Lager- & Kommissioniertechnik
Langfristige Partnerschaft
Mit einem Erweiterungs- und Modernisierungsprojekt hat SSI Schäfer das schwedische Distributionslager von Möbelhändler JYSK auf hohen Durchsatz und modernsten Stand der Technik ausgelegt. Leistungsstarke Hardwarekomponenten, konsequent getrennte Materialflüsse für Warenein- und -ausgang sowie eine Prozesssteuerung durch die Logistiksoftware Wamas sorgen dafür.

Mit der Einrichtung eines dritten Hochregallagers (HRL) hat der dänische Möbelhändler JYSK Nordic A/S die Lagerkapazität seines Distributionslagers im südschwedischen Nässjö nahezu verdoppelt. „Wir waren auf den Betrieb von neun externen Lagern mit entsprechendem ‚Warentourismus‘ angewiesen“, sagt Annika Löfgren, Logistikmanagerin bei JYSK. „Mit der Kapazitätserweiterung wollten wir die Warenlagerung an einem Standort konsolidieren und die Prozesse optimieren.“
Gemeinsam mit JYSK und einem externen Planungsunternehmen setzte SSI Schäfer das Logistikkonzept für das neue HRL und die geänderten Materialflüsse auf und generierte in Projektsimulationen eine optimale Lösung. Mit mehr als 165.000 Palettenstellplätzen, den durchgehend automatisierten Prozessen und einer leistungsstarken Logistiksoftware verfügt JYSK in Nässjö nun seit Anfang 2016 über eines der größten und modernsten Distributionslager Skandinaviens.. „Mit Tagesleistungen von bis zu 1.100 Paletten im Warenein- und 1.000 Paletten im Warenausgang sowie der täglichen Verarbeitung von etwa 6.000 Paletten für die Kommissionierung oder gesamter Paletten auf der Fördertechnik, haben wir unseren Durchsatz bereits erheblich gesteigert. Die konsequente Trennung der Materialflüsse und die deutlich erhöhte Effizienz der Kommissionierprozesse bieten uns ein gutes Potenzial für weiteres Wachstum“, merkt Löfgren an.

Ende 2013 erteilte JYSK den Auftrag. Eineinhalb Jahre später, im Juli 2015, konnte der Möbelhändler mit der Auflösung der externen Lager und der Einlagerung in den 76.000 Stellplätzen des neuen, 10-gassigen HRL beginnen. Seit Januar 2016 erfolgt die gesamte Distribution für die JYSK-Stores in Schweden und Finnland ausschließlich über den Lagerstandort. Das neue HRL fungiert dabei als Nachschublager für die beiden vorhandenen HRL. Über einen Fördertechnik-Bypass können Auslagerungen direkt an die Kommissionierplätze erfolgen.
Mehrere, parallele Projektschritte
Die Projektrealisierung erfolgte in mehreren Schritten. Während der Betrieb in der Bestandsanlage fortgeführt und die Arbeiten an dem neuen HRL aufgenommen wurden, wurde die direkt vor dem geplanten Neubau und bereits in einem früheren Bauabschnitt errichtete Lagerhalle zu einer reinen Wareneingangshalle mit neuer Fördertechnik und einem Flachlagerbereich für Sonderpaletten umgebaut. „In diesem Trakt des Logistikzentrums wurde eine Bühnenebene eingezogen, auf der ein Teil der Fördertechnik installiert ist, um Flächen für den Gabelstaplerverkehr auf der Bodenebene freizuhalten“, erklärt Anders Bohlin, Vertriebsmanager SSI Schäfer.
Parallel dazu entwickelte SSI Schäfer über Projektsimulationen ein optimales Materialflusskonzept mit getrennten Warenein- und Warenausgangsströmen. „Einerseits mussten die beiden HRL der Bestandsanlagen modernisiert und fördertechnisch optimal in ein umfassendes Materialflusskonzept eingebunden werden“, erläutert Bohlin. „Andererseits galt es, eine Software aufzusetzen, die über alle Lagerbereiche hinweg eine koordinierte Prozesssteuerung ermöglicht.“ JYSK entschied sich für die Ablösung des Altsystems und die Implementierung der Logistiksoftware Wamas von SSI Schäfer. „Das System wurde auf die Anforderungen von JYSK zugeschnitten und an das überlagernde SAP-System angebunden“, so Bohlin. Dazu wurde in einem Retrofit-Projekt zunächst die Hardware der Bestandsanlagen auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. „Die Steuerungen der Fördertechnik und Regal- bediengeräte mussten ausgetauscht und die Fördertechnik teilweise ertüchtigt werden. Die Leistungsfähigkeit der beiden vorhandenen HRL sollte ermittelt und für ein optimales Zusammenspiel mit dem neuen HRL in die Prozesssteuerung von Wamas eingepflegt werden“, beschreibt Gerhard Wolf, Projektmanager von SSI Schäfer. Zudem wurde die Steuerung der FTS, die im Flachbau vor dem neuen HRL die innerbetrieblichen Transporte übernehmen, in das Lagerverwaltungssystem eingebunden. Damit übernimmt Wamas die koordinierte Prozesssteuerung in allen vier Lagerbereichen des Distributionszentrums: den drei HRL-Komplexen nebst Fördertechnik sowie einem Flachlager in einer bestehenden Kommissionierhalle, aus dem die Kommissionierung von Großteilen erfolgt.
Die Internationalisierung gemeistert
Hinzu kamen Herausforderungen durch die Internationalisierung der Warenströme. So werden die Artikel von verschiedenen Lieferanten bei JYSK in Schweden in und auf unterschiedlichen Ladehilfsmitteln angeliefert. Im Umlauf sind bei JYSK sowohl Euro- als auch Großpaletten mit Maßen bis zu 1.200 x 2.400 Millimeter. Insgesamt wird im JYSK-Distributionszentrum inzwischen mit sechs unterschiedlichen Paletten-, Käfig- und Plattformgrößen gearbeitet. „Die Kommissionier-Fördertechnik war ursprünglich nur für Europaletten ausgelegt“, erklärt Wolf. „Da haben wir entsprechend nachgesteuert.“

Um auch die vorhandene (Kommissionier-)Fördertechnik weiterhin nutzen zu können, entwickelte SSI Schäfer Unterpaletten und installierte je eine Auf- und Absattelstation für die angelieferten Großpaletten. Sie sind in die Fördertechnik im Vorgebäude des neuen HRL integriert. Weitere Besonderheit: Ungeachtet des hohen Durchsatzes kommen bei der Verteilung und Zuführung der Paletten zur Einlagerung im neuen HRL keine Verfahrwagen zum Einsatz. „Wir haben hier eine Lösung mit Eckumsetzern und Drehrollenbahnen realisiert“, erläutert Wolf.
An zehn Wareneingangstoren wird angeliefert. Für das automatisierte Handling der Ladungsträger sind vier Aufgabestationen eingerichtet. An Ident-Punkten auf der Fördertechnik erfolgen die automatische Vereinnahmung, IT-Erfassung, Konturen- und Gewichtskontrolle, eine automatisierte Etikettierung sowie die Transportsicherung der Paletten durch automatische Folienwickler. Damit sind die Wareneingänge für den weiteren innerbetrieblichen Materialfluss präpariert – sofern Wamas sie, wie etwa bei Schnelldrehern, nicht direkt in die Kommissionierhalle oder den Warenausgang aussteuert.
Die Fördertechnik führt die Wareneingangspaletten an einen von zwei Liften. Die Senkrechtförderer bringen die Paletten auf eine Transportbrücke und von dort über zwei weitere Lifte an die Übergabestationen ins neue HRL. Daran angebunden ist die Fördertechnik zu den beiden Bestandsanlagen und den Kommissionierplätzen. Die Kommissionierplätze selbst hat SSI Schäfer mit einem Pick by Light-System modernisiert, das für eine sichere Auftragskommissionierung sorgt. Inklusive der Verbindung von den Wareneingangstoren und zu den Warenausgangsbahnen umfasst die vorgelagerte Fördertechnik mit 189 Rollenbahnen und 325 Kettenförderern eine Gesamtlänge von 1,2 km. Im neuen HRL sorgen zehn energieeffiziente Zweimast-Regalbediengeräte vom Typ Exyz für optimierte Ein- und Auslagerungsprozesse.
Für das Leerpaletten-Handling wurde in Nässjö eigens eine Leerpaletten-Prüfbahn für Europaletten eingerichtet. Mit modernsten Druckrollen- Zug- und Sensorprüfungen werden die einlaufenden Paletten geprüft. „Erneut nicht nur ein überzeugendes Konzept, sondern ebenso ein optimaler Projektverlauf und ein beeindruckendes Ergebnis“, resümiert Logistikmanagerin Annika Löfgren. „Getrennte Warenflüsse für Warenein- und Warenausgang sowie transparente, auf hohen Durchsatz ausgelegte und durchgängig koordinierte Prozesse, gesteuert von einem leistungsstarken IT-System: Wir sind mit dem Ergebnis hoch zufrieden.“










