Logistikdienstleister

Marvin Meyke,

Exoskelett: Muskeln aus Stahl

Der Full-Service-Dienstleister Hellmann Worldwide Logistics setzt auf Innovationen, auch wenn es darum geht, etwas für die Gesundheit seiner Beschäftigten zu tun und Prozesse zu optimieren. Nun folgte eine maschinelle Unterstützung zur Entlastung des menschlichen Körpers: das Exoskelett. Am Standort Lehrte fand dazu ein Feldversuch statt, dessen Ergebnis überzeugt – die künstlichen Wirbelsäulen sollen bei Hellmann etabliert werden.

© Hellmann Worldwide Logistics

Was auf den ersten Blick anmutet wie aus einem Science-Fiction-Film, bietet insbesondere in der Kontraktlogistik immense Vorteile. ­Heben, Stapeln, Kommissionieren – all das wird mit den künstlichen Wirbelsäulen der Firma Comau für die Lageristen spürbar einfacher. Mithilfe eines ausgeklügelten Federmechanismus wird das Gewicht beim Tragen von den Armen und Schultern abgeleitet und über eine Rückenplatte aus Metall ans Becken weitergeleitet. Somit werden nicht nur die Arme und Schultern um bis zu 40 Prozent entlastet, sondern auch die Haltung der Wirbelsäule von außen positiv unterstützt. Dabei geht es nicht darum, die Tragkraft der Nutzer oder die Geschwindigkeit beim Kommissionieren künstlich zu steigern, sondern mit dem „Mate“ (dt. „Kumpel“) genannten Gerät die Gesundheit der Wirbelsäule nachhaltig zu schützen und diese damit langfristig zu entlasten.

Aus der Medizintechnik in die Logistik
Entwickelt wurden die Exoskelette – die rein mechanisch, wie in dem Test in Lehrte, oder mit kleinen Elektromotoren ausgestattet sein können – ursprünglich für den medizinischen Bereich, zum Beispiel, um Menschen mit einer Querschnittslähmung wieder das Laufen zu ermöglichen. Mit dem Einsatz in der ­Kontraktlogistik kommt nun ein weiteres sinnvolles Einsatzfeld hinzu: So wurde „Mate“ am Hellmann-Standort Lehrte auf dessen Praxistauglichkeit im Arbeitsalltag geprüft. Einzelne Packstücke vor Ort bringen bis zu 250 Kilogramm auf die ­Waage. Diese zu bewegen – wenn auch zu zweit –, erfordert unter normalen Umständen viel Kraftaufwand. Mit Hilfe des Exoskeletts werden laut Hersteller nicht nur die Arme und Schulter um entlastet, sondern auch die Haltung der Wirbel­säule maßgeblich geschont. Die Testpersonen bei ­Hellmann sind sich einig: Die Exoskelette halten, was sie ­versprechen. ­Aufgrund des geringen Eigen­gewichts von kaum mehr als drei Kilogramm werden Sie beim Tragen kaum wahrgenommen. Nur die gerade ­Körperhaltung sei ­zunächst ungewohnt – das ergonomisch richtige Heben aus den Knien, mit geradem ­Rücken beanspruche besonders die Muskeln in Oberschenkeln und Rumpf, was Anfangs zu dem ein- oder anderen ­Muskelkater ­geführt habe. Nach dem erfolgreichen Test und dem positiven Feedback der ­Test­personen hat Hellmann sich für die ­Anschaffung der Exoskelette am Standort Lehrte ­entschieden. Und auch an anderen ­Hellmann-Standorten ist bereits Interesse für einen Testlauf ­be­kundet worden.

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Ergonomie im Fokus
Durch den demografischen Wandel, vermehrte Muskel-Skelett Erkrankungen und neue Forschungen ergeben sich mehr und mehr tatsächliche Anwendungsgebiete für den Einsatz von Exoskeletten in der Arbeitswelt. „Uns ist es wichtig, fortwährend gemeinsam mit unseren Innovationsteams nach neuen Lösungen zu suchen, um die Arbeitswelt in der Logistik nachhaltig gesünder zu ge­stalten. Dabei geht es zuallererst darum, Arbeitsplätze ergonomisch auszurichten, das heißt mit organisatorischen und technischen Maßnahmen für eine Entlastung zu sorgen. ­Ist dies geschehen, aber die körperliche ­Belastung weiterhin hoch, zum Beispiel durch das Tragen von schweren Bauteilen oder das Überkopfarbeiten, sind ­Exo­skelette eine gute Maßnahme zur ­Gesundheitserhaltung und -förderung. Die ­Ergebnisse in Lehrte zeigen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mit­arbeiter diese ­Unterstützung zu schätzen wissen und der Effekt auf die Körperhaltung und ­-entlastung sofort spürbar ist“, so Adam ­Pietzka, Gesundheitsmanager bei Hellmann Worldwide Logistics. Dabei gehe es genauso um Verantwortung gegenüber den ­Beschäftigten und die Wertschätzung ihrer Tätigkeit, als auch um eine auf Langfristigkeit an­gelegte Zusammenarbeit, die nur durch den Erhalt der Gesundheit gewähr­leistet werden könne.

Pilotprojekte: Innovationen entwickeln
Der Logistikdienstleiser möchte im Rahmen von Pilotprojekten Innovationen mit ­Partnern aus unterschiedlichen Bereichen voran­treiben und auf verschiedenen Wegen neue Techniken bedarfsgerecht mitentwickeln. Hierzu ist ein Innovations-Team ständig auf der Suche nach interessanten Partnern, wie zum Beispiel Startups, und vernetzt sich auf unterschiedlichen Ebenen, wie beispielsweise im BVL-Arbeitskreis „Digitales Lager“, aus dem auch die Plattform www.technologie­radar.de hervorgeht. Ziel ist es, die Entwicklung innovativer Techniken zu fördern, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schonen, die Umwelt zu entlasten und Prozesse ­zu optimieren. Für die Erprobung der Exo­skelette wurde Lehrte als Multi-User-­Standort mit einem breiten Kundenspektrum und einem damit einhergehend vielfältigem ­Artikelspektrum ausgewählt. So konnten die Exoskelette in enger Begleitung durch das „BGPM-Forum“, einem externen Partner für Betriebliches Gesundheits- und Personal­management aus Ostwestfalen, in einer ­optimalen Testumgebung erprobt werden. ­Eine ausgebildete Physiotherapeutin des BGPM-Forums begleitete den Praxistest über eine Woche vor Ort und stellte sicher, dass die Exoskelette richtig eingesetzt und körperentlastend angewendet wurden.

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