Verpackungstechnik
Easypack zelebriert die hohe Kunst der Verpackung
Etwa 80 Prozent der Transportschäden – so eine Schätzung – sind auf nicht bedarfsgerechte Transportverpackung und ungenügende Transportsicherung zurückzuführen. Verpackung und Füllmaterial kosten Geld und nehmen Platz ein. Wie gelingt Unternehmen der Spagat zwischen Schutz, Kostenoptimierung, Laderaumauslastung und umweltschonender Verpackung?

Gut 2,78 Milliarden Sendungen wurden 2014 allein in Deutschland transportiert – mehr als vier Fünftel davon waren Pakete. Tendenz – auch aufgrund des boomenden E-Commerce – weiter steigend. Diese Entwicklung stellt Versender, Transportunternehmen und Verbraucher vor Herausforderungen. Denn in den Paketen werden zum Teil empfindliche oder verderbliche Waren und Produkte transportiert. Sie müssen vor Beschädigung und Schmutz geschützt werden – durch Verpackung und Füllmaterial. Das Dilemma: Beides kostet Geld und nimmt Platz ein. Platz, der im Lager, im Sprinter oder Lkw für andere Sendungen fehlt. Unternehmen stehen deshalb vor der Aufgabe, den Spagat zwischen Schutz, Kostenoptimierung, Lager- und Laderaumauslastung sowie den Erwartungen der Verbraucher an möglichst kleinen, umweltschonenden Verpackungen zu meistern.
Worauf kommt es dabei konkret an? Zunächst: Verpackungen kosten Geld und vor allem Platz. Sie müssen schnell greifbar, leicht aufzubauen und für möglichst viele Produkte verwendbar sein. Das verschlankt die Prozesse und ermöglicht dem Einkauf bessere Preise.
Oft wird zu viel Luft transportiert

Gelöst werden soll dieser Spagat häufig durch Verwendung möglichst weniger unterschiedlicher Verpackungsgrößen. Die Folge sind Pakete, in denen hauptsächlich Luft transportiert wird. Dabei werden nicht selten weniger als 20 Prozent des Paketes wirklich für die Waren genutzt. Hieraus ergeben sich wiederum neue Schwierigkeiten: Mit den Paketmaßen steigt das Porto, das in der Regel der Empfänger zu bezahlen hat. Es werden mehr Füllstoffe benötigt, die ebenfalls Kosten verursachen und im Lager Platz benötigen. Wird hier gespart, gefährdet man die Stabilität der Verpackung – und damit die Ware. Schließlich kann niemand voraussehen, ob dieses Paket als eines von vielen unten im Sprinter landet oder oben. Etwa 80 Prozent der Transportschäden, so schätzen Experten, sind auf nicht bedarfsgerechte Transportverpackungen und ungenügende Transportsicherung zurückzuführen. Allein dem deutschen Handel entstehen so laut Angaben des Verbandes deutscher Wellpappe jährlich Schäden von über 300 Millionen Euro. 62,5 Prozent der Schäden, die in Zentral- und Kommissionierungslager auftreten, sind dabei nach Angaben des Verbandes auf Instabilität zurückzuführen.
Loses Füllmaterial ist kostspielig und ärgert den Empfänger
Größe und Stärke der Verpackung sind zwei der drei wichtigen Faktoren für die Stabilität. Faktor Nummer drei ist das Fixieren der Ware in dem Paket. Dies kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen – sollte aber auch unter ökologischen und finanziellen Aspekten geplant werden. Denn je kleiner die Ware im großen Karton, umso mehr Füllmaterial muss verwendet werden. Holzwolle, Maischips und ähnliche müssen den gesamten Hohlraum ausfüllen, um Schutz zu bieten. Dies ist kostspielig, wirkt sich auf das Gewicht des Paketes aus und führt bei dem Verbraucher häufig zu Unmut, denn er muss schließlich das lose Füllmaterial entsorgen bzw. wieder in den Wertstoffkreislauf zurückführen. Anders ist es bei der Verwendung stabiler Papierpolster, mit denen dank verschiedener Verpackungstechniken sogar bei schweren Produkten auf eine vollständige Hohlraumfüllung verzichtet werden kann. Dies ist nicht nur kostengünstig, die Polster können vom Empfänger bei Bedarf sogar wiederverwendet werden.
Nicht zu vernachlässigen ist zudem der finanzielle Aufwand für die Verpackung. Häufig wird hier nach günstigen Angeboten entschieden – unabhängig von der Überlegung, welche Verpackungsgrößen sinnvoll wären. Dabei sind die verpackungsabhängigen Logistikkosten höher als die Kosten für die Verpackung selbst: 70 bis 75 Prozent der Verpackungskosten fallen auf Faktoren wie Transporte, Rückführung, Handling, Beschädigungen, Lagerplatzbedarf, Verluste und anderes. Die Verpackung selbst fällt nur mit 25 bis 30 Prozent ins Gewicht. Hier zu sparen, ist also nicht nur der falsche Ansatz – es führt zudem zu erhöhten indirekten Verpackungskosten.
Empfehlenswert: vier oder sechs Standardverpackungen

Was also ist zu beachten? Zunächst: Standardisierte Verpackungen sind vorteilhaft, wenn sie auf die Waren, die Prozesse im Lager und auf den Transport zugeschnitten sind. Je nach Sortiment reichen ein oder zwei Standardverpackungen nicht aus, sondern vielleicht vier oder sechs. Um dies herauszufinden, ist ein strategisches Vorgehen gefragt. Zunächst einmal muss die Ware analysiert werden: Welche Maße hat sie und wie schwer ist sie? Wie empfindlich ist sie? Stellt sie besondere Ansprüche an die Verpackung? Hat sie scharfe Ecken und Kanten, mit denen die Verpackung beschädigt werden könnte? Fragen, die vor allem dann komplex werden, wenn mehrere Produkte gemeinsam auf den Weg gebracht werden sollen, wie es im Online-Handel üblich ist.
Anschließend wird der gesamte Prozess von der Verpackung über den Transport bis zur Auslieferung betrachtet. Denn jedes Mal, wenn das Paket angefasst, umgeladen oder in ein Fahrzeug geladen wird, besteht die Gefahr der Beschädigung. Hinzu kommen die Belastungen während der Fahrt wie Kurven, Bremsen und unebene Wege bzw. Straßen. Was passiert, wenn der Karton auf den Boden stürzt? Oder so fällt, dass er auf einer Ecke landet? Wenn er aufgrund der Tourenplanung unten im Sprinter seinen Platz findet – und über ihm schwere Bücher oder Kopierpapier gestapelt wird?
Bei diesen Fragen geht es auch um Füllstoffe. Sie verhindern, dass die Produkte im Karton hin und her geschleudert werden und dadurch Schaden nehmen oder die Verpackung von innen zerstören.
Mit wenig Materialaufwand die Ware fixieren
Gefragt ist also eine Verpackung, die stabil genug ist, genügend Platz bietet und in der zudem mit wenig Materialaufwand die Ware gut fixiert werden kann. Ein Hersteller von Zubehör für Foto und Video hat diese Herausforderung durch sechs verschiedene Kartongrößen gelöst. Der Verpackungsprozess wurde dabei weitestgehend optimiert, so dass die selbsttätige Etikettierung und die Zuweisung des Versandkartons auf die Packplätze automatisch erfolgen. Die passenden Kartons werden dazu von vier Kartonaufstellern bereitgestellt. Sind die Waren verpackt, werden die Kartons mit Hilfe eines Roboters auf Paletten gesetzt und automatisch foliert. Nur bei sehr heterogenen Ladungen erfolgt die Palettierung per Hand.
Baret Davidian
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Easypack Maschinen GmbH 59494 Soest Tel.: 0 29 21 / 5 90 34-0 E-Mail:










