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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kolumne: Was Würmser wurmt

Anita Würmser,

Monstergeschichten

Man hätte ihn auch Ökoliner nennen können. Als Krone seinem 25-Meter-Truck dem Namen Gigaliner den Vorzug gab, hat dort niemand vermutet, dass das Giga-Mega-Big-Image ausgerechnet den Gegnern in die Hände spielen würde. Aus Giga wurde Monster, aus majestätisch bedrohlich und seither nimmt der Streit um den Lang-LKW immer groteskere Züge an. „Monstertruck“, „60-Tonner“, „Riesen-LKW“ und allerlei andere martialische Titulierungen lassen Bilder von einstürzenden Brücken, ruinierten Autobahnen, totgefahrenen Kindern und dem Ende der Güterbahn in den Köpfen der Menschen entstehen. Gerne mal befeuert von der Allianz pro Schiene und der No-Megatrucks-Initiative, die mit aller Macht den für 2011 geplanten bundesweiten Feldversuch verhindern wollen. Ein von den Gegnern in Auftrag gegebenes Gutachten stellte dann auch prompt dessen Rechtswidrigkeit fest. Mit einer Begründung nahe an der Stand-up-Comedy: Die bisherige Längenbegrenzung diene dem Schutz der Verkehrsteilnehmer. Hört, hört. Schutzbedürftig sind Hamburgs Bürger offenbar nicht, wie sonst erklärt es sich, dass dort seit Jahren 25 Meter lange Busse sogar durch die Innenstadt fahren.

Anita Würmser schrieb bis Ende 2020 exklusiv in LT-manager die Kolumne „Was Würmser wurmt“. Die Agenturinhaberin und Chefin des IFOY Awards und der Logistics Hall Of Fame hat viel zu sagen – und das nun in materialfluss. © privat

Fakten sind der Diskussion längst abhandengekommen, dafür wird je nach Interessenlage interpretiert, weggelassen oder verfälscht. Mal ruiniert der Lang-LKW Straßen und Brücken, mal schont er sie, mal lassen sich Fahrten einsparen, dann wieder nicht. Gerne verschwiegen wird, dass Innenstädte oder Bahnübergänge sowieso tabu sind oder das zulässige Gesamtgewicht bei maximal 44, nicht bei 60 Tonnen liegen wird. Was unterm Strich vom Ur- 60-Tonner übrig geblieben ist, kann man allenfalls noch als Effizienzverbesserung von 40-Tonnern für Volumentransporte in innerdeutschen Punkt-zu-Punkt-Verkehren bezeichnen. Schon deshalb wird es auch den befürchteten Einbruch bei den Schienentransporten nicht geben. Der Elefant ist zur Mücke geschrumpft, was freilich nicht hindert, weiter über den Elefanten zu diskutieren. Es gibt gute Argumente für und gegen 25-Meter-Truck. Nur der Feldversuch wird zeigen, welche in der Praxis Bestand haben.

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Um die Verkehrsprobleme der Zukunft zu lösen und die Logistik effizienter zu gestalten, gilt es, flexible, mit allen Verkehrsträgern kompatible Transporttechnik zu schaffen. Innovationen zu verhindern, um die Schiene zu schützen, schadet der Wettbewerbsfähigkeit des Logistikstandorts.

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