Lager- & Kommissioniertechnik

Viele neue Impulse

Harrie Swinkels ist seit langen Jahren beim Intralogistik-Anbieter SSI Schäfer in leitender Position tätig – und steht seit Januar als CEO an der Spitze des Unternehmens. materialfluss sprach mit Swinkels und Marketingdirektor Thomas Meyer-Jander über die Neuausrichtung der Marke SSI Schäfer und fragte, in welche Felder der Branchenführer künftig verstärkt investieren will.

Harrie Swinkels (r.) und Thomas Meyer-Jander sprachen in Neunkirchen mit Martin Schrüfer, materialfluss. Fotos: SSI Schäfer
Harrie Swinkels (r.) und Thomas Meyer-Jander sprachen in Neunkirchen mit Martin Schrüfer, materialfluss. Fotos: SSI Schäfer

materialfluss: SSI Schäfer ist seit zwei Jahren verstärkt dabei, seine Ausrichtung und auch die Außendarstellung zu verändern. Wo stehen Sie im Moment?

Harrie Swinkels

: Zur Außendarstellung kann Herr Meyer-Jander sicher mehr berichten, wir in der Unternehmensführung sind begeistert von der neuen Darstellung des Unternehmens. Was mich überrascht ist die Vehemenz, mit der das Thema nun wahrgenommen wird. Wir haben das Unternehmen in den vergangenen fünf oder zehn Jahren konsequent strategisch weiter entwickelt und sehen die unternehmerische Weiterentwicklung als einen kontinuierlichen Prozess. Die Reaktionen auf unseren Kurs zeigen uns, dass wir erfolgreich sind damit. Denn wir haben auf das aufgebaut, was wir haben, es gab in dem Sinne keinen harten Schnitt und neue, wilde Ideen. Unsere Schwerpunkte haben sich geändert und an manchen Stellen haben wir nachjustiert. Im Grunde lief aber alles nach Plan.

„Nachdem die Marke definiert war, haben wir uns bemüht, sie auf ein Wort zu kondensieren: „Verpflichtung.“ Thomas Meyer-Jander, Director Global and Corporate Marketing SSI Schäfer
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mfl: Sie haben auch Firmen unbenannt und sich beispielsweise von Peem oder Noell verabschiedet. Folgen weitere Umbenennungen?

Swinkels
Harrie Swinkels
Harrie Swinkels hat zum 1. Januar die Aufgabe des CEO von SSI Schäfer übernommen.

: Nein, das ist abgeschlossen. Die Gründerfirmen von damals – Peem, Noell und Salomon – sind aus den Unternehmensnamen verschwunden.

Thomas Meyer-Jander

: Das war eines der fundamentalen Ziele: SSI Schäfer als ein Unternehmen und eine Marke über alle Unternehmensbereiche und in allen Regionen zu präsentieren. Das war der Startpunkt für unsere Überlegungen – die Strategie des Unternehmens auf das Marketing zu übertragen und starteten - tatsächlich! – mit einem weißen Blatt Papier. Über Mitarbeiter, Kunden und Marktforschung haben wir zunächst das Portfolio dessen, was wir besonders gut können, also unsere Spitzenleistungen, zusammengestellt und daraus die Markenwerte abgeleitet. Eine spannende, aber auch sehr herausfordernde Aufgabe!

mfl: Wie ging es dann weiter? Meyer-Jander: Nachdem die Marke definiert war, haben wir uns bemüht, sie auf ein Wort zu kondensieren: „Verpflichtung“: Den Kunden gegenüber. Auch wenn die Anlage bereits in Betrieb ist. Den Mitarbeitern gegenüber. Ein guter und verlässlicher Arbeitgeber zu sein, das ist ein Thema, das heute in einer veränderten Arbeitswelt immer wichtiger wird. Verpflichtet aber auch den Werten der Familie Schäfer. Wir sind ein Familienunternehmen, dahinter stehen Werte wie Verlässlichkeit, Seriosität, unternehmerisches Denken und Handeln, um langfristig erfolgreich zu sein. Und Bodenständigkeit. Nach der Definition der Marke war die Frage, wie es weitergeht. Herr Swinkels und das Top Management haben das Thema sehr unterstützt, gerade, was den Transport der Botschaft der Marke nach innen angeht. Wir haben 10.000 Mitarbeiter, die als Markenbotschafter zehnmal mehr bewirken als Anzeigen in einer Zeitung.

Harrie Swinkels

Harrie Swinkels wurde im Jahr 1955 in den Niederlanden geboren und absolvierte ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Seit 1981 in der Logistikbranche tätig, sammelte er ein großes Maß an Expertise – über die Branche hinaus. In den Bereichen International Supply Chain und Logistics Management Industry übernahm er im Laufe seiner Karriere führende Managementpositionen, unter anderem bei namhaften Unternehmen wie Rank Xerox, Volvo und Witron. Mit seiner jahrelangen Logistikerfahrung prägt Harrie Swinkels als Geschäftsführer der SSI Schäfer Automation GmbH und als Mitglied des Operational Management Boards seit 2003 die strategischen Geschicke des global tätigen Familienunternehmens entscheidend mit. Seit dem 1. Januar 2018 ist Harrie Swinkels neuer CEO von SSI Schäfer und tritt somit die Nachfolge von Rudolf Keller an.

mfl: Die Marke wurde also geschärft und neu ausgerichtet. Wie sieht es mit den Produkten aus, Herr Swinkels: Mehr Hardware, mehr Software, Fokussierung auf bestimmte Märkte, neue Geschäftsfelder – wo geht die Reise hin?

Swinkels

: Das Streben nach Innovationen und Diversifikationen waren für SSI Schäfer von jeher ein Erfolgsfaktor. Ein neuer Weg ist für uns das Thema Big Data: Erfassung von Kundendaten, Schaffung von Plattformen für die Daten und so weiter. Damit verbunden ist die Frage, wie ich die Daten bearbeite, visualisiere, damit Prozesse optimiere und schließlich zum Nutzen für den Kunden einsetze. Das ist sehr spannend. Abgesehen davon werden wir in naher Zukunft keine Raketen oder Drohnen ins Portfolio aufnehmen (lacht), sondern die Evolution unserer Produkte vorantreiben. Im Bereich Robotik wird es gegebenenfalls Ergänzungen geben. Das ist aber eher Arbeit an der Toolbox, Big Data dagegen die Reise in ein neues Land.

mfl: Und ein Bereich, in dem noch viele Innovationen möglich sind. Wie sieht es mit der Hardware aus? Unlängst stellte ein Flurförderzeughersteller ein eigenes RBG vor – folgt jetzt als Konter der SSI-Schäfer-Stapler? Swinkels: Nein. Wir haben im Bereich AGV ein Portfolio, das wir weiterpflegen werden. Uns geht es da aber nicht um das Fahrzeug, da gibt es bereits Unternehmen mit sehr guten Produkten, mit denen wir zusammenarbeiten können. Man muss nicht alles selber anbieten, sondern mehr und mehr mit Partnerfirmen zusammenarbeiten, idealerweise mit Unternehmen, an denen wir beteiligt sind. Das Know-how muss man sich ja sichern.

Thomas Meyer-Jander

Thomas Meyer-Jander (46) studierte Wirtschaftswissenschaften in Dortmund und übernahm im Anschluss daran mehrere leitende Marketing-Funktionen in der Telekommunikations- und Automobilbranche, unter anderem bei der heutigen Verizon, bei einer Tochter von Telefonica sowie bei Toyota. Nach Bekanntgabe des Einstiegs von Volkswagen in die FIA Rally Weltmeisterschaft wurde unter seiner Führung das begleitende, globale Markenprogramm für das Modell Polo entwickelt und umgesetzt. Für SSI Schäfer verantwortet er als Vice President Marketing and Communications seit 2016 das weltweite Marketing sowie die Unternehmens- und Produktkommunikation.

mfl: Ein neuer Anbieter auf Ihrem Markt macht Ihnen also nicht wirklich Sorgen?

Swinkels

: Sie haben auf unserem Media Forum die neuen Produkte gesehen – das neue Shuttle ist eine sehr spannende Erweiterung. Unsere Fördertechnik wird genauso laufend optimiert. Aber das alles wird nicht mehr der entscheidende Faktor sein, ob das RBG grün oder gelb lackiert ist oder ob es vier oder fünf Meter pro Sekunde fährt. Das ist Standard und mit der Autobranche zu vergleichen – der große Sprung ist nicht das neue Modell von Mercedes oder Audi, sondern der Weg in die Elektromobilität, in die Digitalisierung oder das Autonome Fahren. Hier sehen wir uns gut aufgestellt.

Thomas Meyer-Jander
Thomas Meyer-Jander.

mfl: Wird SSI Schäfer weiterhin die Anlaufstelle für die Mega-Projekte sein oder auch in kleineren Größenordnungen punkten? Swinkels: Gestatten Sie mir, Sie hier zu korrigieren. 70 bis 80 Prozent unserer Projekte haben ein Volumen im einstelligen Millionen-Bereich. Die Großprojekte machen nicht so viel aus wie es gegebenenfalls ausschaut. In der Vergangenheit haben wir vielleicht zu großen Wert auf die Darstellung dieser Großprojekte gelegt, um zu zeigen, was wir leisten können. Fakt ist aber, dass uns sehr viele Kunden weltweit bei kleineren und mittleren Projekten vertrauen, in allen Märkten, auf denen wir vertreten sind.

mfl: Steckt in den kleinen Projekten mehr Marge? Swinkels: Tendenziell ja, wenn man es gut macht und sein Geschäft im Griff hat. Wenn man dagegen für eine 1,5-Millionen-Euro-Anlage zweimal nach Brasilien fliegen muss, um sich abzustimmen, ist die Marge im Eimer. Das müssen Sie lokal lösen.

„Das Streben nach Innovationen und Diversifika­tionen waren für SSI Schäfer von jeher ein Erfolgsfaktor.“ Harrie Swinkels, CEO SSI Schäfer

mfl: Sie sind seit wenigen Wochen CEO des Unternehmens. Wie geht es Ihnen mit der neuen Rolle?

Swinkels

: Es ist eine richtig spannende Zeit. Ich habe heute noch mehr Respekt vor der Aufgabe wie vor einigen Wochen, wenn Sie wissen, was ich meine. Aber es gab in dem Sinne keinen Stabwechsel an der Bürotür. Herr Keller und ich haben lange gemeinsam gearbeitet und konsequent das Team in die neue Richtung gebracht. Der Übergang hat dennoch viele Ideen für neue Wege im Unternehmen hervorgebracht. Das hat weniger mit mir als Person zu tun, sondern mit dem Wechsel an der Spitze des Unternehmens an sich und gewissen Neustrukturierungen. Zum Glück kann ich mit einer gestandenen Mannschaft arbeiten, die sehr gut weiß, was sie tut.

Intra meint: Auf kurs

Es ist schon eine Weile her, als SSI Schäfer auf der LogiMAT mit einem neuen Messestand für Gesprächsstoff sorgte: Hell, freundlich, offen und kommunikativ wirkte er, die hallenhohen Regalwände waren vergessen. Nur ein äußerliches Merkmal, sicherlich, aber der Weg, den der Marktführer seitdem in der Kommunikation eingeschlagen hat, bringt nach innen wie außen Vorteile und trägt Früchte: Das Auftreten unter einer Marke unter Einsparung einst geliebter Markennamen wie Noell oder Peem und Ortsmarken stärkt die Identifikation der Mitarbeiter. Und auch Kunden schätzen Dinge, die sie sich einfach merken können. Ein spannender Mind Change, den ich weiter neugierig beobachten werde!

mfl: Sprechen wir zum Abschluss über die LogiMAT: Gibt es etwas, worauf Sie sich in besonderem Maße freuen in Stuttgart?

Swinkels

: Ja, ich bin sehr gespannt darauf, wie der Markt auf das reagiert, was wir angeschoben haben und ob man die Veränderungen, die der gesamte Markt gerade erfährt, spürt.

Meyer-Jander

: Wir haben grundsätzlich immer eine hohe positive Erwartungshaltung an das, was wir tun. Ich freue mich auf den SSI Carrier als Hängefördertechnik, den wir erstmalig zeigen, auf das neue SSI Flexi Shuttle und die Reaktionen der Messebesucher darauf. Und natürlich, dass wir mit SSI Schäfer als ein Unternehmen auftreten und den aufgefrischten Markenauftritt auch mit neuen Präsentationstechnologien weiter sichtbar machen. Des Weiteren freue ich mich auch auf die Weiterentwicklung unserer „Let’s Talk“-Expertenrunde, um damit unsere Position als Meinungs- und Kompetenzführer weiter zu manifestieren.

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mfl: Herr Swinkels, Herr Meyer-Jander, vielen Dank für das Gespräch.

Mit Harrie Swinkels und Thomas Meyer-Jander sprach Martin Schrüfer, Chefredakteur materialfluss.

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