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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kolumne: Was Würmser wurmt

Anita Würmser,

Startup-freundlich?

Lang hat´s gedauert, aber endlich entwickelt sich in Deutschland so etwas wie eine Innovationskultur. Künstliche Intelligenz, Robotik, IoT, Big Data, autonome Mobilität verspricht nicht weniger, als die Welt neu zu erfinden. Spannend. Und dann das: Lassen Sie sich folgenden Dialog auf der Zunge zergehen. Ich habe ihn als Jury-Vorsitzende eines technischen Logistik-Awards in den vergangenen Wochen x-fach so oder ähnlich geführt, und zwar ohne Ausnahme mit Start-ups.

Anita Würmser schrieb bis Ende 2020 exklusiv in LT-manager die Kolumne „Was Würmser wurmt“. Die Agenturinhaberin und Chefin des IFOY Awards und der Logistics Hall Of Fame hat viel zu sagen – und das nun in materialfluss. © privat

„Wir wollen uns bewerben“, sagt der Anrufer.
Ich erkläre die Teilnahmebedingungen: „…. und im Fall einer Nominierung wird Ihr Produkt getestet.“
Mein Gegenüber: „Getestet? Wieso? Das ist aber nicht üblich.“
Ich: „Wir testen die Finalisten, um zu verifizieren, ob die Angaben stimmen und lassen auch den Wert der Innovation wissenschaftlich beurteilen.“
„Echt? (Pause) Okaaay? (Pause) Nein, das wollen wir auf gar keinen Fall“, sagt mein Gegenüber heftig.
Ich: „Warum nicht?“.
Antwort: „Die echten Leistungsdaten sind geheim. Wir haben auch so genug Anfragen“. Oder: „Das ist nicht Start-up-freundlich“ Und dann noch: „Es gibt genügend andere Preise, bei den man leichter gewinnen kann.“

Stimmt. Genau genommen ist es geradezu ein Ding der Unmöglichkeit, als Logistik-Startup keinen Preis zu gewinnen. Hauptsache, die Story ist gut. Dass es auch die Produkte sein müssen, ist offenbar keine Bedingung. Ja, schaut denn niemand mehr genauer hin? Geht es nur noch um die Show?

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Schon aus der Höhle der Löwen, der man ihren Unterhaltungswert und erst recht ihre Pionierleistung nicht absprechen darf, brüllen uns Innovationen an, bei denen es – hat man die Produkte erst einmal in der Hand - wundert, dass jemand auch nur einen Cent dafür ausgibt. Nur, dass es in der Logistik nicht um überteuerte Sportklamotten oder pappsüße Wellnessdrinks für ein paar Euro geht, sondern um Investitionen in Technologien, von denen die Existenz eines Unternehmens abhängt. Wer kann schon einen KI-Roboter brauchen, der in drei Schichten nicht kommissioniert, was ein mittelfitter Rentner locker in einer schafft. Aufgeblähte Software, schlechte Mechanik, ungeeignete Basistechnologien, unterirdische Performance – alles egal. Im Überschwang der Startup-Gefühle wird bejubelt, wo disruptiv oder smart draufsteht. Hinterfragen ist unerwünscht oder gar typisch deutsch.

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