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Statement

Gefragt: Logistik für Lebensmittel X.0

Die aktuelle Diskussion über den Wandel und die Weiterentwicklung der Logistik im Lebensmittelbereich, genauer gesagt im Bereich frischer Lebensmittel, ist wahrlich nicht neu, erfährt aber nicht zuletzt mit dem Markteinstieg von Amazon umfänglich neuen Dampf. Es liegt ja irgendwie nahe, dass die Erfolgsgeschichte E-Commerce auch vor diesem Bereich nicht haltmachen wird. Und dennoch, es gelten hier ein paar besondere Randbedingungen.

Prof. Dr.-Ing. habil. Thorsten Schmidt, Leiter des Instituts für Technische Logistik und Arbeitssysteme an der TU Dresden © Privat

Da steht zunächst der klassische Kunde im Supermarkt, der – abgesehen von einzelnen Servicebereichen – dem Handelsunternehmen bei seinem Filialeinkauf freundlicherweise seine Kommissionierleistung entlang der Regale kostenfrei zur Verfügung stellt. Und dieser Umstand ermöglichte auch eine materialflusstechnische Ausrichtung der gesamten Nachschubprozesse auf Ebene der Sammelpackung „Kollo“. Diese Nachschublogistik wurde in Dekaden konsequent verfeinert und optimiert, sowohl im Bereich der manuellen Lösungen als auch der inzwischen erfolgreich etablierten automatischen Kolli-Kommissioniersysteme der Systemintegratoren wie Witron, SSI Schäfer und Vanderlande. Und wie erfolgreich diese Logistikwelt in der Praxis beherrscht wird, belegt eindrucksvoll der gescheiterte Versuch Walmarts, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.

Das begründet andererseits ebenso wenig einen Anlass, sich weiterhin auf die Pflege des Status Quo zu konzentrieren, denn nicht zuletzt ist die Erwartungshaltung der Kunden einem Wandel unterlegen, gut 15 Jahre Einkaufen „im Internet“ waren zweifelsohne prägend. Und auch wenn es müßig ist darüber zu philosophieren, welcher Anteil der Kunden tatsächlich zum Online-Einkauf von Lebensmitteln (und potentiellen Mehrkosten) bereit ist, geben die sehr konkreten Bemühungen der KEP-Dienstleister wie Garantie von Zustellfenstern („ETA-Fähigkeit“) oder eben auch aktuelle Amazon-Konzepte wie „Amazon Key“ und „Amazon Flex“ ausreichend Anlass, sich intensiv mit den Auswirkungen dieses Wandels für die Intralogistik zu befassen.

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Eines liegt dabei auf der Hand: Die perfekt auf die heutige Filialbelieferung ausgerichtete „Kolli-Logistik“ wird nicht die Antwort sein. Um es plakativ abzukürzen: Hier fehlt schlicht die Stufe „Entnahme aus dem Kollo“, sprich die Vereinzelung aus dem Gebinde heraus. Die bereits vereinzelt erprobte Kundenauftragszusammenstellung im Supermarkt, also die parallele Durchführung der Kommissionierung neben den klassischen Kunden in der Verkaufsfiliale, scheidet wohl ebenso aus, bereits alleinig bedingt durch einen zusätzlichen Transport zwischen Distributionszentrum und Filiale.

Damit steht die zentrale Frage im Raum, wie die ideale Gestaltung dieser Distributionslogistik erfolgen soll. Im Bereich der Kommissionierung wird das gesamte Portfolio an etablierten und voraussichtlich kommenden (Kommissionier-Roboter?) Lösungen zu hinterfragen sein. Eine reine Neuplanung mit Anleihen bei bekannten Lösungen aus Versandlogistik, Pharma-Großhandel oder ähnlichen wird aber vermutlich nicht alleinig zielführend sein, denn die aufkeimenden Alternativen der Auslieferung (wie bereits oben angeführt, siehe beispielsweise Amazon Flex) sowie ein potentielles Revival von Pick-Up-Stationen definieren andere Randbedingungen hinsichtlich Auftragsdurchlaufzeit, Auftragsgröße und -varianz und so weiter. Es werden gänzlich neue Lösungen entstehen, die Auslieferung beziehungsweise Warenübergabe in ein Gesamtkonzept integrieren. Damit ist eines garantiert: Es bleibt spannend in der Intralogistik!

Prof. Dr.-Ing. habil. Thorsten Schmidt
Leiter des Instituts für Technische Logistik und Arbeitssysteme an der TU Dresden

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