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Artikel und Hintergründe zum Thema

Paletten-Förderanlage

Andreas Mühlbauer,

Von der Laderampe zur automatisierten Förderstecke

Sechs Lagerbereiche auf drei Ebenen, zwei Vertikalförderer und eine umfunktionierte Lkw-Laderampe – das sind die Eckpunkte einer neuen Paletten-Förderanlage von HaRo, die die Logistik eines Futtermittelherstellers effizienter und nachhaltiger macht.

Vertikalförderer mit integrierter Drehstation für eine dreiseitige Rollenbahnanbindung. © HaRo

Verkehrsgünstig am Hafen gelegen, bietet der Standort Kehl den Raiffeisen Kraftfutterwerken (RKW) optimale Voraussetzungen für die Rohstoffversorgung per Schiff, Bahn und für bis zu 20 Lkws, die täglich an der Laderampe abgefertigt werden. 1963 als Tochter der ZG Raiffeisen gegründet, produziert RKW Kehl seit über 60 Jahren Mischfutter für Nutztiere. Seit 1987 ist das Unternehmen auch Spezialist im Bereich der Produktion von hochwertigen Heimtiertrockenfutterprodukten.

Aufgrund des permanent gestiegenen Produktionsvolumens im Bereich der verpackten Produkte und um geänderten Logistikanforderungen von Kunden gerecht zu werden, mussten neue Lösungen für die Lagerung und Auslieferungslogistik der verpackten Produkte geschaffen werden. Das Unternehmen, das komplett ohne grüne Gentechnik produziert und ausschließlich auf europäische Rohstoffherkünfte setzt, hat im Bereich der Logistik eine nachhaltige Lösung gesucht und gefunden. Ein Gebäude aus den 60er Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft konnte hierfür wieder in eine sinnvolle Nutzung gebracht werden.

Das Ziel für den Fördertechnik-Hersteller HaRo aus dem sauerländischen Rüthen war klar definiert. Der unübersichtliche Staplerverkehr sollte minimiert und die vor den Lagerhallen befindliche Lkw-Laderampe in das Konzept der Förderanlage integriert werden. Neben der automatisierten Ein- und Auslagerung aller sechs Lagerbereiche sollten auf der Rollenbahn zusätzliche Paletten-Pufferplätze geschaffen werden.

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Das Fördertechnik-Konzept

Das Konzept der ausgelagerten Fördertechnik ist für HaRo nicht neu, sei es in einem Tunnel, der unterirdisch Produktionsgebäude verbindet, oder auf einer Brücke, die über eine Bundesstraße führt. Bei RKW bestand die Herausforderung darin, eine vorhandene 1,2 m hohe Lkw-Laderampe so in das Fördertechnikkonzept einzubinden, dass ein langlebiger und zuverlässiger Betrieb gewährleistet ist. Die exponierte Lage am Hafen und die flankierende Anordnung entlang der Gebäudeaußenseite erforderten daher eine witterungsgeschützte Einhausung der gesamten Förderanlage einschließlich der beiden Vertikalförderer.

Palettenaufgabe für den automatisierten Transport in mehrere Ebenen. © HaRo

Aufgabe dieser Förderanlage ist es, die per Lkw ankommenden Warenströme in Form von Big Bags, Eimern und Sackware auf unterschiedlichen Palettentypen schnell, effizient und zuverlässig auf die sechs Lagerbereiche in drei Ebenen zu verteilen. Der Mitarbeiter wählt an einem Bedienpult das Ziel für die aktuelle Palette aus und setzt das Fördergut auf der verzinkten Rollenbahn im Wareneingangsbereich ab. Im Aufsetzbereich montierte Flachstähle unterstützen das Absetzen und Positionieren.

Eingangskontrolle für den zuverlässigen Materialfluss

"Bei einer Anlage in dieser Größenordnung sind umfangreiche Prüfprozesse vor der Einschleusung in den Warenkreislauf zur Vermeidung von Störungen essenziell", erläutert der Leiter Konstruktion, Markus Löseke. So durchläuft das Fördergut nach der Aufgabe im Wareneingang zunächst eine Konturen- und Kufenkontrolle, um sicherheitsrelevante Schäden an den Paletten zu erkennen.

Im nächsten Schritt erfolgt die gesetzlich vorgeschriebene Überlasterkennung mit einer mechanischen Waage unterhalb der Rollenbahn. So wird sichergestellt, dass die maximale Beladung des Vertikalförderers nicht überschritten wird. Ist das Ergebnis einer der Prüfungen negativ, fährt die Palette zurück. Bei einer positiven Rückmeldung wird die Palette zum Weitertransport freigegeben. Über die angetriebene Rollenbahn erfolgt der vollautomatische Transport in die vorgewählte Lagerebene im gewünschten Gebäudeabschnitt und Stockwerk.

Neben dem automatisierten Transport ist die gesamte Rollenbahnstrecke auch als kurzfristiger Palettenpuffer nutzbar. Die Förderanlage arbeitet hier nach dem Prinzip des Blockstaus. Dabei wird auf dem ersten Rollenbahnsegment ein Block aus bis zu drei Paletten gebildet, der anschließend in einem Stück auf die am weitesten entfernte freie Rollenbahn transportiert wird. Dieses Verfahren vermeidet eine Lückenbildung auf der Rollenbahn und stellt die höchstmögliche Pufferkapazität sicher. Somit kann die Strecke bis zum ersten Vertikalförderer eine komplette Lkw-Ladung von 36 Paletten aufnehmen. Auf den angetriebenen Rollenbahnen zwischen den beiden Vertikalförderern speichert die SPS-Steuerung zusätzlich die Zieladressen der aufgegebenen Fördergüter und verfolgt diese entlang der Förderstrecke bis zu ihrem Ziel.

Montage des Vertikalförderers an der Gebäudeaußenseite.

Um einen störungsfreien Betrieb zu gewährleisten, wurden entlang der Rollenbahnen zusätzliche Führungsschienen als passive Sicherheitskomponente integriert. Diese Mittenführung sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Palettenformate auf der jeweils bis zu 70 m langen Förderstrecke geradlinig an ihr Ziel gelangen. Ein "Verlaufen" der Paletten aufgrund unterschiedlicher Kufen und Abmessungen wird somit verhindert.

Zahlen, Daten und Fakten

Die von HaRo installierte Förderanlage hat eine Gesamtlänge von 141 m und gliedert sich in zwei Abschnitte von 68 und 70 m zuzüglich der durchfahrbaren Vertikalförderer. Die Gesamtstrecken wurden in 22 Segmente à 6 m aufgeteilt. Für den Transport des in Summe bis zu 4,5 t schweren Förderguts ist nur eine Antriebseinheit pro Rollenbahnsegment erforderlich. Dies reduziert die Investitionskosten und spart langfristig Energie.

Auf den einzelnen Lagerebenen kamen Rollenbahnen mit geringer Bauhöhe zum Einsatz. Mit nur 80 mm in den Lagerebenen ermöglichen sie eine einfache Entnahme der ankommenden Paletten mittels eines Gabelhubwagens. Zu Steigerung der Umlaufzeiten des Vertikalförderers wurden auf den Lagerebenen mehrere Pufferplätze für das ein- und ausgehende Fördergut geschaffen. Auf diese Weise kann der Vertikalförderer jederzeit seine Ladung entladen und in der angrenzenden Etage neues Fördergut aufnehmen. Leerfahrten des Fahrkorbs werden so minimiert.

Die Installation der Rollenbahnen erfolgte auf der vorhandenen Lkw-Verladerampe, lediglich die Vertikalförderer mussten aufgrund ihres Eigengewichts von 6 t und einer Höhe von 14 m auf ein tiefer gelegenes Fundament gestellt werden.

Die Kundenvorgaben sahen eine Leistung von 60 Paletten pro Stunde bei einer maximalen Hubhöhe von 8,6 m vor. Um diese Werte zu erreichen, wurden die Vertikalförderer mit einer Antriebsleistung von je 11 kW ausgestattet. Diese Leistung ermöglicht eine vertikale Fahrgeschwindigkeit von bis zu 37 m/min bei einer maximalen Traglast von 2.000 kg.

Vertikalförderer mit integrierter Drehstation

Die Besonderheit der Vertikalförderer liegt in der T-förmigen Anordnung der angrenzenden Rollenbahnen. Vor dem Hintergrund, dass die Paletten auf einer Rollenbahn nur in Längsrichtung transportiert werden können, erfolgt bereits im Vertikalförderer eine Drehung der Paletten um 90°. Eine eigens hierzu im Fahrkorb integrierte Drehstation ermöglicht die korrekte Ausrichtung der Paletten, sodass eine reibungslose Entnahme auf den Lagerebenen möglich ist.

Die Nachfrage nach Komplett-Anlagen in diesem Umfang nimmt stetig zu. Die Projektkoordination erfordert dabei höchste Aufmerksamkeit. "Gerade bei der Erweiterung von Bestandsgebäuden ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Kunden, aber auch mit anderen Gewerken unumgänglich", sagt Markus Löseke. "So standen wir während der gesamten Konstruktionsphase in engem Austausch mit dem Statiker und dem Stahlbauer der Außenverkleidung." Geschäftsführer und Projektleiter Maximilian Hackländer ergänzt: "Unser Dank gilt an dieser Stelle vor allem dem Projektleiter von RKW Kehl, Hans-Peter Luhr, der alle Beteiligten vorbildlich unterstützte und jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung stand."

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