Lager- & Kommissioniertechnik

Kleine Schritte, große Wirkung

Optimale Logistik ist planbar! Durchsatz und Kapazitäten können berechnet und entsprechend der Unternehmensanforderungen dimensioniert werden. Theoretisch! In der Praxis jedoch erreicht die Logistik häufig nicht die erwartete Leistung. Arne Pierau hat Ideen, wie man das ändern kann.

Foto: Pierau Planung
Foto: Pierau Planung

Instinktiv lässt sich vermuten, dass insbesondere komplexe, vollautomatische Anlagen mit ihren Komponenten anfällig sind für Leistungsausfälle. Aber auch bei nicht automatisierten Prozessen gibt es Reibungsverluste, denn hier bestimmen die Mitarbeiter den Takt. Die Gründe, warum einfache Aufgaben zu Leistungsbremsen werden, sind schwierig aufzuspüren, denn Ist- und Soll-Bearbeitungszeiten lassen sich bei manuellen Tätigkeiten nur mit Zeiterfassungsmethoden bestimmen.

Die Mann-zur-Ware-Kommissionierung ist ein gutes Beispiel dafür, wie auf dem Papier passend dimensionierte Prozesse trotz guter personeller und technischer Ausstattung vorzeitig an ihre Leistungsgrenzen geraten. Die Verantwortung dafür bei den Mitarbeitern zu suchen, wäre zu einfach. Sie haben ausschließlich die einzelnen Kommissionieraufträge im Blick. Hindernisse, Störfaktoren und Unpraktisches werden in der Regel umgangen, aber nicht grundsätzlich beseitigt.

Ein objektiver Blick von außen deckt die Leistungssenken auf und es wird erkennbar, welche „Kleinigkeiten“ in ihrer Summe die Kommissionierung ausbremsen. Die folgenden Handlungsempfehlungen entstammen der Praxis. Sie kommen ohne IT-Anpassungen aus, benötigen kein zusätzliches Personal, erfordern kaum zusätzliche Hardware und tragen doch zu Leistungsverbesserungen bei.

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Hindernislauf beseitigen

Es klingt simpel: Damit Kommissionierer effizient arbeiten können, müssen Lauf- und Fahrwege frei sein. An in Gängen zwischengelagerte Waren, Altkartonage und abgestellte Arbeitsgeräte wirken wie Schikanen. Sie bremsen aus und erhöhen durch das notwendige Lenken den Kraftaufwand für das Bewegen der Kommissionierwagen. Strategisch positionierte Behälter zur Altkartonageentsorgung tragen dazu bei, die Wege frei zu halten. Für Zwischenlagerungen können durch Bodenmarkierungen gekennzeichnete Flächen vorgesehen werden, die außerhalb der Laufwege liegen. Das Freihalten der Regalgänge führt dazu, dass die Mitarbeiter einander leichter ausweichen können. Gänge, Regale und Fächer müssen nicht nur frei zugänglich sein, sondern auch klar gekennzeichnet werden. Die Nummerierung muss nachvollziehbaren Regeln folgen, sodass auch neue oder zeitweise eingesetzte Mitarbeiter das System schnell erfassen. Mitarbeiter, die sich erst orientieren müssen, bewegen sich nicht nur zögerlich, sie bremsen im Zweifelsfall auch ihre Kollegen aus. Daher sollte man auch bei mit der Zeit gewachsenen Lagerstrukturen, deren Nummerierungskonzept keinen Raum für Erweiterungen lässt, überlegen, ob nicht der Nutzen einer Neunummerierung die zu erwartenden Anfangsschwierigkeiten schnell rechtfertigt.

Mehr Artikelpositionen pro Meter

Größe und Struktur des Lagers sollten ebenfalls in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Effektiv gearbeitet werden kann nur, wenn die Gesamtlagerfläche eine strukturierte Ein­lagerung zulässt. Zudem müssen Ort und Lagerplatzgröße der einzelnen Artikel durchdacht werden. Zu groß dimensionierte Lagerplätze zur Kompletteinlagerung eines Artikelbestands bedeuten lange Wege. Zu klein dimensionierte Lagerplätze wiederum führen zu Nachschubprozessen. Der Ort der Lagerung ist ebenfalls relevant: Auch in Anlagen ohne komplexe IT lässt sich aus Artikel- und Versanddaten – oder aus der Erfahrung der Mitarbeiter – eine ABC-Struktur der Artikel ableiten.

Arne Pierau
„Es sind in der Kommissionierung nicht ausschließlich mehr Technik und Investitionen notwendig, um die Leistung zu verbessern.“

Arne Pierau Geschäftsführender Gesellschafter Pierau Planung

Eine weitere Effizienzsteigerung erreicht die Einführung geeigneter Kommissionierwagen. Diese sollten zwar groß sein, beladen jedoch nicht zu schwer werden, um Mitarbeiter nicht über Gebühr zu belasten. In der Praxis haben sich Kommissionierwagen aus Aluminium bewährt.

Dreh- und Angelpunkt einer reibungslosen Kommissionierung sind die Mitarbeiter. Langjährige Mitarbeiter, die Lager und Abläufe in jedem Detail kennen, sind Gold wert. Eine gewisse Fluktua­tion kann jedoch nicht verhindert werden, und gerade zu saisonalen Stoßzeiten muss die Besetzung häufig mit temporären Kräften erhöht werden. Das Einteilen der in der Kommissionierung anfallenden Aufgaben nach Schwierigkeitsgraden erlaubt es, die Mitarbeiter entsprechend ihrer jeweiligen Erfahrung möglichst produktiv einzusetzen. Für neue oder zeitweise beschäftigte Kräfte werden einfache Prozesse und klare Regeln definiert, die eine geringe Lernkurve haben. Erfahrene Mitarbeiter haben den Rhythmus der Kommissionierung verinnerlicht und bemerken Taktfehler schnell. Überträgt man ihnen die Teamleitung, haben alle Kollegen einen Ansprechpartner direkt vor Ort. Zum einfachen Auffinden der Teamleiter in der Logistik tragen diese Mitarbeiter idealerweise ein farblich abgestuftes Kleidungsstück. Darüber hinaus können Teamleiter das Fehlerhandling und weitere Aufgaben übernehmen – und die verantwortungsvollere Aufgabe sowie die damit verbundene Anerkennung bindet sie an das Unternehmen.

Es sind in der Kommissionierung nicht ausschließlich mehr Technik und Investitionen notwendig, um die Leistung zu verbessern. Häufig lassen sich die Leistungswerte mit einfachen Mitteln deutlich steigern – wichtig ist die Bereitschaft zu einem objektiven Blick auf das IST. Auch wenn sich abzeichnet, dass die bestehende Anlage durch Einführung einer Mehrstufigkeit und mehr Technikeinsatz erweitert wird, sollten die oben zusammengestellten Tipps auf die Anwendbarkeit im eigenen Lager geprüft werden, um Potenziale optimal auszuschöpfen.

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