehen Sie mit Lieferengpässen bei Holz um, wie sind Sie davon betroffen?

Falkenhahn: Natürlich ist Holz am Weltmarkt und auch in Deutschland knapp. Schließlich ist Holz unverzichtbarer Rohstoff beim Bauen, und angesichts der heutigen Niedrigzins-Politik sind attraktive Immobilien nun mal eine wichtige Anlageform. Zudem ist der Bedarf an Holz als Rohstoff für industrielle Verpackungen durch eine gute Konjunkturlage ebenfalls gestiegen. Bei unserer Produktionskapazität von zehn Millionen Paletten pro Jahr ist eine reibungslose Rohstoff-Versorgung von existenzieller Bedeutung. Wir haben deshalb unsere Holzlieferungen gut abgesichert. Einerseits ist unser großes Lager an Schnittholz ein wichtiger Puffer für die Produktion. Andererseits setzen wir beim Einkauf auf Partner, denen wir eine hohe Verlässlichkeit bei der Abnahme großer Mengen bieten. Mit diesen Anbietern verhandeln wir direkt und ohne Umwege. Wir bekommen so die Holz-Mengen geliefert, die wir benötigen. Allerdings sind derzeit nur Mengen und Verfügbarkeit verhandelbar. Den stark schwankenden Tagespreis gibt der Markt vor. Diese starke Volatilität führt auch dazu, dass wir gezwungen sind, auch unsere Palettenpreise wöchentlich anzupassen.

mfl: Wie erhalten Sie Palettennägel in der nötigen Menge?

Falkenhahn: Paletten werden nach DIN EN 13698-1 von 78 Spezial-Nägeln in verschiedenen Ausführungen zusammengehalten. World-Nägel lassen wir entsprechend der Norm speziell für uns fertigen. Ihre Ausführung und Qualität ist mit entscheidend für die Belastbarkeit der Paletten. Bei der Beschaffung bauen wir ebenfalls auf langfristige Verträge mit unseren Partnern. Auch hier sind wir mit Tagespreisen konfrontiert.

mfl: Wie stellen Sie Ihre Lieferfähigkeit sicher?

Falkenhahn: Wir pflegen unsere Lieferketten und sorgen für ihr unbedingtes Funktionieren. Im eigenen Produktionsprozess und im Vertrieb legen wir größten Wert auf regelmäßige Überprüfung und Inspektion unserer Maschinen und Abläufe, so wie es in unserem Qualitätsmanagement-System DIN ISO 9001:2008 vorgesehen ist. Schließlich ist die Falkenhahn AG und die Abläufe von ESC-Cert zertifiziert. Für unsere Lieferfähigkeit stehen große Lager an Schnittholz und mehrere Tagesproduktionen von World-Paletten bereit. Die liefern wir kurzfristig aus, sind aber auch immer lieferfähig, wenn Kundenfahrzeuge vorbeikommen.

mfl: Was haben die vergangenen Monate für die Marke World gebracht?

Falkenhahn: Derzeit stabilisiert sich der Markt der Euro-Paletten offensichtlich wieder. Wir konnten in den vergangenen Monaten viele Alt-Kunden zurückgewinnen, die wir früher bereits bedienten. Bei dem gegebenen Mangel an Ladungsträgern ist es offensichtlich am allerwichtigsten, dass diese der geltenden Norm entsprechen. Die Produktion von World-Paletten unterliegt dazu den strengen Qualitätskontrollen durch TÜV Thüringen. Geprüft werden regelmäßig Baumuster aus der Produktion nach den Vorgaben der „Gütenorm Typ 1“. Getauscht werden World-Paletten problemlos nach den Qualitätsklassen entsprechend der GS1-Empfehlung. Wie es Sinn einer Norm ist, werden normentsprechende Produkte als gleichwertig anerkannt. Marken treten zunehmend in den Hintergrund.

mfl: Wie wird sich Ihr Geschäft bis zum Jahresende entwickeln?

Falkenhahn: Unsere Absatzmengen, Preise und Umsatz haben sich in den vergangenen Monaten erhöht und wir gehen davon aus, dass dieser Trend anhält. Der Einkauf von Rohstoffen und Vormateria-lien sind auch für uns der entscheidende Maßstab, und das bei gestiegenen Einkaufspreisen.

Der Artikel erschien in materialfluss Ausgabe 8-9/21.

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