Exklusivinterview mit Jens Strüwing

Martin Schrüfer,

„Wir wollen mit Innovationen schneller als der Markt wachsen“

Interroll hat sich nicht nur die Etablierung neuer Produkte vorgenommen, sondern auch seine Innovationsabteilung neu strukturiert. Martin Schrüfer sprach mit Jens Strüwing, Executive Vice President Products & Technology über Produkte, Kundenanforderungen, Innovationsmanagement und das gerade im Bau befindliche Werk in Mosbach.

materialfluss: Corona fordert die Intralogistik nach wie vor. Wie sind die Interroll-Werke damit umgegangen? Haben Sie neue Erkenntnisse gewonnen?
Jens Strüwing: Wir sind bisher gut durch die Krise gekommen und haben weltweit zum Glück nur wenige Fälle unter den Mitarbeitenden verzeichnet. Die Hygiene- und Sicherheitskonzepte funktionieren, fordern uns aber auch organisatorisch. Andererseits haben wir von der guten Vernetzung unserer Standorte profitiert, schnell neue Kooperationsformen realisiert und unsere Lieferfähigkeit auf aus­gesprochen hohem Niveau gehalten.

Jens Strüwing, Executive Vice President Products & Technology Interroll. © Interroll

mfl: Zu Interrolls Produkten: Sie haben im März den Hoch­leistungssorter HPCS vorgestellt. Wie hat der Markt reagiert? Gibt es bereits Referenzen?
Strüwing: Der Markt reagiert sehr positiv, wir haben mehrere ­Aufträge unterzeichnet, einige Sorter sind bereits im Betrieb, zum Beispiel Inditex, ein Referenzprojekt, das wir gemeinsam mit Knapp realisierten.

mfl: Ich hörte, dass Sie auch im Basissegment der Sorter etwas auf den Markt bringen wollen. Wollen Sie unseren Lesern Details verraten?
Strüwing: Im Leistungssegment sind wir bereits unterwegs, im ­mittleren ebenfalls und wollen im Frühjahr auch eine attraktive ­Einstiegslösung vorstellen. Zudem wollen wir 2021 im mittleren Bereich eine Optimierung unserer bewährten Sortertechnik auf ­
den Markt bringen.

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mfl: In welchem Wettbewerbsumfeld sehen Sie hier Interroll?
Strüwing: Im mittleren Bereich werden wir unsere Stellung mit hochmodernen Features weiter stärken. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit den Vorteilen, für die wir im Sorterbereich bekannt sind, den Kunden auch im Basis-Segment einen echten Mehrwert bieten werden.

mfl: Welche Prinzipien sind dies?
Strüwing: Quality, Speed, und Easiness. Speed bezieht sich auf die Einführung neuer Produkte und die Lieferzeiten, die wir weltweit realisieren können. Qualität heisst, dass wir nur bewährte Techno­logien einsetzen, also umfassende eigene Tests fahren, damit unsere Kunden keine Überraschungen erleben. Erlebte Easiness bedeutet für unsere Lösungen: einfach bei Projektierung, Installation, Betrieb und Wartung. Das wird auch eines der Alleinstellungsmerkmale des neuen Sorter sein.

mfl: Wie sieht das Produktionskonzept aus?
Strüwing: Wir verfügen über einen globalen Verbund von 16 ­Werken, auf jedem Kontinent kann mindestens eines davon eine Produktgruppe herstellen. Auch bei den Sortern spielt ein globales Kompetenzzentrum eine zentrale Rolle, dieses befindet sich in ­Sinsheim und bedient den europäischen Markt. Darüber hinaus gibt es auf den Kontinenten auch regionale Kompetenzzentren, die ­Sorter in der gleichen hohen Qualität fertigen. So können wir ­Neuheiten global zeitgleich auf den Markt bringen.

mfl: Wie geht es beim Bau Ihres neuen Werks in Mosbach voran? Sind Sie zufrieden?
Strüwing: Wir sind voll im Plan für den Umzug Mitte 2021.
mfl: Mit der modularen Paletten­fördererplattform MPP und dem eigenen RBG hat Interroll Neuland betreten. Gibt es mittlerweile erste Anwendungen?
Strüwing: Die MPP hat sich in einem für uns neuen Markt bewährt. Wir waren zunächst bei kleineren Projekten erfolgreich, nun kommen größere Aufträge. Wir sind zufrieden, was die Alleinstellungsmerkmale der MPP angeht – sie ist höchst energieffizient und deckt 70% der weltweit verwendeten Palettentypen ab.

mfl: Sie sind bei Interroll nicht nur für Produkte, sondern auch für ­Inno­vation verantwortlich. Wie ­organisiert man Innovation?
Strüwing: In den vergangenen zwei ­Jahren war die Systeminnovation eine meiner Hauptaufgaben. Nun haben wir die Interroll System Innovation GmbH mit 30 Mitarbeitern in Baal gegründet. Dort wird via Grundlagenentwicklung genau beobachtet, wie weit andere ­Branchen bei bestimmten Themen sind und wie wir das für die Intralogistik nutzen ­können. Neben der kontinuierlichen Weiterentwicklung bestehender Produkte testen wir in unserem Laboratory alle Neuheiten unter realen Bedingungen. Von Baal aus werden auch Innovationsprojekte gesteuert, die aus unserer Marktkenntnis entstehen: so interviewen wir etwa Kunden um deren Problem­stellungen zu verstehen. Zu Heraus­forderungen, auf die sie keine Antworten haben, suchen wir die richtigen Lösungen. Ebenfalls schützt unser Patentanwalt unsere Entwicklungen und beobachtet Wettbewerber.

mfl: Herr Strüwing, Sie sind vor zwei Jahren von Mahle zu Interroll gewechselt. Wie lautet Ihr Fazit? Kann man Automotive und Intralogistik ­ver­gleichen?
Strüwing: Bei der Produktion heißt es ja immer, dass Automobilisten so innovativ unterwegs seien. Darum war ich überrascht, wie weit Interroll schon war. In Wermelskirchen ist bereits eine digitale Fabrik im Einsatz, die in der Produktion papierlos arbeitet. Im Bereich Innovation haben wir die Grundsatzentwicklung forciert. Dass man sich in der Entwicklung ein eigenes Labor leistet, überraschte mich positiv. Hier konnte ich Erfahrung einbringen, mein Prozessverständnis bei der Produktentstehung aus meiner ­Automotive-Zeit zahlte sich aus.

mfl: Und was möchten Sie in ­den kommenden zwei Jahren noch bewegen?
Strüwing: Unsere klare Zielsetzung: wir wollen mit Innovationen schneller als der Markt wachsen. Wir sehen uns als unabhängigen Entwickler und Produzent von Materialflusslösungen, auch in Zukunft. Einige weiße Flecken auf der Interroll-Weltkarte schauen wir jetzt genau an. Auch haben wir das Thema Outsourcing im Detail untersucht – unter anderem mit einer Studie, über die das Handelsblatt berichtete. Für uns als zuverlässigen Produktionsexperten mit hervorragender Qualität und schnellen Lieferzeiten gibt es noch viel Potenzial, für Kunden die Freiräume zu schaffen, um sich auf ihre Kernkompetenzen zu fokussieren.

mfl: Danke für das Gespräch!

Das Interview erschien in materialfluss 11-12/20.

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