KI, Automatisierung und Wasserstoff

Annina Schopen/dpa,

Trotz Krisen: Hannover Messe 2025 setzt auf Fortschritt

Trotz globaler Krisen setzt die Hannover Messe 2025 auf Innovation: KI, Automatisierung und Wasserstoff treiben die industrielle Transformation voran. Partnerland Kanada präsentiert gemeinsam mit über 4.000 Ausstellern wegweisende Technologien für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Zukunft.

Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe, spricht bei der Auftakt-Pressekonferenz der Hannover Messe 2025. © Julian Stratenschulte/dpa

Wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Spannungen, Klimawandel – die Herausforderungen für die Industrie sind groß. Die Aufgabe für die Zukunft lautet, effizienter, ressourcenschonender und wettbewerbsfähiger zu produzieren. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und internationale Partnerschaften spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Lösungen wie Automatisierung, künstliche Intelligenz und internationale Kooperationen rücken damit in den Fokus. Hier setzt die Hannover Messe an: Sie präsentiert Innovationen und technologische Lösungen, die Unternehmen dabei unterstützen, diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Auf der Messe zeigen rund 4000 Unternehmen aus Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie Energiewirtschaft Lösungen für die Produktion und Energieversorgung der Zukunft. Von der Anwendung von KI zur Optimierung von Fertigungsabläufen über die Automatisierung komplexer Produktionsprozesse bis hin zum Einsatz von Wasserstoff zum Betrieb ganzer Produktionsanlagen.

Künstliche Intelligenz kommt in Industrie an

Leitthema der diesjährigen Auflage ist die industrielle Transformation. Großen Raum nimmt erneut die Künstliche Intelligenz ein. „Das ist keine Zukunftsvision mehr, sondern das kommt in die konkreten Anwendungen“, sagte Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe zur Auftakt-Pressekonferenz im Vorfeld der Hannover Messe.

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Die seien nun auf der Messe zu sehen. Siemens präsentiert den Industrial Copilot, einen KI-Assistenten, der Fachkräfte in der Industrie unterstützt – etwa beim Schreiben von Steuerungs-Codes oder der Fehlerdiagnose an Maschinen. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) stellt ein Robotersystem vor, das Elektrobatterien automatisiert zerlegt, recycelt und wieder zusammenfügt. Das deutsche KI-Startup Aleph Alpha demonstriert, wie generative KI Geschäftsprozesse um bis zu 30 % effizienter machen kann. Angesichts der aktuellen Herausforderungen, vor denen die Wirtschaft stehe, seien solche Lösungen wichtiger denn je, sagte der Messechef.

Ein weiterer Schwerpunkt der Messe liegt auf Automatisierung und Robotik. Im Application Park erleben Besucher live, wie moderne Robotiklösungen Produktionsprozesse optimieren – etwa durch effizienteres Laserschweißen oder die verbesserte Herstellung von Batteriezellen. Eine Projektgruppe aus führenden Industrieunternehmen zeigt, wie die Produktion und das Recycling von Batterien für Elektrofahrzeuge skaliert werden können.

Auch die Wasserstofftechnologie steht im Fokus: Bosch präsentiert einen hocheffizienten PEM-Elektrolyse-Stack zur Produktion von grünem Wasserstoff, während Maximator Hochdrucktechnologien für die Speicherung und Betankung von Wasserstoff vorstellt. Diese Innovationen sind entscheidend für die Energie- und Mobilitätswende.

Geopolitischer Rahmen erfordert entschlossenes Handeln

Christina Bilyk, Acting Senior Director, Investment / Canada, Innovation, Science and Economic Development Canada (ISED) and Jayson Myers, CEO, Next Generation Manufacturing Canada (NGen). © Deutsche Messe

„Wettbewerbsfähigkeit hängt auch von einer klaren wirtschaftspolitischen Strategie ab“, betont Köckler. „In den vergangenen Monaten war oft von geopolitischen Unsicherheiten die Rede. Doch seit dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten hat sich diese Unsicherheit in eine schonungslose Klarheit gewandelt. Die USA verfolgen konsequent ihre ‚America First‘-Politik, während China seine Industrie massiv und gezielt unterstützt.“

Für Europa und Partner wie Kanada, das diesjährige Partnerland der Messe, sei es an der Zeit, enger zusammenzurücken und eine gemeinsame geo- und wirtschaftspolitische Strategie entschlossen voranzutreiben. „Jetzt ist die perfekte Zeit für uns als Partnerland“, sagte Christina Bilyk, die den Auftritt der Kanadier organisiert. „Und ich denke, dass wir die wirtschaftlichen Beziehungen intensivieren können.“

260 Aussteller kommen allein aus Kanada nach Hannover. „Das ist eine fantastische Zahl“, sagte Messechef Köckler. Und es sei ein klares Statement. „Nicht nur Europa rückt enger zusammen, sondern Europa auch mit Kanada. Das gibt allen sicherlich Zuversicht.“

Nach den ersten Ankündigungen von Zöllen durch Trump vor zwei Monaten habe es noch einmal einen deutlichen Schub gegeben, berichtet Jayson Myers von der Initiative Next Generation Manufacturing Canada. 80 neue Anmeldungen seien allein in den Wochen seit Trumps Amtsantritt eingegangen. Nach den Problemen mit dem bisher größten Handelspartner USA seien kanadische Firmen nun daran interessiert, neue Kunden, neue Zulieferer, neue Partner und neue Investoren zu finden - vor allem in Europa.

Fast jeder vierte Aussteller kommt aus China

Zu der weltgrößten Industrieschau werden vom 31. März bis 4. April erneut rund 4.000 Aussteller aus mehr als 60 Ländern erwartet. Allein aus China haben sich mehr als 900 Firmen angemeldet. Und auch aus den USA hätten sich wieder fast 100 Firmen angekündigt. „Wir merken auch da bei allen politischen Turbulenzen keine Abkehr von Hannover und Europa“, sagte Köckler.

Trotz der weltweiten Unsicherheiten rechnet der Messechef mit einer deutlich besseren Stimmung auf der Messe als noch vor einem Jahr. Dazu beitragen dürften auch die Pläne der kommenden Bundesregierung für milliardenschwere Investitionen in die Infrastruktur. „All das, was an Infrastruktur Technologien braucht, das tut auch den Ausstellern der Hannover Messe gut. Das werden wir auf der Messe deutlich spüren“, sagte er.

Feierlich eröffnet wird die Messe am Sonntagabend vom geschäftsführenden Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), erstmals mit einem Sprecher aus der Industrie. Siemens-CEO Roland Busch hält die Eröffnungs-Keynote, gefolgt von Bundeskanzler Olaf Scholz und Vertretern des Partnerlands Kanada, die die Messe offiziell eröffnen. Ab Montag steht sie dann wie immer auch für Fachbesucher:innen offen. Unklar ist, ob auch Kanadas neuer Regierungschef Mark Carney zur Eröffnung kommen wird. Er hatte erst Mitte März das Amt von Justin Trudeau übernommen und kurz darauf Neuwahlen für Ende April angesetzt.

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