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Artikel und Hintergründe zum Thema

Logistik-Dienstleister

Zur rechten Zeit geliefert

Wie kann man Just-in-time-Ketten abbilden, wenn die Nachfrageschwankungen und damit die Anforderungen an die Flexibilität größer werden? Mit dieser Frage befassen sich aktuell die Anbieter von JIT-Dienstleistungen.

Viele Wirtschaftsexperten sind davon überzeugt, dass die Konjunktur künftig stärkere Ausschläge machen wird als bisher. Die Krise in 2008/09 und die darauffolgende, in vielen Branchen überraschend schnelle Erholung werden als erstes Beispiel dieses Trends gesehen. Auf eine solche Entwicklung muss sich auch die Logistik einstellen: Flexibilisierung und „atmende“ Prozesse sind gefragt.

Das war ein Ergebnis der „Automotive Logistics Conference Europe“, die im März 2010 in Königswinter stattfand, und auf der die Schenker Deutschland AG erstmals ihre neue Strategie in der Kontraktlogistik für die Automobilindustrie vorstellte. Dr. Michael A. Kluger, Vorstand Logistik der Schenker Deutschland AG: „Die Logistikprozesse in der Automobilindustrie müssen auch in Zukunft permanent verschlankt werden sowie OEM und Lieferanten mehr Flexibilität bieten, um damit besser auf die zunehmend dynamischen Marktentwicklungen reagieren zu können. Als Logistikpartner können wir in der langfristigen Zusammenarbeit die Prozesse kontinuierlich verschlanken und flexibilisieren und somit jährlich auch Einsparungen auf der Kostenseite erzielen.“

Wie das in die Praxis umgesetzt wird, zeigt Schenker in Hannover. Dort betreibt der Logistik-Dienstleister im Auftrag von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) ein externes Versorgungszentrum (EVZ), in dem DB Schenker Teilesendungen von einem knappen Dutzend Zuliefer-Unternehmen zusammenführt. Täglich liefern dort 130 Lkw an. Alle Teile werden erfasst, teilweise umverpackt, kontrolliert, unter bis zu 8 400 Sachnummern datentechnisch erfasst und sequenzgerecht für die Produktion bereit gestellt. Im angrenzenden Logistikzentrum mit insgesamt 19 000 m² Fläche lagert Schenker Montageteile zwischen und liefert sie nach den Anforderungen der Produktion auf Abruf aus.

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Anlieferung im JIS-Rack Für die Abstimmung des Materialflusses unterhält Schenker im EVZ ein komplexes Warehouse-Management-System, mit dem die bis zu 135 000 Kleinladungsträger im vollautomatischen Kleinteilelager sowie 22 000 Großladungsträger in Palettenregalen und Blocklagern gesteuert werden. Da die Materialanlieferung einerseits exakt im Takt der Montage erfolgen und andererseits die Sortenvielfalt berücksichtigen muss, verwendet man für die Bereitstellung so genannte JIS-Racks, die die Teile in der Reihenfolge der Montage aufnehmen. Die Kommissionierung erfolgt im Pick-by-Voice-Verfahren, mit dem Schenker ein Beispiel für die erwähnte Kostensenkung gibt: Im Vergleich zu den früher eingesetzten Handscannern hat die sprachgesteuerte Kommissionierung die Effizienz um 11 Prozent erhöht.

Dass sich derartige JIT-Prozesse auch ohne Konsolidierung großer Teilemengen realisieren lassen, beweist Hörmann Logistik bei der Hörmann Module GmbH in Wackersdorf. Das Unternehmen - die Namensgleichheit ist Zufall - produziert am Standort Kfz-Kühlersysteme für BMW und Porsche. Die Kühlmodule werden in Wackersdort montiert und zeit- und sequenzgenau an die Bänder der Automobilwerke geliefert. Die Besonderheit der Logistik besteht darin, dass kein Produkt länger als eine Stunde im Fertigungsprozess verweilt.

Möglich wird dies durch ein weitgehend automatisiertes innerbetriebliches Transport- und Fertigungskonzept. Die benötigten Teile werden IT-gestützt in den Produktionsablauf eingetaktet. Zentral gesteuerte Hängebahnfahrzeuge fahren in zwei Kommissioniergassen ein und werden von den Mitarbeitern via Pick-by-Light-System mit den erforderlichen Einzelteilen bestückt. Bis zu drei Module, etwa Kühlersysteme, können pro Gehänge kommissioniert werden.

Die Hängebahn steuert einen der zehn Montageplätze an,  wobei die Zuordnung individuell oder Auslastungsbezogen erfolgen kann. Über RFID-Technik ist jedes Gehänge mit Inhalt eindeutig identifizierbar und meldet dem Montageplatz den betreffenden Montageauftrag. Mit Fertigstellung werden alle Daten auf einen Transponder an dem Werkstückträger geschrieben. Die Kühlsysteme werden über Förderbahnen zu Prüfstationen geleitet, die individuelle Prüfprogramme durchführen. Ein Verteilerwagen mit Stapelfunktion stellt die Ladungsträger dann auftragsbezogen in einer der Versandbahnen bereit. Mit diesem komplexen Intralogistik-System kann Hörmann Logistik die Kundenanforderungen an Just-in-time- und Just-in-sequence-Belieferung erfüllen.

Flexibel auch bei politischen Unruhen Wie wichtig Flexibilität bei JIT-Versorgungsketten ist, zeigen auch aktuelle politischen Ereignisse, etwa in Nordafrika. Zu den Aufgaben von Gefco gehört es, die europäischen Werke der Peugeot-Citroën-Gruppe (PSA) just-in-time mit Zulieferteilen zu versorgen. Dabei werden häufig multimodale Verkehre genutzt. Als der tunesische Hafen Radès im Frühjahr auf Grund der politischen Unruhen in Nordafrika vorübergehend nicht angefahren werden konnte, hat Gefco kurzfristig auf eine andere Logistiklösung umgestellt, um die Versorgung der Werke mit Kabelbäumen zu gewährleisten.

In Zusammenarbeit mit der tunesischen Landesgesellschaft richtete die verantwortliche Abteilung für Spezial- und Eiltransporte eine Luftbrücke zwischen Tunis und dem Flughafen Vatry, 150 km östlich von Paris, ein. Bis zu sieben Frachtflugzeuge täglich transportierten bis Mitte Februar ein Sendungsvolumen von 672 t. Dies entspricht 7 400 Paletten in 140 Flügen. In Vatry wurden die Sendungen auf Lkw verladen und zu den PSA-Werken transportiert.

Die Abholung der Sendungen bei den Lieferanten, der Transport zum Flughafen Tunis und die fachgerechte Beladung der Flugzeuge wurden von Gefco Tunesien verantwortet. Bei der Landung in Vatry übernahm Gefco die Kontrolle, den Umschlag der Ware und deren europäische Distribution per Lkw sowie die komplette Zollabwicklung.

Wenn alle Stricke reißen… In diesem Falle konnte die zeitgerechte Versorgung durch frühzeitiges Umplanen und durch den Rückgriff auf umfangreiche Ressourcen noch gesichert werden. Da es aber immer mehr JIT-Ketten gibt und Unwägbarkeiten nie auszuschließen sind, geht der Anwender das Risiko ein, dass solche Ketten „reißen“. Dann schlägt die Stunde der Kurierdienste, wie ein Praxisbeispiel von TNT demonstriert. Hier mussten Handy-Komponenten innerhalb von drei Tagen von Mexiko transportiert werden. Ein On-Board-Courier aus dem Special-Services-Team der Ulmer TNT-Niederlassung flog von Frankfurt nach Monterrey/Mexico, holte die Ware persönlich in Reynosa ab, flog über Frankfurt nach Pusan/Korea und stellte die inzwischen verzollte Sendung, die aus fünf Paketen mit einem Gewicht von rund 50 kg bestand, verzollt in Masan zu.

Gefco Deutschland GmbH, E-Mail: [email protected], http://www.gefco.net

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Hörmann Logistik GmbH, E-Mail: [email protected], http://www.hoermann-logistik.de

Schenker Deutschland AG, E-Mail [email protected], www.dbschenker.com/de

TNT Express GmbH, E-Mail: [email protected], http://www.tnt.de

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