materialfluss 6/2019

Revolutionäre Inventur-Idee zum Fliegen gebracht

Eine sauber geführte Warenwirtschaft ist für jedes produzierende Unternehmen unverzichtbar. Dazu gehört die Inventur. Gesetzlich ist sie einmal pro Jahr vorgeschrieben, aufgrund des dafür nötigen Aufwands gilt sie jedoch als notwendiges Übel. Der Logistikdienstleister Group7entwickelte eine maßgeschneiderte Lösung, um diesen Zeitaufwand auf ein Minimum zu reduzieren.

Helfer in der Luft: In den Multi-User-­Logistikcentern von Group7 sammeln Drohnen Messdaten für die Inventur. © Group7

Es surrt und brummt in den Multi-User-Logistikcentern von Group7. Das liegt aber nicht etwa an Bienen­völkern, die sich in den Hallen niedergelassen hätten. Es sind vielmehr andere fleißige Helfer am Werk, die hier Informationen sammeln und verarbeiten. „Unsere Drohne fliegt in definierten Zeitfenstern automatisiert die ­Gänge der Schmalgangregale ab“, erklärt Günther Jocher, ­Vorstand der Group7 AG.

Die Drohnen tragen eine ganze Reihe von Messinstrumenten für die Inventur huckepack, darunter eine Navigations- und Datenerfassungssensorik sowie Barcode-Scanner. Sie scannen die von außen an den Kartons und Paletten angebrachte ­QR- und Barcodes und übermitteln die Scan- und Videodaten per Wifi an das ERP-System von Group7. „Das ist in dieser Form bei Schmalgangregalen auf dem Markt einzigartig“, betont Günther Jocher. Erschwert wurde die Umsetzung von der räumlichen Enge, die der Drohne nur wenig seitlichen Platz zum Manövrieren im Schmalgangregal bietet. Das Team von doks.innovation programmierte den Helfer jedoch so, dass er nun problemlos autonom durch die Gänge surren kann. Einen konkreten ­Kundenauftrag gab es zunächst nicht für die Technologie, die Group7 zusammen mit dem Start-up doks.innovation und dem Fraunhofer Institut für den Praxiseinsatz erprobt hat. Für den Regelbetrieb gewann der Logistiker jedoch einen Kunden, der ausschließlich Vollpaletten mit Lacken und Druckfarben im Schmalgang des Frankfurter Logistikcenters einlagerte. Bereits nach kurzer Zeit zeigten sich die enormen Vorteile einer ­Inventur per Flugdrohne.

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Prozessoptimierungen im Sinne der Kunden
„Bislang mussten wir ein ganzes Team von Mitarbeitern für das Zählen des Lagerbestands für einen Kunden blocken“, berichtet Günther Jocher. „Und auch bei größter Sorgfalt lassen sich ­kleine Fehler bei einem so umfangreichen manuellen Prozess nicht vermeiden.“ Der Einsatz der Flugdrohne bindet dagegen nur eine geschulte Fachkraft, die den Start und die Landung des automatisierten Helfers überwacht. Anschließend wird kurz­zeitig ein weiterer Mitarbeiter bei der Erfassung im Backoffice benötigt, um die erfolgreiche Datenübertragung zu bestätigen. Das bedeutet Personal- und Zeiteinsparungen von bis zu 70 Prozent. Die dadurch eingesparten Ressourcen können somit auf weitere Projekte aufgeteilt werden. „Hinzu kommt, dass das Tagesgeschäft durch die Zählung nicht mehr gestört wird, ­sondern synchron dazu erfolgen kann“, erklärt Günther Jocher. „Zudem werden fehlerhaft positionierte Paletten oder auch ungenutzte Flächen schneller erkannt und damit die Lagernutzung insgesamt erhöht.“

Aber nicht nur die optimierten Prozesskosten kommen den Kunden zu Gute. Falls gewünscht, können sie die von den ­Drohnen gemachten Videoaufnahmen ihres Lagerbestands ­prüfen. Die fliegenden Helfer erfassen über die reine Bestandszählung hinaus auch weitere Informationen: Fotos der gelagerten Ware dienen als Nachweis von Beschädigungen oder zeigen eventuelle Lagerrisiken frühzeitig auf. Sensoren für die ­Temperatur- und Feuchtigkeitsmessung stellen sicher, dass eventuell vereinbarte Vorgaben für die Lagerung von Gütern eingehalten werden. Group7 stellt durch die richtige Klimatisierung seiner Einrichtungen sicher, dass diese Lagerbedingungen im Sommer wie im Winter eingehalten werden.

Diesen Nachweis für die Kunden jederzeit nachvollziehbar zu gestalten versteht der Logistikdienstleister als Service-Plus. „Mit dieser Drohnentechnologie bieten wir unseren Kunden ein Höchstmaß an Transparenz sowie Zeit- und Kosteneinsparungen. Es ist ein wesentlicher Teil unserer Philosophie, solche ­Potenziale durch neue Technologien zu erkennen und aktiv auf unsere Kunden zuzugehen“, berichtet Günther Jocher. ­Inventuren lassen sich künftig in einem Bruchteil der Zeit erledigen, da die Drohne einen Gang mit neun Metern Höhe binnen 25 ­Minuten vollständig erfassen kann. Die Einschränkung im ­Tagesgeschäft ist somit minimal.

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