E-Commerce und Logistik

Martin Schrüfer,

Jeden Tag eine neue Herausforderung

Gerade für E-Commerce-Anbieter spielen Logistik-Dienstleister eine wichtige Rolle, denn man will sich auf das Geschäft und nicht auf Cut-Off-Zeiten konzentrieren. Martin Schrüfer fragte drei Experten, wie man die „jungen Wilden“ und die Großen des E-Commerce mit der richtigen Logistik glücklich macht.

Zwei Fragen an Robert Bommers, COO Contract Logistics bei Hellmann Worldwide Logstics

materialfluss: Logistik für E-Commerce ist in aller Munde – Verdient das Thema die Aufmerksamkeit oder sind die Anforderungen eher „business as usual“? Wenn nein, was macht den E-Commerce zu einem besonderen Feld?

Robert Bommers:E-Commerce ist ein echter Wachstumsmarkt. Dabei ist Fullfillment eine Kernprozess-Anforderung der klassischen Kontraktlogistik und daher eher „business as usual“. Die rasante Entwicklung des E-Commerce-Vertriebs aber führt für unsere Kunden zu einem enormen Wachstum, sodass wir als Dienstleister teilweise extrem flexible Strukturen im Operating abbilden müssen. Das bedeutet, dass die operative Abwicklung der Aufträge, die über digitale Plattformen erzeugt und uns übermittelt werden, schon zu einem neuen Anforderungsprofil für uns führen. Im Retail Business ist der E-Commerce-Vertrieb der größte Wachstumstreiber. Dabei liegt die größte Herausforderung in der Volatilität.

mfl: Wie stellt sich Hellmann inhaltlich und organisatorisch den Herausforderungen des Segments? Bommers: Wie schon in unserer Corporate DNA fest verankert, liegt der Fokus bei Hellmann Worldwide Logistics darauf, unsere Kundenanforderungen bestmöglich zu bedienen. So heißt ein Leitsatz unseres Unternehmens: „All about the customer, Always“. Das ist inhaltlich betrachtet unsere oberste Maxime. Wenn Sie nach den organisatorischen Herausforderungen fragen, liegt wohl einer der wichtigsten Aspekte darin, ein erhöhtes Augenmerk auf flexible Produktionsabläufe zu legen. Darüber hinaus geht es aber natürlich auch um die stetige Weiterentwicklung der IT-Kompetenzen, um im Zeitalter der Digitalisierung nicht den Anschluss zu verlieren, sondern im Gegenteil hier möglichst eine Vorreiterrolle einzunehmen. In diesem Zusammenhang kommt neben dem technischen Equipment, getrieben von innovativen, smarten technischen Lösungen, natürlich auch den Kompetenzen unserer Mitarbeiter eine wichtige Rolle zu. Um uns hier optimal aufzustellen, bieten wir insbesondere für die operativen Führungskräfte gezielte Schulungen an, in denen vermittelt wird, wie wir die Entwicklung im Bereich E-Commerce nutzen können.

Anzeige

Zwei Fragen an Thomas Krüger, Geschäftsführer BLG Handelslogistik

materialfluss: Logistik für E-Commerce ist in aller Munde – Verdient das Thema die Aufmerksamkeit?
Thomas Krüger: Dienstleistungen im Bereich E-Commerce sind mittlerweile eine Standardanforderung unserer Kunden. Als Multichannel-Dienstleister mit verschiedenen Auftraggebern und verschiedenen Vertriebskanälen müssen wir Services wie die tagesaktuelle Warenbegutachtung, Warenvereinnahmung, Wiederaufbereitung, Zurückführung in den verfügbaren Warenkreislauf, Kundenkontenentlastung und Reklamationsbearbeitung beherrschen und im Sinne des Auftraggebers schnell und kompetent lösen. Als logistische Kompetenzen sind dabei insbesondere eine kurzfristige Versandbereitschaft und das flexible Einstellen auf starke Schwankungen im Volumen notwendig. So kann im Bereich E-Commerce trotz Standardanforderung dennoch jeder Tag zu einer Herausforderung werden.

mfl: Wie stellt sich BLG inhaltlich und organisatorisch den Herausforderungen des Segments?

Krüger: BLG Logistics hat über Jahre Erfahrungen und Know-how im Bereich E-Commerce gesammelt und dieses Wissen auf eine steigende Anzahl an Kunden und Standorten ausgeweitet. In unserem Logistikcenter in Frankfurt haben wir seit vier Jahren eine mobile, skalierbare und effiziente Lager- und Kommissionierlösung für unseren Kunden aus dem Bereich Workware im Einsatz. Da schnelle Retourenbearbeitung die Kundenzufriedenheit erhöht und die Warenverfügbarkeit steigert, haben wir als erstes Unternehmen in Europa ein robotergestütztes Logistikkonzept realisiert, bei dem die Regale mit der Ware zum Menschen kommen. Diese Logistiklösung ist eine der modernsten Lösungen, die es derzeit gibt. Ausschlaggebendes Kriterium für die Installation war die Skalierbarkeit. Wir gehen zum Beispiel davon aus, dass die Möglichkeit einer Zeitfensterzustellung sowie der Zustellung innerhalb einer Stunde mittelfristig ein entscheidender Teil des Kauferlebnisses sein wird. Da wir im Zuge dessen auch einen Umschwung zu regionalen Strukturen erwarten, sind wir in vielen Projekten derzeit dabei, regionale Lösungen zu konzipieren und umzusetzen.

Zwei Fragen an Marc Clausing, Vice President E-Commerce Cluster GER/CH Schenker Deutschland

Foto: Schenker Deutschland AG
Foto: Schenker Deutschland AG

materialfluss: Logistik für E-Commerce ist in aller Munde – Verdient das Thema die Aufmerksamkeit oder sind die Anforderungen für einen Logistik-Dienstleister eher „business as usual“? Wenn nein, was macht den E-Commerce zu einem besonderen Feld?

Marc Clausing:Die Anforderungen an einen Logistik-Dienstleister ändern sich kontinuierlich. Daher ist die Veränderung eigentlich „business as usual“ in der Logistik. Trotzdem geben der Onlinehandel und die Digitalisierung neue Reize in Bezug auf Umsetzungsgeschwindigkeit, Wachstum, Flexibilität und starke Mengenschwankungen, die das Handeln und die Lösungen auf Logistik-Dienstleisterseite beeinflussen. Leistungsstarke Partnerschaften zur Portfolioabrundung sind daher auch wichtig, um den Onlinehandel ganzheitlich bedienen zu können. Denn Beschaffung, Logistik und Distribution erfordern eine neue Form der Synchronisation zwischen Produzent und Endkunden. Neben der Logistik schafft DB Schenker durch IT-Lösungen große Mehrwerte für Ihre Kunden, die nicht klassisch dem Portfolio eines Logistik-Dienstleisters zuzuordnen sind. DB Schenker verfolgt hier einen ganzheitlichen Ansatz. Die Beratung und Begleitung von Unternehmen in den E-Commerce spielt dabei eine immer zentralere Rolle.

mfl: Wie stellt sich DB Schenker inhaltlich und organisatorisch den Herausforderungen des Segments? Clausing: DB Schenker nutzt die Chance und das Potenzial des wachstumsstarken Onlinehandels und von Startup-Unternehmen. Dafür wurde bereits vor einiger Zeit ein eigener Key Account Bereich geschaffen, der für die Betreuung und Beratung von jungen Startup-Unternehmen zu Fragen und in der Umsetzung von Transport- und Logistikkonzepten verantwortlich ist. Darüber hinaus systematisiert DB Schenker seine Dienstleistungen für den E-Commerce in einer eigenen Aufbauorganisation. Das Portfolio hält Lösungen für unterschiedliche Unternehmenstypen bereit: Von der Kompaktlösung für kleine und mittelständische Unternehmen über integrierte Lösungen für Kunden mit Omnichannel-Vertrieb bis zum reinen E-Fullfillment. Durch die bereits entwickelten Standardlösungen für zahlreiche namhaften E-Commerce-Kunden sind wir inzwischen soweit, dieses Geschäftsmodell in Gestalt einer eigenen Organisation zu etablieren. Wir haben dazu im Fachbereich Kontraktlogistik ein Team angesiedelt und planen mit ausgewählten Standorten eine flächendeckende Weiterentwicklung in Deutschland und Europa. Ein Customer Service mit System-Kompetenzen steht zur Betreuung der Endkunden bereit. Ein Teil der Organisation umfasst eine One-Stop-Shop-Lösung, die sämtliche Bedarfe des modernen Onlinehandels abdeckt und aus einer Hand, nämlich der von DB Schenker kommt. Diese Leistungen stehen in Form des kompakten Produktes netlivery auch für kleine und mittlere Unternehmen bereit, die einen einfachen und schnellen Einstieg in den Online-Vertrieb angehen möchten. Dank ihres modularen Aufbaus kann die Lösung individuell den Kundenbedürfnissen angepasst werden, wobei Kosten nur für die jeweils genutzten Modulbausteine entstehen („pay-by-use“): Von Funktionalitäten für Webshop-Verwaltung über Online-Marketing, Payment-Dienste und ERP bis hin zu Warehousing, Pick & Pack, Distribution, Reklamationen und Kundenservice.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

IBCs

Prototyp von Werit geht in Serie

Die Werit Kunststoffwerke bieten als Innovation einen IBC mit 300 Liter Fassungsvermögen an. Der auf der Interpack 2017 noch als Prototyp vorgestellte IBC wurde nun aufgrund der positiven Resonanz ins Sortiment genommen. Der CompactLine ist der...

mehr...

Transportroboter

MiR500: Größer, schneller und stärker

Der Transportroboter MiR500 ist größer, stärker und schneller als seine Vorgänger. Paletten und schwere Güter befördert er voll automatisiert unmittelbar neben dem Menschen. Mit seiner Nutzlast von 500 kg kann der MiR500 schweres Material mit...

mehr...
Anzeige

Software

Inconso: Automatisiert abrechnen

Mit dem Abrechnungssystem inconsoLSA stellt der Logistiksoftwarespezialist inconso eine mehrmandantenfähige Lösung zur automatisierten Abrechnung zur Verfügung, die das Abrechnungsmodell auf Prozessschrittebene frei parametrisieren kann.

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem materialfluss NEWSLETTER

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite