Krane & Komponenten

materialfluss Round Table: Krane - Sicher und energieeffizient in die Zukunft

Er hat bereits Tradition und dient dem profunden Erfahrungs- und Meinungsaustausch: der Round Table von materialfluss. Dieses Mal drehte sich alles um das Thema Krane – Branche, Trends und Prognosen. Der Markt, so die vier Experten am Tisch, ist in Bewegung. Zu den wichtigen Themen der Zukunft gehören Sicherheit, Energieeffizienz und Bedienerfreundlichkeit.

Kranexperten und Journalisten unter sich
Kranexperten und Journalisten unter sich (v.l.n.r.): materialfluss-Autor Klaus Hiemer, Martin Schrüfer, Jochen Gallas (Konecranes), Thomas Kraus (Stahl CraneSystems), Andreas Hambrock (Demag) und Klaus-Dieter Schwabenthan ( J. Schmalz GmbH). Fotos: Thilo Härdtlein

In gemeinsamer Runde diskutierten Andreas Hambrock, Senior Director Central Back Office & Distributor Management EMEAR von Demag, Thomas Kraus, Support Center Director von Stahl CraneSystems, Jochen Gallas, Kransachverständiger Konecranes, und Klaus-Dieter Schwabenthan, Leiter Geschäftsentwicklung und Lieferprozess Vakuum-Handhabungssysteme der J. Schmalz GmbH.

Konecranes übernimmt Demag, StahlCrane Systems hat mit Columbus McKinnon Corporation einen neuen Besitzer: Es tut sich was in der Kranbranche. „Wie reagieren die Kunden auf das Hin und Her?“, wollte materialfluss-Chefredakteur Martin Schrüfer wissen, der den Round Table moderierte.

Fusionen in der Kranbranche: Der Kunde differenziert

Jochen Gallas, Konecranes
„Mit dieser Unternehmensgröße ist es für uns einfacher, eigenständig am Markt zu bleiben, und nicht zum Spielball von Investoren zu werden.“ Jochen Gallas, Konecranes

„Der Großteil der Kunden reagiert erstaunlich gelassen“, konstatiert Jochen Gallas von Konecranes. Sie betrachteten die Unternehmen sehr genau, auch was deren Portfolio anbelangt. Damit können sie klar differenzieren. Im Produktangebot von Konecranes und Demag habe es bislang keine hundertprozentige Überschneidung gegeben. „Wir haben unterschiedliche Kunden aus verschiedenen Branchen und konzentrieren uns darauf, bedarfsgerecht zu liefern. Man muss es bei dieser Differenzierung belassen“, sagt der Kranspezialist. Nach seiner Einschätzung kommt es in Zukunft darauf an, von den Vorteilen der Zusammenarbeit zu profitieren. Das bringt allein schon die neue Unternehmensgröße mit sich. „Es ist einfacher, eigenständig am Markt zu bleiben und nicht zum Spielball von Investoren zu werden.“ Chancen sieht Gallas auch in der intensiveren Forschungs- und Entwicklungsarbeit. „Das ist für uns sehr wichtig, aber leider auch kostenintensiv. Durch den Zusammenschluss können wir unser Wissen bündeln und das Engagement verstärken.“ In eine ähnliche Richtung argumentierte Andreas Hambrock von Demag. Es gebe zwar Überschneidungen im Produktportfolio, doch sei der Kunde durchaus in der Lage, die Marken zu unterscheiden. Eine wichtige Rolle spiele auch das Komponentengeschäft, das beide Unternehmen erfolgreich bedienten. In Gesprächen mit den Kunden stellt er klar: „Wir bleiben unverändert mit Demag-Produkten am Markt.“

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Aus Sicht von Stahl Crane Systems hat der Markt sehr wohl registriert, dass es einen neuen Eigentümer gibt. Große Unruhe ist dadurch aber nicht entstanden. „Wir sind ein leistungsstarker Komponentenlieferant und im Endkundenvertrieb engagiert“, betonte Thomas Kraus. Dieses Geschäftsmodell bleibe weiterbestehen, und der Kunde akzeptiere das. Kraus sieht auch keine Schwächung der Marktposition. „Der Name Stahl bleibt als starke Marke bestehen.“

Trendthema Nummer eins: Sicherheit

„Welche Trends treiben die Kranhersteller um?“ Diese Frage von Chefredakteur Martin Schrüfer führte in der Expertenrunde zu lebhaften Gesprächen. Dabei wurde schnell klar: Trendthema Nummer eins ist die Sicherheit rund um Krane und Hebezeuge. „Darüber lässt sich nicht diskutieren. Wir stellen Leichtbaukrane her, die Lasten von 1.000 Kilogramm und mehr bewegen. Und immer sind Menschen in der Nähe. Deswegen muss der Handlingprozess risikofrei ablaufen“, fasst Klaus-Dieter Schwabenthan von Schmalz zusammen. Immer wichtiger wird zudem die Energieeffizienz. Das Bewusstsein, schonend mit Ressourcen umzugehen, hat nach seiner Beobachtung im Markt stark zugenommen. „Bei unseren Leichtbaukranen verzichten wir weitgehend auf Antriebe und sparen dem Anwender somit Strom.“

Dieter Schwabenthan, Schmalz
„Wir dürfen die Anwender nicht mit Komplexität überfordern.“ Klaus-Dieter Schwabenthan, Schmalz

Um erfolgreich in der Branche zu agieren, müssen Kranhersteller heute einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. „Es genügt nicht, einfach einen Kran in die Halle zu stellen. Die Kunden verlangen Anlagen, die gezielt Materialflüsse optimieren“, sagt Schwabenthan. In diesem Zusammenhang spiele auch die Investitionssicherung eine bedeutende Rolle. Unternehmen stellten ihren Mitarbeitern Betriebsmittel mit hohem Return on Invest zur Verfügung. Um diesen Anspruch zu erfüllen, sei der enge Kontakt zu den Anwendern und die präzise Projektauslegung unabdingbar.

Mit Industrie 4.0 macht Schwabenthan ein weiteres Trendthema aus. Hier gelte es jedoch, einen Spagat zu meistern. Einerseits dürfe der Anwender nicht mit Komplexität überfordert werden. Andererseits böten Smart Devices letztlich handfeste Vorteile. „Condition Monitoring zeigt beispielsweise direkt den Betriebszustand an, und Predictive Maintenance ermöglicht ein schnelles Eingreifen, bevor teure Schäden entstehen.“

„Lasten müssen unbedingt sicher gehandelt werden“

„Zuverlässigkeit und Sicherheit werden auch in Zukunft höchste Priorität besitzen“, meinte Andreas Hambrock. „In einer Produktionshalle werden tonnenschwere Güter in der Luft transportiert und Menschen arbeiten in direkter Nähe.

Die Lasten müssen unbedingt sicher gehandelt werden.“ Demag legt großes Augenmerk auf die Steuerungstechnik. Mit Demag SafeControl hat das Unternehmen ein System entwickelt, das am Markt weit verbreitet ist. „Damit erfüllen wir gänzlich die Bedingungen der Maschinenrichtlinie. Wir haben beispielsweise eine Umfahrsteuerung entwickelt, die auch 20-Tonnen-Coils sicher verfährt.“ Für Andreas Hambrock steht fest: Der Trend zur Automatisierung greift nur eingeschränkt auch für Krane. „Es mag die Entwicklung zu voll automatisierten Lösungen in der Lagertechnik geben. Dies gilt jedoch nicht für die Produktion. Ich bin sicher, der Bediener wird hier auch in Zukunft am Kran bleiben. Aber er wird durch ergonomische Assistenzsysteme spürbar entlastet.“ So habe Demag eine neue Joystick-Steuerung entwickelt. Der Mitarbeiter kann diese mit einer Hand bedienen – ohne die Last aus den Augen zu lassen. Bedient werden die Joysticks mit dem Daumen – ähnlich wie bei einer Spielkonsole. Der Anteil der Sensorik wird nach Einschätzung von Hambrock weiter zunehmen. Die Anlagen erfassen Daten, werten sie aus und geben Auskunft über Leistung und Verschleiß – so lassen sich. Wartungsaufgaben bereits im Vorfeld planen. „Aufgrund solcher Informationen lassen sich zukünftig zum Beispiel auch Verfahrwege optimieren. Es geht darum, die aufgezeichneten Daten sinnvoll zu nutzen.“

Andreas Hambrock, Demag
„Assistenzsysteme wie eine Umfahrsteuerung müssen sicher sein und auch einen 20-Tonnen-Coil problemlos handeln.“ Andreas Hambrock, Demag

„Die Themen Sicherheit und Zuverlässigkeit sind enorm wichtig“, betonte auch Thomas Kraus von Stahl CraneSystems. Nach seiner Einschätzung kommen in Hebezeugen verstärkt integrierte Steuerungen zum Einsatz, die für mehr Sicherheit und zuverlässige Prozesse sorgen. Genau wie Andreas Hambrock sieht Thomas Kraus in Assistenzsystemen eine wichtige Unterstützung für den Werker. Als Beispiel nennt er die Lastpendelfunktion. Der Bediener schaltet diese zu, und die Last pendelt nicht mehr so stark, weil im oberen Kranbereich elektronisch nachgeregelt wird. Deutliche Unterschiede sieht Thomas Kraus bei den Sicherheitsstandards in den jeweiligen Regionen. Während Europa hier führend ist, hinkt zum Beispiel Asien hinterher. Einen starken Trend sieht Kraus in der ergonomischen Gestaltung von Kranen und Hebezeugen. „Diese muss auf die Applikation angepasst sein. In unserem Sonderbau und der Engineering-Abteilung wird dies seit jeher umgesetzt.“ Die Erfassung und Auswertung von Daten über den Betriebszustand von Anlagen ist auch für Kraus ein weiteres wichtiges Thema. „Solche Informationen geben dem Betreiber beispielsweise Aufschluss über den Verschleiß von Komponenten. Er kann schnell reagieren, um Anlagenstillstände zu vermeiden.“ Durch solche Lösungen werden die Anlagen komplexer. „Das erfordert freilich qualifiziertes Wartungspersonal.“

Einfache Lösung oder komplexe Systeme?

Jochen Gallas von Konecranes sieht sich mit ganz unterschiedlichen Kundenwünschen konfrontiert. „Manche möchten im Bedarfsfall den schnellen Austausch von Komponenten und bevorzugen einfache Lösungen, andere setzen mehr auf technischen Fortschritt und komplexere Systeme.“ Die Konsequenz: Die Unternehmen müssen ihre Anlagen zunehmend präzise kundenspezifisch auslegen. Dies erfordere versierte Verkäufer und flexible Entwicklungsabteilungen. Auch für Gallas steht das Thema Sicherheit weit oben auf der Agenda. „Es ist unsere Aufgabe, die Anlagen immer auf dem neuesten Stand der Technik zu halten und die Betriebsverordnungen genau zu erfüllen.“ Zu mehr Sicherheit können Assistenzsysteme beitragen, ist auch Gallas überzeugt. Kommt es zu Überbelastungen oder gibt es Bedienungsfehler, schalten sie ab, ehe Schaden entsteht. Ein Zukunftsthema ist für Jochen Gallas ebenso die Mensch-Maschine-Schnittstelle. „Wir müssen die Bedienung unserer Anlagen vereinfachen und sie schneller und logischer machen. Das steigert die Effizienz von Kranen und Hebezeugen.“

Von Materialien und Schmarotzerblechen

Konferenzraum K2 des Bader Hotels
Im Konferenzraum K2 des Bader Hotels diskutierten die Experten unter anderem über Sicherheit bei Kransystemen.

Stahl und Blech sind die im Kranbau wohl am häufigsten verwendeten Materialien. Doch es lohnt, sich auch über alternative Konstruktionen und andere Werkstoffe Gedanken zu machen. Dies machte die Expertenrunde deutlich. Andreas Hambrock: „Die Hälfte der Bleche am Kran fahren ohne spezifische Funktion einfach mit – wir nennen sie Schmarotzerbleche. Also haben wir eine ausführliche Materialanalyse durchgeführt.

Ergebnis ist unsere V-Profilkran Reihe. Dort sind keine vollflächigen Kastenträger mehr verbaut. Das spart Gewicht und ist energie-effizienter“, schildert er. Nach seiner Einschätzung lohnt es sich immer, über das Material und innovative Ansätze nachzudenken.

Tomas Kraus, Stahl CraneSystems
„Der Name Stahl bleibt als starke Marke am Markt bestehen.“ Thomas Kraus, Stahl CraneSystems

Aus Sicht von Klaus-Dieter Schwabenthan gewinnt das Thema Materialien an Bedeutung – vor allem aus ergonomischer Sicht. Im Zuge der Globalisierung müssen Bediengeräte von Europäern wie Asiaten gleichermaßen gut angenommen werden. „Dies betrifft Touch-Funktionen ebenso wie ansprechende Optik, angenehme Materialien und hohe Funktionalität. Der Bediener muss das Gerät einfach gerne in die Hand nehmen.“ Bereits seit Jahren verwendet Schmalz Aluminium für seine Krane. Dadurch sind sie sehr leichtgängig und ermöglichen dem Werker trotz hohen Umschlags ermüdungsfreies Arbeiten. Thomas Kraus sieht bei den Materialien ebenfalls noch viele Entwicklungsmöglichkeiten. Für ihn könnte auch der 3D-Druck in Zukunft eine Rolle spielen. Für Jochen Gallas liegt in der Verwendung kleinerer Komponenten Potenzial, um die Effizienz zu steigern. „Wir müssen die bewegten Massen reduzieren. Das spart Energie und ermöglicht schnellere Bewegungen.“

Worin liegt der Reiz der Branche?

Die Teilnehmer des materialfluss-Round Table sind seit Jahrzehnten in ihrem Umfeld tätig. „Warum arbeiten Sie nicht schon längst in einer anderen Branche?“, wollte Chefredakteur Martin Schrüfer wissen. Dem entgegnete Jochen Gallas von Konecranes: „Mein Arbeitgeber bietet mir viel Potenzial und Entwicklungsmöglichkeiten. Ich bin mit dieser Branche groß geworden und sehe mich ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Das macht Spaß und hält mich bei der Stange.“ Klaus-Dieter Schwabenthan liebt den Umgang mit seinen Kunden. „Ich habe Innovation immer als Transformation von Wissen in Nutzen verstanden. Neue Techniken in innovative Lösungen umzusetzen, ist unglaublich spannend und hat immer mit Menschen zu tun.“ Für Andreas Hambrock von Demag ist Kranbau klassischer Maschinenbau. „Er umfasst aber auch Sensorik, Elektrik und Elektronik. Das ist ein großes Spektrum an Themen und für mich faszinierend.“ Thomas Kraus von Stahl CraneSystems liebt es, immer wieder umdenken zu müssen, um neue Situationen zu meistern. „Durch Ingenieurskunst Applikationen für den Menschen zu entwickeln, ist eine ständige Herausforderung. Deswegen ist meine Motivation unverändert hoch.“

Klaus Hiemer

Die Reihe materialfluss Round Table ist eines der Markenzeichen dieses Magazins. Zuletzt erschien in Ausgabe 6/17 ein Round Table mit den Top-Managern der drei bei den International Forklift Of The Year Awards 2017 siegreichen Unternehmen. Die Reihe wird fortgesetzt.
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