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Artikel und Hintergründe zum Thema

Automobillogistik

Intelligente Lagerwirtschaft

Kilometerlange Laufwege für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, lange Durchlaufzeiten und eine hohe Fehleranfälligkeit: In Unternehmen, die Kundenaufträge erfüllen und versenden, beansprucht der Lagerungs- und Kommissionierprozess in der Regel die meisten Ressourcen. In Zeiten des Personalmangels und sich rasch verändernder Märkte ist eine funktionierende und effiziente Lagerwirtschaft deshalb umso wichtiger, um Eilbestellungen schnell bearbeiten zu können, Wege zu optimieren und die Bereitstellungszeit von Materialien zu verkürzen.

© HaRo

In Verknüpfung mit den Technologien der Industrie 4.0 um Digitalisierung, Vernetzung und Künstliche Intelligenz entstehen in der Konsequenz völlig neue Level für Produktivität und Wettbewerbsvorteile rund um den Materialfluss in der Produktion und im Lager. Zu Recht setzt die diesjährige Logimat-Messe deshalb ihren Schwerpunkt auf intelligente und autonome Systeme, die neue Perspektiven für die Zukunft kreieren.

Automobillogistik: Belieferung von über 57.000 Ersatzteilen

Von diesen Technologien profitiert auch der Logistikpark Staiger im baden-württembergischen Wernau bereits seit knapp einem Jahr. Als Unternehmen der Avag Holding, einer der führenden Automobilhandelsgruppen Europas, hat sich der Logistikpark Staiger mit seinen rund 70 Mitarbeitern die Beratung, Auftragsabwicklung und Belieferung von über 57.000 Ersatzteilen diverser Automotive-Marken zur Aufgabe gemacht. Eine Größenordnung, von der die europaweit verteilten Kunden des Unternehmens insbesondere seit dem Umzug in das neue Logistikzentrum im vergangenen Jahr profitieren.

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Gleichsam nahm das Unternehmen um Geschäftsführer Daniel Schier die mit dem Umzug angestrebte Vergrößerung als Anlass zur Implementierung neuer Lagerbühnen und einer effizienten Kommissionieranlage. Mit letzterem Anliegen wandte sich der Großhandels-Betrieb im Frühjahr 2022 an die HaRo Anlagen- und Fördertechnik im nordrhein-westfälischen Rüthen.

Förderanlage über drei Ebenen

Die Anforderungen: Durch den Einbau der Lagerbühnen im Wernauer Objekt sollten die Lagerflächen verfünffacht werden. Benötigt wurde also eine Anlage, die Laufwege für Mitarbeiter innerhalb des Lagers weitgehend eliminiert und die Durchlaufzeiten dank einer vollständigen Automatisierung um ein Vielfaches verringert. "Als Hersteller von fördertechnischen Anlagen mit über 60-jähriger Erfahrung sind wir auf solch individuelle Kundenanfragen spezialisiert", betont Geschäftsführer der HaRo-Gruppe, Christoph Hackländer. Gemeinsam mit seinem Projektteam entwickelte er für den Logistikpark Staiger zwei Förderanlagen für den Warenein- und -ausgang, die sich jeweils über drei Ebenen erstrecken.

Rollbahnen mit Staufunktion

HaRo-Konstruktionsleiter Markus Löseke erklärt die Besonderheiten des Projektes: "Da wir im Logistikpark Staiger ausschließlich einheitliche Kommissionierkästen in Form von Mehrwegbehältern mit einem Maximalgewicht von 35 Kilogramm im Einsatz haben, und diese eine Strecke von zirka 52 Metern durchlaufen, wurden angetriebene Rollenbahnen mit Staufunktion von uns integriert". "Unsere Rollenbahnen zeichnen sich nicht nur durch eine lange Lebensdauer aus, dank ihrer überschaubaren Investitionskosten profitiert der Logistikpark Staiger auch von einem hohen Maß an Wirtschaftlichkeit", ergänzt die HaRo-Geschäftsleitung.

Vertikalförderer für bessere Flächennutzung

Damit die Höhendifferenzen zwischen den Regalebenen ebenfalls vollautomatisiert überwunden werden können, hat die HaRo-Gruppe in Wernau zusätzlich jeweils einen Vertikalförderer im Warenein- und Warenausgang des neuen Lagers installiert: "Dadurch, dass sich das Lagersystem bei unserem Kunden über mehrere Ebenen erstreckt, werden die Flächen optimal ausgenutzt. Unser Vertikalförderer knüpft an diesem Potenzial an, indem er die Fördergüter zuverlässig und effizient auf den jeweiligen Ebenen verteilt, ohne, dass manuelle Eingriffe notwendig sind", so Markus Löseke.

Wie funktioniert der neue Materialfluss nun konkret? Im Wareneingang werden die bereits zur Lagerung vorbereiteten Kommissionierkästen zunächst manuell von den Mitarbeitern am Aufgabeplatz der Rollenbahn aufgegeben. Per Knopfdruck wird der Zielort auf einer der drei Lagerebenen für das Fördergut ausgewählt, bevor dieses vollautomatisiert über die angetriebene Rollenbahn zum Vertikalförderer transportiert wird. Der rund sieben Meter hohe Senkrechtförderer überführt den Kommissionkasten sodann auf die vorgesehene Lagerebene.

"Angesichts der enormen Durchlaufmengen im Logistikpark Staiger ist unser Vertikalförderer auf eine Leistung von 100 Fördergütern je Stunde ausgelegt", erklärt Markus Löseke. Auf der jeweiligen Zielebene angekommen, werden die Kommissionierkästen aus dem Vertikalförderer heraus an die angrenzenden Rollenbahnen übergeben.

"Hier haben wir eine weitere Besonderheit", weiß Geschäftsführer Christoph Hackländer: "Sind die Abnahmestellen frei, werden die Mehrwegbehälter mithilfe eines elektrischen Puschers unmittelbar auf die kurze, nicht angetriebene Gefällerollenbahn geschoben". Sollten die Abnahmestellen belegt sein, erfolgt der Weitertransport über die parallele Rollenbahnstrecke zu einer der drei übrigen Abnahmepunkte, die jeweils ebenfalls ausgestattet mit einem Puscher über die gleiche Funktionsweise verfügen wie die erste Abnahmestelle.

Insgesamt impliziert die Kommissionieranlage im Wareneingang damit zwölf Abnahmestellen, verteilt auf drei Ebenen. "Neben dem automatisierten Transport der Behälter dienen die Rollenbahnen also auch zur Pufferung dieser – vor allem in Zeiten der Spitzenauslastungen eine nicht mehr wegzudenkende Funktion für unsere Kunden, die ein hohes Maß an Flexibilität ermöglicht", so Löseke.

Effizienter Warenausgang

Rund 2.500 bis 3.500 Ersatzteile verlassen täglich das Warenlager. Eine Größenordnung, die einen effizienten und zuverlässigen Materialfluss im Warenausgang voraussetzt. Aus diesem Grund verfügt die im Warenausgang installierte Förderanlage über eine ähnliche Funktionsweise wie die im Wareneingang: Zunächst werden die kommissionierten Kästen manuell von den Mitarbeitenden an den Aufgabeplätzen der Rollenbahnen platziert.

Die angetriebenen Förderer ermöglichen auch hier einen völlig automatisierten Transport bis zum Vertikalförderer. Bevor die Fördergüter die Höhendifferenz zwischen den Ebenen bewältigen, werden sie zunächst vereinzelt. Im Warenausgang angekommen, stehen sodann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Abnahme der kommissionierten Waren bereit.

"Dank der Installation der beschriebenen Förderanlagen, die im Grunde nur aus den drei Hauptkomponenten Rollenbahnen, Puscher und Vertikalförderer bestehen, kann der Kommissionierprozess im Logistikpark Staiger nahezu vollständig automatisiert erfolgen.

Dadurch können immense Laufwege, die ansonsten für die Mitarbeitenden zwischen den Lagerebenen entstehen würden, deutlich eingekürzt werden", erklärt die HaRo-Geschäftsführung die Vorteile ihrer Förderanlagen. "Unseren Kunden können wir dank dieses Systems wiederum rasche Lieferzeiten garantieren", freut sich Logistikpark-Staiger- Geschäftsführer Daniel Schier über das neue Warensystem.

Während die beschriebene Fördertechnik inzwischen fast seit einem Jahr im Einsatz ist, plant der Logistikpark bereits weiterführende Optimierungen: So soll das ERP-System des Unternehmens – ganz im Sinne der "Big Data" als Schlüsselbegriff der Industrie 4.0 – in absehbarer Zeit mit der Fördertechnik verknüpft werden, sodass auch die Zielorte für die Kommissionierbehälter nicht mehr manuell von Mitarbeitenden angewählt werden müssen, sondern mithilfe von QR-Codes von der Technik identifiziert, automatisch zu ihrem Lagerplatz befördert und jederzeit nachverfolgt werden können.

Vollständig automatisierter Materialfluss auf der LogiMAT 2024

Um sich ein eigenes Bild vom Produkt- und Leistungsspektrum der HaRo-Gruppe zu machen und die fördertechnischen Komponenten hautnah im Einsatz zu erleben, kann auf der Logimat-Messe ein vollständig automatisierter Materialfluss, bestehend aus zwei Vertikalförderern mit einer Höhe von rund 8 Metern sowie in Kombination mit angetriebenen Rollenbahnen zum automatisierten Transport von Paletten, bestaunt werden.

Logimat, Halle 3, Stand D03

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