Lager- & Kommissioniertechnik
Wenn der Werkstoff entscheidet
Kunststoff oder doch lieber Holz? Welche Palette hat die besseren Gebrauchseigenschaften? Dieser Frage stellten sich Josef Behrens und Martin Leibrandt.

Die EPAL, European Pallet Association, und ihr deutsches Nationalkomitee, die Gütegemeinschaft Paletten e.V., setzen laut Martin Leibrandt, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Paletten, bis heute überwiegend auf Ladungsträger aus Holz. Holz ist Grundlage für die Produktion der EUR1-Flachpalette 800 x 1.200 mm (Europalette) sowie der EUR2/EUR3/EUR6-Flachpaletten. Aufgrund der enormen Verbreitung der Europalette spricht man vom Europalettenpool. Etwa 500 Mio. im Umlauf befindliche Europaletten sichern eine nahezu flächendeckende Verfügbarkeit und Tauschmöglichkeit. Der Fokus soll auch zukünftig auf Ladungsträgern aus Holz liegen und die Europalette soll weiterhin als Standardladungsträger für die europäische Supply Chain positioniert werden.
Unter den Aspekten Nachhaltigkeit und ökologische Verträglichkeit beinhaltet diese Grundausrichtung zahlreiche Pluspunkte für die Europalette aus Holz. In Deutschland findet eine nachhaltige Forstwirtschaft statt. Es wird weniger Holz entnommen, als nachwächst. Der jährliche Holzzuwachs in Deutschland beträgt 80 Mio. m3, davon werden jährlich nur ca. 62 Mio. m3 entnommen. Die Holzvorräte in Deutschland sind mittlerweile mit rund 3,4 Mrd. m3 die höchsten in Europa (Russland ausgenommen).
Der wichtigste Lieferant für das Holz der EPAL/EUR-Paletten ist der jeweils heimische Markt. Damit gehören die Ladungsträger zu den wenigen Produkten, die überwiegend noch mit nationalen Ressourcen im Raum ihrer späteren Verwendung hergestellt werden. Durch die daraus resultierenden massiven Verkürzungen der Rohstoff-Transportwege wird die CO2-Bilanz deutlich positiv beeinflusst. Immer mehr der von der EPAL lizensierten Produktionsbetriebe sind PEFC-zertifiziert. Die mit ihrer Produktion einhergehende nachhaltige Waldbewirtschaftung verbessert die CO2-Bilanz der Holzpalette zusätzlich.
Die Vorteile des Werkstoffes Holz für Mensch und Umwelt werden durch die wissenschaftlich gestützten Untersuchungen der Camco Group in Kooperation mit timcon und Skogs Industrierna besonders deutlich: So reduziert das Holz einer einzigen Europalette den CO2-Haushalt unserer Atmosphäre um fast 30 kg. Dieser Wert resultiert daraus, dass ein Baum in seinem Leben stets CO2 aufnimmt und in andere Stoffe, z.B. Sauerstoff umwandelt (siehe Grafik).
Selbst schnell nachwachsendes Holz erfüllt alle Qualitätsansprüche, die zur Verwendung bei der Herstellung der EUR/EPAL-Palette und zur Einhaltung der damit verbundenen UIC-Norm 435-2 notwendig sind (z.B. Tragfähigkeit 1.500 kg). Es wird weder Spezialholz benötigt, noch ist bei der Produktion ein großer Energieeinsatz erforderlich.
Holz-Paletten müssen nicht in „Waschanlagen“ gesäubert werden, sondern sind natürlich selbstreinigend.
EPAL-Holzpaletten werden nicht chemisch behandelt. Allein durch die spezielle Wärmebehandlung aller neuen Ladungsträger werden der IPPC-Standard erfüllt und die Einhaltung der erforderlichen Bedingungen für die Hygiene (bspw. bei Lebensmitteltransporten) garantiert. Beim Export auf IPPC-zertifizierten EPAL-Paletten ist die Übertragung von Schädlingen in andere Ökosysteme ausgeschlossen.
Das EPAL-System steht für kurze Wege. Etwa 1.500 Lizenznehmer (500 Hersteller und 1.000 Reparateure) in 35 Ländern sichern die flächendeckende Verfügbarkeit der Europaletten aus Holz. Durch den europaweit möglichen Tausch werden Palettentransporte stark vermindert und damit CO2-Emissionen vermieden.
Im Zuge der steigenden Prozessrationalisierung und -optimierung stellen Industrie und Handel neue Anforderungen an einen zukunftsfähigen Ladungsträger. Nach Ansicht von Josef Behrens, Leiter Vertrieb Kunststoff Inland der Paul Craemer GmbH, weist dabei die qualitativ hochwertige Kunststoffpalette entscheidende Vorteile auf und kann ein echter Wettbewerbsvorteil sein:
Im Spritzgießverfahren gefertigte Kunststoffpaletten sind qualitativ hochwertige Produkte von hoher Tragfähigkeit, Formbeständigkeit, gleichbleibender Qualität und Langlebigkeit. Selbst bei starken Beanspruchungen in feuchter Umgebung, Stößen und großen Gewichten ist auf sie dauerhaft Verlass. Zum Beispiel ist die Euro H1 von Craemer mit dem roten EHI-Zeichen nachweislich (Untersuchung durch Fraunhofer 2007) auch nach mehr als 10-jährigem Praxisalltag ohne Schäden immer noch voll einsatzfähig. Das spricht für die Wirtschaftlichkeit und den großen Kosten-Nutzen-Vorteil, den Kunststoffpaletten mitbringen. Es ist eben ein erheblicher Kostenunterschied, ob ein Ladungsträger 3 Umläufe oder 30 Umläufe störungsfrei abbildet. Dass die Kunststoffpalette durch ihre hohe
Leistungsfähigkeit überzeugt, belegt aktuell eine weitere Fraunhofer-Studie: So erzielte die ECOmax von Craemer bei den dynamischen Belastungen sowie bei der Ermittlung der Kufenfestigkeit im Rahmen einer Biegeprüfung und beim Prüftest zur Festigkeit der Eckklötze bessere Belastungswerte als die „Düsseldorfer“ Holzpalette. Als umweltfreundliche Einstofflösung konzipiert, weist die ECOmax eine höhere Langlebigkeit als die „Düsseldorfer“ Holzpalette und trägt damit zur CO2-Vermeidung bei. Rund 25 % leichter als die klassische Holzpalette, senkt sie zudem die Transportkosten.
Eine hochwertige Kunststoffpalette ist wartungs- und reparaturfrei und hat immer ein konstantes Gewicht. Die Holzpalette hingegen nimmt Feuchtigkeit auf und verliert insgesamt an Qualität. Mit der TC-Palette hat Craemer beispielsweise die erste rundum geschlossene Kunststoffpalette entwickelt, die vor Feuchtigkeit und Verschmutzung schützt, und damit den höchsten Hygiene-Anforderungen entspricht. Kunststoffpaletten lassen sich zudem in modernen Palettenwaschanlagen reinigen und eignen sich besser für „sensible“ Produkte, die besonders geschützt werden müssen. So setzen nicht nur Nahrungsmittelhersteller, sondern z.B. auch Reifenhersteller, Folienhersteller und auch die Pharmaindustrie genau aus diesem Grund auf den Kunststoffladungsträger.
Die gleichbleibende Qualität gewährleistet eine hohe Prozesssicherheit und senkt somit den Kostenfaktor.

Kunststoffpaletten bieten Kunden eine große Vielfalt an individuellen Lösungen. Für die verschiedenen Anforderungen gibt es Leichtlastpaletten, Schwerlastpaletten, Regeneratpaletten, leitfähige Paletten, etc. Für die hochwertige Kunststoffpalette werden ausschließlich sortenreine Materialien wie HDPE, HDPE Regenerat, PP, PP Regenerat oder PPTV verarbeitet. Neben einem Standardsortiment an hochwertigen Mehrweg-Kunststoffpaletten im Europaletten-, Industrie- und Halbpalettenformat sind Craemer-Kunststoffpaletten auch in jeglichen Sonderabmessungen möglich: So hat Craemer ein neues Stumpfschweißverfahren entwickelt, bei dem zum Beispiel komplette Paletten miteinander verschweißt werden können und so einen maximalen Ladungskörper von 3.000x3.000 mm ergeben.
Gütegemeinschaft Paletten, http://www.gpal.de
Paul Craemer GmbH, E-Mail: [email protected], http://www.craemer.com









