Fördertechnik & Komponenten
Nachhaltig in Bewegung
Fördertechniken tragen in mehrfacher Hinsicht zu „Green Logistics“ bei: Sie werden meistens unter Verwendung recycelter Materialien produziert, erreichen beim Betrieb beachtliche Energieeinsparungen, reduzieren den Wartungsaufwand und stellen am Ende ihres Lebenszyklus einen vielfältigen Fundus an wiederverwertbarem Material zur Verfügung. Und sie machen – etwa als gigantische Out-Door-Anlagen für Schüttgüter – in puncto Effizienz und Nachhaltigkeit das Rennen gegen Lkw-Einsätze.

Der Naturmodeanbieter hessnatur hat in seinem Versandzentrum mit rund 38.000 Lagerplätzen am Firmensitz Butzbach vor einiger Zeit die veraltete 400V-Antriebstechnik durch die energieeffiziente und wartungsfreundliche 24V-Technologie von Interroll ausgetauscht. Da für hessnatur Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle spielt, wurde eine Lösung gesucht, die es ermöglicht, das Metallgrundgestell der bestehenden Förderanlage weiterzuverwenden und nur die Förderrollen und die Kunststoff-Komponenten auszutauschen. Mit den 24V RollerDrive inklusive der Steuerungen DriveControl und ZoneControl von Interroll konnten alle Anforderungen optimal umgesetzt werden können.
Die Stauzonen im Versandzentrum wurden mit RollerDrive EC310 ausgestattet. Die ZoneControl übernimmt die Steuerung jeder einzelnen Zone. Die Kurven sind mit RollerDrive EC310 und DriveControl ausgerüstet. Ein mit RollerDrive angetriebenes System ist grundsätzlich dezentral aufgebaut. Die Antriebe befinden sich in jeder einzelnen Förderzone, die sich damit individuell zu- oder abschalten lässt. Bewegung im gesamten Förderer findet nur dann statt, wenn tatsächlich Güter staudrucklos gefördert werden.

„Im Sinne von Green Logistics setzt SSI Schäfer unter anderem verstärkt auf die Minimierung des Energiebedarfs von Regalbediengeräten.“Rudolf Muhlfinger Business Development SSI Schäfer
Antriebsleistung nur bei Bedarf
Dabei werden nur die RollerDrives angetrieben, die für den optimalen Durchfluss der Fördergüter nötig sind. Dies bedeutet laut Interroll „ein enormes Potenzial an Energieeinsparung sowie deutliche Lärm- und Verschleißminderung. Somit wurden die Umwelt geschont und verbesserte Arbeitsbedingungen realisiert“.

„Ob dezentrale 24-Volt-Antriebe, energieeffiziente Trommelmotoren oder Fließlagersysteme, die die Schwerkraft nutzen – unsere Lösungen sind auf minimierten Energieverbrauch und einen langen Lebenszyklus ausgelegt“, so Irma Slavinskaite, Senior Product Marketing Managerin bei Interroll. „Dieser Ansatz macht sie zu idealen Schlüsselkomponenten für einen nachhaltigen Materialfluss, der Ressourcen und Umwelt schont. Gleichzeitig ermöglichen die Komponenten von Interroll die Modernisierung und Kapazitätserweiterung von bestehenden Anlagen, so dass in vielen Fällen der Umweltverbrauch durch Neubauten überflüssig wird“.
Sorter: zu 99 Prozent recycelbar
„Neue Produkte und Systeme von Vanderlande werden von Beginn an im Hinblick auf Nachhaltigkeit konzipiert“, so die die Verantwortlichen des Unternehmens. „Dabei konzentrieren wir uns darauf, wie sie von den Kunden und individuellen Bedienern eingesetzt werden. Dieser Ansatz kam bereits in vielen neuen Konzepten zum Einsatz, etwa bei der „Crossorter“-Sortierlösung, dem Ein-/Auslagersystem „Adapto“ sowie der „Pick@Ease-Workstation zur Auftragskommissionierung“.

Der Crossorter wurde „als äußerst flexible und kosteneffiziente Sortierlösung für Unternehmen im Paket- und Postbereich konzipiert“. Er bietet hinsichtlich der Umweltleistung bis zu 80 Prozent Energieeinsparungen gegenüber herkömmlichen Sortern, eine einfache Wartung und eine verbesserte Arbeitsumgebung durch einen geringen Lärmpegel. Das System erfüllt die „Cradle-to-Cradle-Grundsätze, denn 99 Prozent der Materialien lassen sich recyceln und 90 Prozent sind umweltfreundlich.
Ein weiteres Beispiel für eine energiefreundliche Lösung ist der „Greenveyor“, ein Förderbandsystem, mit dem Energieeinsparungen bis zu 45 Prozent erzielt werden können.
Schlankes Design hilft Energie sparen
Im Ankunftsbereich des Amsterdamer Flughafens Schiphol hat Vanderlande insgesamt 14 Gepäckfördersysteme des Typs „Blueveyor“ installiert. Bereits ein Pilotprojekt hatte gezeigt, dass der Energieverbrauch des Blueveyor im Vergleich zu herkömmlichen Förderern bis zu 56 Prozent niedriger liegt.
Durch den Blueveyor werden der Energieverbrauch, der Einsatz natürlicher Ressourcen sowie die Umweltbelastung minimiert und die Wartungskosten reduziert. Der Blueveyor ist aus homogenen Materialien gefertigt, die technischen oder biologischen Kreisläufen wieder zugeführt werden können. Die Materialien können immer wiederverwertet werden. Die Wartungskosten werden verringert, da alle Komponenten einfach demontiert werden können und das schlanke Konzept weniger Ersatzteile erfordert.

„Mit unseren Gurtförderern liefern wir für den Schütt- und Stückguttransport eine wirtschaftliche und ökologisch wertvolle Lösung.“Regina Schnathmann Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Beumer Group
Der Blueveyor verbraucht weniger als die Hälfte der Energie im Vergleich zu herkömmlicher Gurtfördertechnologie. Aufgrund der minimalen Bandbiegung und der minimal erforderlichen Spannung des Bandes wird Energie eingespart. Und bedingt durch das schlanke Design müssen weniger Teile und weniger Masse beschleunigt werden.
CO2-neutrale Logistikanlage
Energieeffiziente Fördertechnik ist selten quasi als „Stand-Alone-Lösung“ installiert, sondern bildet meistens einen integralen Bestandteil bei der Realisierung nachhaltig konzipierter Logistikanlagen. So auch bei dem neuen Logistikzentrum des Modeschmuck- und Accessoire-Anbieters beeline GmbH in Köln, das SSI Schäfer vor einigen Jahren als Generalunternehmer für Bau und Intralogistik errichtet hat.
Neben der Effizienzsteigerung sollte die modular konzipierte und erweiterungsfähige Gesamtanlage CO2-neutral arbeiten und sich durch regenerative Energie versorgen. Photovoltaik und Geothermie liefern mehr Strom als für Wärme, Licht, Warmwasser und Anlagenbetrieb erforderlich ist. Bei dem eingebundenen Heizsystem beträgt die Amortisationszeit nur vier Jahre, bei der Photovoltaikanlage acht Jahre. Die Stromerzeugung ermöglicht Umsatzerlöse von mehr als 140.000 Euro pro Jahr.
Energieeffiziente Fördertechnik
Auch das intelligente Anlagenkonzept von SSI Schäfer ist auf Ressourcen-Effizienz ausgelegt. Die Basis hierfür bildet die Automation im Lager durch eine energieeffiziente Fördertechnik in Kombination mit dynamischen Systemen wie einem viergassigen AKL, das von vier energiesparenden RBG bedient wird, einem Shuttle-Lager sowie zehn Sorter-bedienten Kommissionier-Arbeitsplätzen.

„Neben grundlegenden Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz wie Leichtbauweise, energieeffizienten Antriebssystemen oder Konzepten zur Energierückspeisung setzt SSI Schäfer im Sinne von Green Logistics unter anderem verstärkt auf die Minimierung des Energiebedarfs von Regalbediengeräten“, so Rudolf Muhlfinger, Business Development bei SSI Schäfer. „Erreicht wird dies durch die Kompensation des Eigengewichtes der Hubeinrichtungen durch den Einsatz von Gegengewichten. Zudem tragen Predictive Maintenance, die Überwachung der Hauptlager an den Regalbediengeräten mittels Sensoren und automatischen Schmiereinrichtungen an der Fördertechnik zur Nachhaltigkeit bei“.
Leichtbau-RBG verbraucht weniger Energie
Die Produkte aus dem Bereich Lagertechnik bei der Gebhard Fördertechnik werden mit der Vorgabe entwickelt, gezielten Leichtbau umzusetzen. „Die Verwendung innovativer Materialien und Fügeverfahren ist selbstverständlich“, betont das Unternehmen und bietet als Beweis das Verbundwerkstoff-RBG „Cheetah Eco“: „Es wiegt weniger als die Hälfte seiner Vorgängermodelle, so dass sich die Aufnahme elektrischer Energie während des Beschleunigens mehr als halbiert“, erläutert Jörg Eder von Gebhardt Fördertechnik.
Zudem ermöglicht die von Gebhardt entwickelte Reduktion der RBG-Geschwindigkeit bei geringem Durchsatz einen geringeren Energieverbrauch. Die Steuerung reduziert im Falle eines geringen Auftragsbestandes automatisch die Geschwindigkeit des Regalbediengerätes. Da eine Reduktion auf 70 Prozent der Geschwindigkeit zu einer Halbierung der kinetischen Energie führt, „kann so sehr einfach Energie gespart werden“.
Out-Door-Fördertechnik schlägt Lkw in Sachen Nachhaltigkeit
Die Beumer Group setzt ihr umfassendes Nachhaltigkeitskonzept auch bei Projekten der externen Logistik um, so beispielsweise bei der Realisierung von umweltschonenden, kilometerlangen Gurtförderanlagen, die sich für den Transport von Schüttgütern auch über sehr weite Strecken als deutlich effizienter und umweltschonender erweisen als der Einsatz von Lkw.
Gurtförderer oder Lkw? Diese Frage stellte sich für die Asia Cement Group, einen großen Baustoffhersteller mit Hauptsitz in Taipeh, Taiwan, denn zwischen dem Steinbruch und dem neu errichteten Werk liegen rund 30 Kilometer. Der Kalkstein muss schnell zum Werk transportiert werden, in dem zwei Ofenlinien mit einer Leistung von je 4.200 Tagestonnen installiert sind, wofür die Asia Cement Group täglich 14.000 Tonnen Rohstoff benötigt. Daher entschied sich das Unternehmen für einen Muldengurtförderer von Beumer. Denn da das Gelände aus Gebirge und Bambuswäldern besteht, hätten die Lkw größtenteils über öffentliche Straßen fahren müssen: Umwege, längere Transportzeiten, höhere Kosten und deutlich höhere Emissionen wären die Folgen gewesen.
Mit den Gurtförderern können lange Distanzen, große Steigungswinkel und enge Kurvenradien bewältigt werden. Sie überwinden zerklüftetes Gelände und Hindernisse wie Flüsse, Straßen, Gebäude oder Schienen. Dabei können sich Horizontal- und Vertikalkurven in der Streckenführung auch überlagern. Abgesehen von Stützpfeilern und der Stahlkonstruktion muss kaum in die Landschaft eingegriffen werden.

Fließlager: Schwerkraft nutzen und Strom sparen
Vor allem in der Getränke- und Lebensmittelbranche und großen Produktionsunternehmen müssen hohe Volumina an palettierten Gütern schnell eingelagert, intelligent gepuffert sowie rasch für den Versand oder die Weiterbearbeitung im Betrieb bereitgestellt werden. Hier spielen moderne Fließlager ihre Vorteile nicht nur in puncto Geschwindigkeit, Kapazität, Verfügbarkeit und Arbeitssicherheit aus, sondern auch bei der Nachhaltigkeit.Fließlager nutzen das Prinzip der schiefen Ebene: Paletten oder Pakete werden in Durchlaufkanälen gelagert, die sich aus einer Reihe hintereinander angeordneter Rollenbahnmodule zusammensetzen. Da diese um vier Prozent geneigt montiert sind, bewegen sich Güter unter Ausnutzung der Schwerkraft selbsttätig vom Eingabe- zum Entnahmeort. So spart man Energiekosten.
Durch die direkte Linienführung erfolgt der Materialtransport wesentlich schneller als per Lkw. Zudem benötigen Gurtförderer bis zu 90 Prozent weniger Primärenergie als vergleichbare Lkw-Transporte.
5,5 Millionen Euro weniger Betriebskosten
Werden wie im vorliegenden Fall 7,5 Millionen Tonnen Rohstoff pro Jahr transportiert, spart der Gurtförderer jährlich 74 Millionen kwh, das entspricht dem Energieverbrauch von mehr als 20.000 Einfamilienhäusern. Und durch die Einsparung von Dieselkraftstoff reduzieren sich die Betriebskosten für das Unternehmen um mehr als 5,5 Millionen Euro pro Jahr.
Regina Schnathmann, Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Beumer Group: „Wir statten die Anlagen unter anderem mit umweltfreundlichen Elektroantrieben und Niedrigenergiegurten aus. Fördert die Gurtförderanlage talwärts, arbeitet sie im generatorischen Betrieb. Die hieraus gewonnene elektrische Energie wird über eine Rückspeiseinheit in das öffentliche Netz zurückgeleitet, was die Betriebskosten der Gesamtanlage reduziert“.
Reinhard Irrgang










