Fördertechnik & Komponenten
Digitalisierung in aller Munde
Hohe Leistung, mehr Vernetzung und ein energieeffizienter Betrieb: Die Anforderungen an Antriebe in der Intralogistik sind hoch. Besonders aktuell ist das Thema Digitalisierung mit dem Ziel, Produktionsprozesse zu vereinfachen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von materialfluss unter führenden Herstellern.

Mehr Software, Connectivity, IT, mehr Intelligenz – aktuell ist das bestimmende Thema die Digitalisierung als Grundvoraussetzung für die Smart Factory“, skizziert Joachim Hanke, Global Head Industry Sales Automotive + Intralogistics, bei der Lenze SE. Eine wesentliche Rolle spiele dabei das Smart Engineering. Damit meint Hanke die Optimierung der Engineering Tool Chain, so dass durch definierte standardisierte Schnittstellen Informationen automatisch angereichert werden, ohne dass noch jemand Hand anlegen muss. „Die Informationen sind über den gesamten Prozess von der Projektierung bis zur Inbetriebnahme und dem Betrieb nutzbar. Darauf müssen die Antriebe vorbereitet sein“, sagt Joachim Hanke.
Energieeffizienz im Fokus

Eine bedeutende Rolle spielt aus Sicht von Joachim Hanke die Energieeffizienz. „Die intelligente Steuerung der logistischen Prozesse ist dabei der größte Hebel, die richtige Dimensionierung des Antriebsstrangs ein weiterer. Dies allein würde schon 75 Prozent der möglichen Einsparungen ausmachen.“ Hanke sieht verschiedene Hebel, die Energiebilanz zu verbessern. Dazu gehören die Verwendung möglichst effizienter Komponenten, die Rückspeisung nicht genutzter Energie oder die dynamische Anpassung des Antriebs an die aktuelle Auftragslage.
Lenze baut sein anwendungsspezifisches Portfolio konsequent weiter aus. Neu auf dem Markt ist der Servo-Umrichter i950. In Kombination mit dem neuen Synchronmotor m850 und dem neuen Planetengetriebe g700 wird aus dem Umrichter eine hoch effiziente Antriebsachse. „Das Kraftpaket spielt seine Vorteile insbesondere bei Positionieraufgaben, Handling- und Montage-Applikationen, in der Robotik, bei Verpackungsmaschinen und Förderantrieben aus“, so Joachim Hanke. Es sei für Maschinenaufgaben mit mittlerer Dynamik, hoher Laufruhe und großer Präzision ausgelegt. Die Komponente sei einfach zu implementieren, biete die nötigen Freiräume bei der Anwendung und mache die Produktionsprozesse effektiver.

Das Thema Digitalisierung ist nach Einschätzung von SEW-Eurodrive in aller Munde. „Digitalisierung meint heute eine bestimmte Tiefe der Vernetzung. Während Anlagen und Maschinen bislang mit einem zentralen Leitsystem kommunizieren, geht der Trend zu einer stärkeren Vernetzung der Teilnehmer untereinander, hin zu komplexen Netzwerken auch über die Produktionshalle hinaus“, meint Heiko Füller, Leiter Marktmanagement bei SEW-Eurodrive. In diesem Kontext komme der digitalen Schnittstelle eine zentrale Bedeutung zu: Wenn alle Teilnehmer kommunizieren sollen, muss dies laut Füller über eine einheitliche Schnittstelle über alle Ebenen der Automatisierungsebene gehen. SEW gehe dabei einen eigenen Weg. „Wir setzen neben der künftigen Integration von OPC-UA auch auf die selbst entwickelte, volldigitale Motor-Umrichter-Schnittstelle Movilink DDI. Diese vernetzt die Motoren mit den Umrichtern. Darüber hinaus bietet sie neben den reinen Geberdaten ein komplettes Paket von Antriebs- und Sensorwerten sowohl in die Umrichter- und Steuerungsebene, aber auch in Cloudanwendungen“, beschreibt Füller. Damit habe der Kunde immer den vollen Informationszugriff auf seine Anwendung, unabhängig davon, auf welchem Level er sie benötigt. „Durch die intelligente Vernetzung seiner Komponenten und Anlagen bei gleichzeitigem Zugang zu allen Informationen wird es dem Kunden ermöglicht, seine Wertschöpfungskette zu optimieren.“

Auch SEW-Eurodrive misst dem Thema Energieeffizienz große Bedeutung zu – und hat entsprechende Lösungen im Portfolio. Materialflusssysteme gehören zu den typischen Applikationen, in denen Movigear seine Stärken als Antrieb für horizontale und ansteigende Fahrbewegungen ausspielt. „Im Vergleich zu Standardgetriebemotoren liefert das mechatronische Antriebssystem durch seinen permanenterregten Synchronmotor ein deutlich höheres Überlastverhalten bis zum 3,5-fachen des Nennmoments“, beschreibt Heiko Füller. Diese Kraft werde in der Fördertechnik häufig zum Starten benötigt. Sobald die Last in Bewegung ist, muss nur noch die Gleitreibung überwunden werden. Auch im Reinraumbereich leiste Movigear seinen Beitrag zur Energieeinsparung. „Aufgrund des hohen Systemwirkungsgrads der mechatronischen Einheiten mit entsprechend geringen Wärmeverlusten kommt der Antrieb mit glatten Konturen und ohne Lüfter zum Einsatz. Dadurch entstehen keine Verwirbelungen und der Antrieb lässt sich leichter reinigen“, sagt Füller. Movigear hat einen weiten Anwendungsbereich. Ein und derselbe Motor fährt in Materialfluss-Systemen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Dadurch kann das System effektiv auf schwankende Produktivitätskennzahlen reagieren.
Komplettes Antriebssystem für leichte Lasten
Mit der Produktneuheit ECDriveS bietet SEW-Eurodrive Anwendern ein komplettes Antriebssystem für die Leichtlastfördertechnik aus einer Hand. Es kommt in der staudrucklosen Förderung ebenso zum Einsatz wie bei der Positionierung von Fördergütern. „Das System basiert auf einfachen und effizienten Antrieben für Rollenbahnen zum Karton- oder Behältertransport und zeichnet sich durch ein günstiges Preis-Leistungsverhältnis aus“, schildert Heiko Füller. Die optimierte Getriebekonstruktion sorge auch bei hoher Auslastung für eine lange Lebensdauer. Der Elektronikmotor weist bei 40 Watt effektiver Dauerleistung eine Überlastfähigkeit von 250 Prozent auf. Ein weiterer Vorteil laut Heiko Füller: „Er lässt sich unkompliziert anschließen, einfach in Betrieb nehmen und leicht handhaben.“

Für Hauke Tiedemann, Geschäftsführer der Interroll Trommelmotoren GmbH ist die Digitalisierung ebenfalls ein großes Stichwort in der Antriebstechnik. „Dies betrifft die Generierung und Nutzung von Daten für eine noch höhere Anlagenverfügbarkeit. Ebenso rücken Steuerung, Motor und Elektronik künftig viel enger zusammen. Besonders die Steuerungstechnik erhält einen noch höheren Stellenwert“, skizziert er. Einen weiteren Trend sieht Tiedemann in Plattformlösungen, insbesondere wenn sie Plug-and-play, eine einfache Installation und hohe Anwenderfreundlichkeit ermöglichen.
Wichtig: Zusammenspiel mit der Steuerungstechnik

Die Energieeffizienz spielt laut dem Interroll-Geschäftsführer besonders dann eine wichtige Rolle, wenn die Life Cycle-Kosten in Betracht gezogen werden. „Energieeffiziente Antriebe gibt es sowohl im Niederspannungs- als auch im 400-Volt-Bereich, zum Beispiel Synchronmotoren. Hier wird mit weniger Material eine sehr hohe Effizienz erreicht“, sagt er. Dabei sei jedoch wichtig, dass dies im Zusammenspiel mit der Steuerungstechnik geschieht. „Diese muss erkennen, wenn keine Last transportiert werden soll und Anfahrt sowie Entschleunigung steuern können. Diese Punkte verbessern wir ständig.“
Für 2018 wartet Interroll mit einigen Neuheiten auf. „Wir haben beispielsweise unsere Steuerung MultiControl mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet. Sie wird damit noch intelligenter“, führt Hauke Tiedemann an. Die neuen Trommelmotoren-Plattform hat das Unternehmen um Laufweiten 113 und 138 Millimeter ausgebaut. Eine sehr platzsparende Lösung für Verteilzentren werde der neue Spiral Lift sein, der in diesem Sommer auf den Markt kommt. Laut Hauke Tiedemann wird es diesen auch als Variante mit Trommelmotoren geben.

Die NORD Drivesystems Gruppe sieht in dezentralen Antrieben, der Effizienz sowie der Industrie 4.0 große Themen in der Antriebstechnik. „Sie muss heute flexibel und individuell konfigurierbar sowie sich in alle modernen Automatisierungsnetzwerke problemlos integrieren lassen“, sagt Jörg Niemann, Bereichsleiter Marketing. Antriebslösungen von NORD seien vernetzbar, arbeiteten autark und seien in Leistung und Funktion skalierbar. „Wir liefern vollständig aufeinander abgestimmte Systeme, bestehend aus Getriebe, Motor und Frequenzumrichter. Alle Umrichter sind mit einer speicherprogrammierbaren Steuerung PLC ausgestattet“, beschreibt Niemann. Der Antriebs-PLC kann Daten angeschlossener Sensoren und Aktoren verarbeiten und übermittelt Antriebs- und Anwendungsdaten an den Leitstand sowie an vernetzte Komponenten. „Damit erhöht sich die Anlagenverfügbarkeit, reduzieren sich die Wartungskosten und optimiert sich der Energieverbrauch.“

Ohnehin ist das Thema Energieeffizienz laut Niermann ein Megatrend. „Antriebssysteme gehören zu den Hauptenergieverbrauchern in der Industrie. Das bietet ein enormes Einsparpotenzial“, meint Jörg Niemann. Die energiesparenden IE4-Synchronmotoren von NORD ermöglichen erhebliche Effizienzsteigerungen. Diese Technologie biete auch sehr hohe Wirkungsgrade im Teillastbereich. Auf der Hannover Messe habe NORD gezeigt, wie sich dynamisches und präzises Positionieren dezentral realisieren lassen. „Möglich wird dies dank PLC und Kommunikationsschnittstellen in den Frequenzumrichtern Nordac Link und Nordac Flex“, schildert Niemann. Im Bereich Predictive Maintenance arbeitet das Unternehmen derzeit an Pilotanwendungen, unter anderem an Zustandsüberwachung und vorausschauender Wartung mit Hilfe von virtueller Sensorik.
Klaus Hiemer

Intra meint: beeindruckend
Das ist doch mal ein Wort: 75 Prozent Einsparungen! Ist das sowas ähnliches wie ein 75 Prozent Rabatt beim Shoppen? Nein, nein, halten Sie mich bitte nicht für dämlicher als unbedingt notwendig. Ab hier wird es seriös: Das Potenzial von intelligenten Steuerungen ist immens und so haben mich die Ansätze und Produkte, die die Hersteller hier vorstellen, zuversichtlich gestimmt: Green Logistics ist möglich und mit zahlreichen Innovationen ist die Branche auf dem besten Wege, das Versprechen einzulösen, beziehungsweise die Kundenanforderungen zu erfüllen.









