Aus materialfluss 10/2019

Marvin Meyke,

Eine deutsch-japanische Partnerschaft

200 Jahre Dematic und 60 Jahre Partnerschaft mit Toyo Kanetsu – für beide Unternehmen gibt es Grund zum Feiern. Die Erfolgsgeschichte des Dematic-Multishuttle in Japan begann mit einer Dienstreise.

Das Dematic Multishuttle ist heute in vielen TKSL-Anlagen in Japan im Einsatz. © Dematic

Toyo Kanetsu K.K ist einer der größten Komplettanbieter von Automatisierungs- und Materialflusssystemen in Japan. In seine Lösungen integriert das Unternehmen seit vielen Jahrzehnten Komponenten von Dematic, einem der führenden Anbieter für Automatisierungstechnik. Insbesondere vom Dematic-Multishuttle profitieren Kunden aus dem Lebensmittel-, E-Commerce-, Bekleidungs- und Industriebereich von Toyo Kanetsu. Seit knapp 60 Jahren arbeiten beide Unternehmen zusammen. Dabei ist die Kooperation weit mehr prägend als nur produkt­bezogenes und wirtschaftliches Interesse. Anlässlich des 200-jährigen Firmenbestehens von Dematic blickt Hiroki Shinohara, Geschäftsführer von Toyo Kanetsu, gemeinsam mit Shin Yamashita, Director Global Research & Innovation Dematic, auf die Meilensteine der Partnerschaft zurück.

materialfluss: Wann begann die Zusammenarbeit zwischen Toyo Kanetsu und Dematic?
Shinohara: Das war 1960. Zu dieser Zeit war Toyo Kanetsu noch Lizenznehmer von Rapistan Systems in Michigan, einem Vorgängerunternehmen von Dematic und Marktführer in Fördertechnik. Wir begannen damit, die Rapistan-Techno­logien auf dem japanischen Markt einzuführen. Bereits im Jahre 1989 wurde die damals 30 Jahre andauernde Partnerschaft in Form einer wertvollen Holzstanduhr mit ­Schnitzereien zelebriert.

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mfl: Inzwischen stößt besonders das Dematic-Multishuttle auf positive Resonanz in Japan. Wie kam es dazu?
Yamashita: Als ein ehemaliger Leiter der Entwicklung von Toyo Kanetsu 2009 auf einer Dienstreise Dematic besuchte, kam er zum ersten Mal mit dem Dematic-Multishuttle in Kontakt. Er fand es direkt so interessant, dass er beschloss, es in Japan ein­zuführen. Dabei nahm er sogar einen Shuttle in seinem auf­gegebenen Gepäck mit nach Japan. Schon kurze Zeit später erhielt Toyo Kanetsu einen Auftrag vom größten japanischen E-Commerce-Unternehmen, um ein Dematic-Multishuttle mit dem patentierten Doppel-Heber-Modul zu installieren. Toyo Kanetsu hat die Parameter des Shuttle-Systems genau auf den Kundenbetrieb abgestimmt und konnte so einen sehr hohen Durchsatz realisieren.

Hiroki Shinohara, Geschäftsführer von Toyo Kanetsu © Toyo Kanetsu

mfl: Wie ist es seitdem mit dem Dematic Multishuttle in Japan weitergegangen?
Shinohara: Seitdem haben wir mehr als 3.000 Shuttles verkauft. In Japan haben wir uns zum Marktführer für Shuttle-Systeme entwickelt. Wir planen, bis 2021 weitere 1.600 Shuttles in Japan zu installieren.

mfl: Was ist für Sie der Schlüssel für die erfolgreiche Geschäftsbeziehung zwischen beiden Unternehmen?
Yamashita: Der Schlüssel zum Erfolg einer solchen Partnerschaft ist gegenseitiges Vertrauen und die Fähigkeit, die Stärken der beteiligten Unternehmen zu erkennen und zu nutzen. Die globale Sicht­weise, das strategische Denken und die innovativen Intralogistik-Lösungen von Dematic, kombiniert mit der Risikobereitschaft und der akribischen Projektabwicklung von Toyo Kanetsu, haben es ­beiden Unternehmen ermöglicht, Synergien zu nutzen und dadurch Erfolge zu erzielen.

mfl: Welche großen Veränderungen haben die Partnerschaft in den vergangenen 60 Jahren geprägt?
Yamashita: Die bedeutendste Veränderung war der Übergang von einer Lizenznehmerbeziehung hin zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Der Wendepunkt war, als Toyo Kanetsu das Dematic Multishuttle auf dem japanischen Markt einführte und ­sich damit dort die Marktführerschaft für Shuttle-Systeme sicherte. Heute ist das Unternehmen in der japanischen Industrie überall bekannt.

Shin Yamashita, Director Global Research & Innovation Dematic © Dematic

mfl: Wie profitieren Kunden von der Partnerschaft?
Shinohara: Der Kunde profitiert von den Stärken beider Unternehmen. Gemeinsam ist es Toyo Kanetsu und Dematic gelungen, neue Technologien und innovative Konzepte auf den Markt zu bringen – und das früher als die Wettbewerber. Toyo Kanetsu nutzt die innovativen Lösungen von Dematic und entwickelte sie auf einzigartige Art und Weise weiter. Das daraus entstandene Wissen teilt das Unternehmen dann wiederum mit Dematic. Dabei handelt es sich um nur ein Beispiel, wie beide Unternehmen erfolgreich zusammenarbeiten.
Yamashita: Wir arbeiten außerdem kontinuierlich gemeinsam daran, die Qualität der Systeme zu verbessern. Wir kennen die hohen Anforderungen in Japan und konnten so die Vorzüge des Dematic-Multishuttles noch weiter verbessern. Dazu haben wir neue Kom­ponenten integriert, die die Erwartungen von Kunden nicht nur aus Japan, sondern aus aller Welt erfüllen.

mfl: Welche gemeinsamen Projekte und Entwicklungen sind für die Zukunft geplant?
Shinohara: Im Laufe der Zeit haben beide Unternehmen nicht nur eine respektvolle Geschäftsbeziehung aufgebaut, sondern zudem immer besser die einzelnen Stärken in einer Reihe ­von Forschungsprojekten eingesetzt. Vor kurzem haben sich Dematic und Toyo Kanetsu zum Beispiel für ein Forschungs­projekt zusammengeschlossen, in dem der Dematic-Shuttle-Lift effektiver werden soll. Ziel war eine Leistungssteigerung von mehr als 50 Prozent. Für die Zeit danach befinden sich bereits weitere Projekte in der Pipeline, darunter die Beteiligung von Toyo Kanetsu an der Produktentwicklung der dritten Generation des Dematic-Multishuttles.

mfl: Welche sind die größten Herausforderungen für die kommenden Jahre?
Shinohara: Wir legen Wert auf eine Unternehmenskultur und -struktur, die darauf ausgerichtet ist, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Wir wollen nicht nur möglichst lange Fördertechnik und effiziente Shuttlesysteme verkaufen, sondern eine Gesamtlösung mit Mehrwert anbieten. Denn in diesem Fall gewinnt jeder: der Kunde, Dematic und Toyo Kanetsu.

Über Dematic
Dematic mit Hauptsitz in Atlanta (Georgia/USA) ist ein führender Anbieter integrierter Automatisierungstechnik, Software und Dienstleistungen zur Optimierung der Supply Chain. Dematic beschäftigt mehr als 7.000 Logistikprofis und betreibt weltweit Entwicklungszentren und Fertigungsstätten. Das Unternehmen ist Teil der KION Group und hat mehr als 6.000 integrierte Systeme für ­seinen Kundenstamm realisiert, der sich aus kleinen, ­mittleren und großen Unternehmen zahlreicher unterschiedlicher Branchen zusammensetzt. Der Konzern ist in Europa der größte Hersteller von Flurförderzeugen, weltweit die Nummer Zwei und zudem führender Anbieter von Automatisierungstechnologie.

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