Lager- und Regalsysteme
Regaltechnik – das sind die Trends
Die meistgenannten Trends in der Intralogistik sind zurzeit mitunter künstliche Intelligenz, Roboter und Automatisierung. Doch jede effiziente Lagerlösung basiert weiterhin auf der passenden Regaltechnik. Giovanni Cataldi vom Schwerlast-Lagertechnik-Spezialisten Ohra kennt die wichtigsten aktuellen Entwicklungen im Bereich moderner Regalsysteme.
Das Marktumfeld für Intralogistiklösungen ist im Moment von einer Vielzahl an Herausforderungen geprägt. Dennoch, oder gerade deshalb, ist die Perspektive für vielseitige und robuste Regalsysteme in Industrie, Handel und Handwerk positiv. Denn Unternehmen erkennen zunehmend die Bedeutung der Optimierung von Lagerflächen für die Steigerung ihrer Produktivität, die Rationalisierung der Abläufe und einem besseren Service für den Kunden.
Automatisierung benötigt skalierbare Regalsysteme
Dabei werden die Trends in der Intralogistik zurzeit von Themen wie dem verstärkten Einsatz autonomer Systeme, KI-gestützte Robotik und IoT-Integration dominiert. Die wachsende Komplexität in dynamischen Umgebungen adressieren kollaborative Roboter (Cobots), AGVs/AMRs und Echtzeit-Lokalisierung via SLAM (Simultaneous Localization and Mapping) und Sensorfusion. Die zunehmende Automatisierung im Lager erfordert entsprechend dynamische und skalierbare Regalsysteme. Intelligente Regale mit IoT-Sensoren und Gewichtserkennung ermöglichen eine Echtzeit-Inventur sowie vorausschauende Nachbestellungen. Zudem transformieren Systeme wie Shuttle-Technologien statische Regale in flexible, hochdichte Speicher, die sich an variable Nachfragen anpassen.
Regale wachsen in die Höhe
Das Ziel, die zur Verfügung stehende Fläche im Lager besser auszunutzen, hat ganz konkrete Auswirkungen auf den Regalbau: Regale gleich welchen Typs sind in den letzten Jahren höher geworden. Dieser Trend erfolgt im Zusammenspiel mit der Entwicklung bei den Flurförderzeugen, die nicht nur immer größere Höhen erreichen, sondern dank neuer Technologien wie Fahrhilfen, verbesserten Stabilitätssystemen oder Kamerasystemen auf den Lastaufnahmen in diesen Höhen auch noch sicher ein- und auslagern können.
Gleichzeitig nutzen Unternehmen zunehmend die volle Bandbreite der zur Verfügung stehenden Regalsysteme: Sie rüsten die Regale mit Führungsschienen für Schmalgangstapler aus und können so die Flächennutzung deutlich verbessern. Während ein herkömmliches, mit einem Frontgabelstapler bedientes Palettenregallager einen Flächennutzungsgrad von 40 Prozent erreicht, ermöglichen Schmalganglager einen Flächennutzungsgrad von rund 55 Prozent. Auch der Einsatz von Verfahrregalen ist zunehmend zu beobachten – gerade wenn die Fläche besonders knapp ist und die Anforderungen an die Umschlagshäufigkeit eher niedrig, können sie mit einem Flächennutzungsgrad von bis 75 Prozent punkten.
Flexibilität mit Gitterböden auf Kragarmen
Ein weiterer Trend ist der Bedarf an flexibleren Systemen, die heterogene Warenbestände effizient bewältigen können. Hier rücken Kragarmregale mit aufliegenden Gitterböden in den Mittelpunkt. Ursprünglich für Langgut konzipiert, werden sie durch durchgehende Gitterböden zu universellen Regalsystemen, auf denen sich unterschiedliche Ladehilfsmittel und Einzelgüter lagern lassen. Die Gitterböden spannen sich über die gesamte Länge der Regalzeile und eliminieren feste Fachbreiten oder störende Ständer im Zugriff. Gerade in Branchen mit stark variierenden Abmessungen – wie dem Baustoffhandel – entsteht so eine "Endloslagerung": Auf einer Ebene lassen sich beispielsweise Badewannen und Waschbecken dicht nebeneinander platzieren, ohne ungenutzte Restflächen. Dies erleichtert auch spätere Sortimentsanpassungen, da das System keine starren Raster vorgibt.
Professionalisierung der Lagerorganisation
Viele Unternehmen, bei denen die Intralogistik lange nicht im Fokus stand, professionalisieren derzeit ihre Lagerprozesse. Statt einer Komplettautomatisierung – die sich vor allem für sehr große Standorte mit hohen Volumina rechnet – setzen sie zunächst auf Teilautomatisierung und Systemunterstützung. Dazu gehören unter anderem Staplerleitsysteme, die das Fahrpersonal effizient durch das Lager führen, Leerfahrten reduzieren und Fahrwege verkürzen. Warehouse-Management-Systeme (WMS) sorgen darüber hinaus für Transparenz in Beständen und Lagerplätzen und ermöglichen eine Kennzahlen-basierte Optimierung. Die Digitalisierung der Lagerprozesse erfordert eine entsprechende Ausrüstung der Regale: etwa Halterungen für Schilder oder Barcode-Etiketten, um Lagerplätze eindeutig zu kennzeichnen und in übergeordnete IT-Systeme zu integrieren.
Regale ersetzen Bodenlager
Die Ablösung unstrukturierter Bodenlager durch Regalsysteme ist in vielen Branchen zu beobachten. Dies führt zu mehr Effizienz in den Lagerprozessen, einer besseren Übersicht über die Lagerware und einen schnellen und direkten Zugriff auf einzelne Artikel. Dabei kommen die unterschiedlichsten Regalsysteme zum Einsatz. Im Baustoffhandel liegen zurzeit besonders Durchlaufregale im Trend: Sie erlauben eine ähnlich hohe Raumnutzung wie das klassische Bodenblocklager, ermöglichen aber einen deutlich besseren Zugriff auf die Lagerware und die Umsetzung einer FIFO-Strategie. Auch Handwerksbetriebe setzen zunehmend auf professionelle Regalsysteme: Gründe dafür sind neben effizienteren Prozessen auch die höhere Arbeitssicherheit und die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben. Aber auch das Image beim Kunden rückt dabei in den Fokus: Schon eine einzelne, sauber organisierte Regalzeile schafft im Gegensatz zu einer chaotischen Bodenlagerung mehr Vertrauen und signalisiert Struktur und Zuverlässigkeit. Zu beobachten ist zudem, dass neu gegründete Unternehmen und Start-ups heute direkt in professionelle Regalsysteme investieren. Sie legen dabei besonderen Wert auf anpassbare Systeme, die sich mühelos erweitern lassen und damit mit dem Geschäft wachsen können.
Nachhaltige Lösungen gefragt
Bei allen Investitionen in Regalsysteme ist ein Trend zu nachhaltigen Regallösungen zu erkennen. Dabei beschränkt sich Nachhaltigkeit allerdings nicht nur auf möglichst geringe Kohlenstoffdioxid-Emissionen bei der Fertigung, sondern vor allem auf Aspekte der Langlebigkeit. Dazu gehört eine möglichst langjährige Garantie gegen Durchrostung, Unempfindlichkeit der Konstruktion gegenüber Remplern und Beschädigungen sowie eine langfristige Versorgung mit Ersatzteilen, um Systeme über viele Jahre sinnvoll erweitern oder instandhalten zu können.
Über alle Entwicklungen hinweg lassen sich drei Leitmotive in der Lagertechnik erkennen: Effizienz, Sicherheit und Flexibilität. Unternehmen erwarten von moderner Regaltechnik, dass sie vorhandene Flächen bestmöglich nutzt, hohe Umschlagsleistungen unterstützt und gleichzeitig Sicherheit für Mitarbeiter und Ware gewährleistet. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, auf veränderte Sortimente, Mengen und Serviceanforderungen reagieren zu können, ohne das Lager von Grund auf neu planen zu müssen.










