Block­chain-Technologie

2 Blickwinkel : Blockchain – Und jetzt ist alles plötzlich ganz anders?

"2 Blickwinkel“ ist eine neue Rubrik: Hier werden übergreifende Themen, die die Industrie und die Logistik beschäftigen, kommentiert. Diesmal mit: Andrea Gillhuber, Chef­redakteurin des Industrie­magazins SCOPE.

Martin Schrüfer (Chefredakteur LT-manager) und Andrea Gillhuber (Chefredakteurin SCOPE) kommentieren das Thema Blockchain. © WBM

Wie sehr revolutionär die Block­chain-Technologie ist, lassen zahlreiche Einschätzungen von Experten schon erahnen. So wird die Bedeutung von Blockchain schon mit dem Internet und dessen Einführung verglichen. Allerdings sind wir gerade noch ­in der Phase, die möglichen ­Anwendungsfelder zu ent­decken. Und in der Tat gibt es einige interessante ­Aspekte, welche die Technologie sehr in­teressant für die Industrie machen.
Durch die Dezentralität der Technologie lassen sich Daten in der Blockchain nicht unbemerkt verändern. Eine Manipulation ist so gut wie ausgeschlossen. Das kommt vor allem Branchen zugute, die einer Dokumentationspflicht unterliegen: Produkte und ihr Fertigungs­prozess können über den gesamten Lebenszyklus eindeutig nachverfolgt werden. Das gilt nicht nur für die einzelnen Produktionsschritte, sondern umfasst auch Herkunftsnachweise beispielsweise von Konflikt­materialien wie Wolfram oder Tantal. Rohstoffe und Produkte sind ­also eindeutig und nachvollziehbar rück­verfolgbar.
Über Smart Contracts können im Industrial Internet of Things beziehungsweise in der Industrie 4.0 Vereinbarungen getroffen und deren Einhaltung in beide Richtungen gewährleistet werden. In der vernetzten Produktion könnten autonom arbeitende Maschinen ihren Werkstoff- und Werkstückbedarf automatisch verwalten, Standardbestellungen aufgeben und gleich abrechnen. Das Gleiche gilt für Serviceleistungen: Eine Maschine erkennt ihren Wartungsbedarf, bestellt den Techniker und rechnet die erbrachte Leistung via elektronischem Geldbeutel ab.
Sie sehen, die Anwendungsfelder und Vorteile sind vielfältig. Doch eine Schwachstelle hat die Blockchain: der Zugang! Zwar sind die Daten, Verträge und Transaktionen innerhalb der Blockchain vor Manipulationen geschützt, doch finden einmal fehlerhafte Daten den Weg in die Blockchain, sind diese tatsächlich nicht mehr zu korrigieren. Zertifizierungs- und Prüfstellen sind daher von entscheidender Bedeutung!
Andrea Gillhuber, Chefredakteurin SCOPE

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Das Thema Blockchain wird über kurz oder lang auch die Welt der Logistik bestimmen, sie aber zunächst nicht grundlegend verändern. Es geht um mehr als um die lückenlose Kette einer Trans­aktion. Bis die Blockchain die sogenannten Intermediäre überflüssig macht, wird noch viel Zeit vergehen.
Das wäre das Ziel: Ware, die sich selbständig von A nach B aufmacht, sicher bezahlt und nachvollziehbar transportiert wird – ganz ohne Amazon, Spedition Müller und Paketdienst Meier und Co. Aber hier abzuwinken und Blockchain-Ideen nicht auszuprobieren, wäre kurzsichtig.
Oberste Prämisse in der Logistik ist neben der Frage nach der Sicherheit vor Hacker-Angriffen die Schaffung von Standards. Logistik ist weltweit und spielt sich in einem größeren Rahmen ab. Zwischen Ländern und zwischen Verkehrsträgern existieren Gräben. Sprich: Inkompatibilitäten, die bereits vor der Blockchain bestanden und nur schwer gelöst werden können. Wer einmal bei der Abfertigung eines Güterzugs dabei war oder erlebt hat, dass ein Frachtflugzeug nicht abheben kann, weil die Mappe mit den Frachtpapieren (Papieren!) noch gesucht wird, weiß, wie sehr sich Idee und Realität unterscheiden.
Bis es also soweit ist mit Blockchain everywhere, sei allen Beteiligten ­— gerade in der Politik — geraten, auch ganz profane Dinge nicht aus dem Auge zu verlieren, denn wenn der Lkw mit dem gewünschten Paket im Stau vor einer abgewrackten Brücke steht oder der Kurier
Martin Schrüfer, Chefredakteur LT-manager

"2 Blickwinkel“ ist eine neue Rubrik: Hier werden übergreifende Themen, die die Industrie und die Logistik beschäftigen, kommentiert. Diesmal mit: Andrea Gillhuber, Chef­redakteurin des Industrie­magazins SCOPE.

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