Aus materialfluss 11-12/2019

Drehscheibe für Fahrräder

Schäflein baut bei Schweinfurt ein neues Europa-Distributionszentrum und investiert dafür 18 Millionen Euro. Hauptkunde ist die Winora Group.

Hier entsteht etwas Großes: Die ­Bauarbeiten am neuen Europa-­Distributionszentrum laufen auf Hochtouren. © Schäflein

Im Industriegebiet im unterfränkischen Röthlein bei Schweinfurt laufen die Bauarbeiten am neuen Logistikzentrum auf Hochtouren. Hier soll eine Drehscheibe für den europaweiten Versand von Bikes und E-Bikes der Marken Winora und Haibike entstehen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Sennfelder Fahrradhersteller, der heute zur holländischen ­Accell Group gehört, und dem Logistikunternehmen Schäflein mit Hauptsitz in Röthlein besteht bereits seit den 50er-Jahren. Was damals mit dem Versand einzelner Fahrräder begann, ist heute eine hochkomplexe Bike-Logistik, die aktuell vor neuen, spannenden Herausforderungen steht.

Steigender E-Bike-Verkauf, mehr Platzbedarf
Gemäß der Recherche des Instituts Statista stieg der Absatz von E-Bikes in Deutschland von 150.000 Stück in 2009 auf 980.000 in 2018. Ein Trend, den auch Winora deutlich spürt. Während beim unterfränkischen Fahrradhersteller 2012 der Anteil an Non-E-Bikes 80 Prozent und an E-Bikes 20 Prozent betrug, hat sich das Verhältnis 2017 erstmals umgekehrt. Aus logistischer Sicht bedeutet diese Entwicklung geradezu eine Explosion des zu lagernden Volumens, da die hochwertigen E-Bikes ausschließlich in schützenden Vollkartons verpackt werden. Zusätzlich zum bestehenden, zentralen Versandlager für Winora in Röthlein waren diverse weitere Außenlager nötig, um das Volumen zu bewältigen. Diese werden im neuen 25.000 Quadrat­meter großen Europa-Distributionszentrum zusammengeführt. Das Logistikunternehmen Schäflein investiert dafür 18 Millionen Euro. „Wir glauben an unseren Kunden und sein Portfolio. Mit seinen modernen und innovativen Produkten der Marken Winora und Haibaike trifft die Winora Group stets den Puls der Zeit“, so Geschäftsführer Achim Schäflein.

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Steigerung auf 72.000 Bikes
Winora wird mit 11.000 Quadratmeter Lagerfläche mehr als 40 Prozent des neuen Multi-User-Standorts belegen. Weitere 4.500 Quadratmeter sind variabel zubuchbar. In Zahlen bedeutet dies eine Steigerung der maximalen Lagerkapazität von 45.000 auf 72.000 Räder im neuen Lager, das ganz nach den Anforderungen der Bike-Logistik ausgerüstet wird. „Die Schäflein AG begleitet uns seit Jahrzehnten bei unserem Wachstum und schafft mit einer zukunftsfähigen Logistik die nötigen Voraussetzungen, damit wir in einem sich schnell verändernden Wettbewerbsumfeld weiterhin erfolgreich bestehen können“, erklärt Dominik Thiele, Regional Director D-A-CH.

Kurze Wege, 20 Ladetore, 2.500 Fahrräder täglich
Für kurze Lieferzeiten setzt Schäflein auf eine optimierte ­Lagerlogistik mit kurzen Wegen und einem geringen Nachschub­aufwand: Häufig abgerufene Artikel – die sogenannten Schnelldreher – werden in einem eigenen Bereich gelagert, B- und C-Artikel in Hochregallagern mit einem Kommissionierbereich auf Bodenebene. Bei der Entnahme der Räder kommen induktionsgeführte Stapler zum Einsatz, die den opti­malen Abstand zum Regal halten, damit sich der Kommissionierer ganz auf den Pickvorgang konzentrieren kann. Über 20 Ladetore können dann 2.500 Fahrräder täglich angeliefert beziehungsweise versandt werden.

Hier ist Lagerlogistik 4.0 im Bau
Auf saisonale Spitzen im Fahrradhandel und wachstumsbedingte Mengenänderungen bei Winora reagieren die Logistiker mit flexiblen Prozessen und angepasster Technik. Je nach Bedarf stellt der Kommissionierer nach dem Mann zur Ware-Prinzip einzelne Aufträge komplett zusammen oder wickelt mehrere Kundenaufträge gleichzeitig ab, indem er mit seinem Stapler je Fach gleich Artikel für mehrere Kundenaufträge entnimmt. Die eigentliche Auftragszusammenstellung erfolgt in diesem System erst im Versand. Zusätzliche Wagen an den Staplern sorgen für maximale Effizienz. Zudem werden beim Bau der Halle bereits diverse Automatisierungslösungen – etwa der Einsatz von autonomen Staplern und fahrerlosen Transportsystemen – zur Ergänzung der manuellen Abläufe vorgesehen.

Transparente Prozesse und Sendungsverfolgung
Von der Anlieferung der Bikes im Lager über den Versand samt einzelner Transportstationen bis zur Zustellung beim Kunden – sämtliche Bewegungen werden erfasst und kommen auf einer zentralen Plattform, dem Schäflein-Datencubus, zusammen. Sollte eine Lieferung bestimmte Zwischenkontrollpunkte nicht rechtzeitig erreichen, erkennen die ­Logistiker die Abweichungen sofort und können gegebenenfalls korrigierend eingreifen. Auch der angebundene Händler wird informiert. Über eine mobile Webapplikation ist der Auftragsstatus der Sendung jederzeit einsehbar. Zudem bietet die Anwendung weitere Services, beispielsweise eine übersichtliche Auftragshistorie und eine nutzerfreund­liche Reklamationsabwicklung.

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