Lagermodernisierung
Papierhersteller mit innovativer Produktionslogistik
Der Papierhersteller Franz Veit hat seine intralogistischen Betriebsabläufe mit Hilfe von Linde Material Handling und Ernst Müller Fördertechnik deutlich effizienter aufgestellt.
Die spannendsten Gleichungen sind bekanntlich die mit mehreren Unbekannten. Eine solche fand sich unter dem Kapitel "Automatisierung" auch im Lastenheft des Papierspezialisten Franz Veit. Wie lassen sich Transportaufgaben in einer Produktions- und Lagerumgebung verlässlich abwickeln, die ihr Gesicht fortlaufend verändert? Linde MH machte sich an die Lösung.
Heute im Supermarkt, morgen auf dem Kindergeburtstag, übermorgen im Lotto-Kiosk oder am Samstag im Fußballstadion? Wann man ein Produkt von Franz Veit in der Hand hält, hat man natürlich selbst in der Hand – aber so viel steht fest: Mit den Kassenzetteln, Pfandbons, Luftschlangen, Lottorollen und ähnlichem des europaweit führenden Produzenten dürfte schon jeder irgendwann einmal in Berührung gekommen sein. Umso erstaunlicher, dass all diese (und rund 4.000 weitere Erzeugnisse) an ein und demselben Standort produziert werden.
Hirschaid bei Bamberg: Seit 2006 laufen die Produktionsmaschinen hier von Montag bis Freitag im Dreischichtbetrieb praktisch rund um die Uhr. "Vor dem Umzug in die freie Fläche hatten wir unsere Produktionsstätte in der Innenstadt von Hirschaid – die, wie Sie sich vorstellen können, irgendwann aus allen Nähten platzte. Und obwohl wir hier mit 36.000 Quadratmetern Fläche platztechnisch nicht gekleckert haben, bleibt so gut wie keine Ecke ungenutzt", erklärt Prokurist Daniel Werner beim Rundgang durch den Hallenkomplex.
"Unsere Maschinen bringen einen enormen Output. Wir verarbeiten jeden Tag rund 200 Tonnen Rohpapier in unterschiedlichste Produkte, die dann schnellstmöglich in den Versand gehen." Dazwischen steht bei Franz Veit eine chaotisch organisierte Intralogistik, die das Unternehmen – vor allem mit Blick auf die Wertschöpfung – optimieren respektive Teilschritte automatisieren wollte.
Hoher Durchsatz – und ein Nadelöhr
Übermannshohe Materialrollen vor riesigen Produktionsmaschinen, fertig gepackte Paletten und Kartons, so weit das Auge reicht, dazwischen Packroboter und weitere Produktionsgerätschaften: auf den ersten Blick nicht gerade eine optimale Umgebung für automatisierte Transportprozesse. "Aber genau darum ging’s uns eben", betont Daniel Werner – und meint damit konkret den Weg von der Produktionsentsorgung bis zur Versorgung der Stretchmaschine im Hallenteil nebenan. Diese Distanz musste über lange Zeit hinweg händisch bewältigt werden.
"Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die fertig produzierte Ware von den Papierverarbeitungsmaschinen geholt, sie per Stapler zur Stretchmaschine gebracht und dort den Folierungsprozess abgewartet, bis es weiterging", erläutert Werner. Gerade in der Frühschicht sei dabei einiges an Arbeitszeit wortwörtlich auf der Strecke geblieben: "Die Kolleginnen und Kollegen mussten morgens erstmal die Fertigung der letzten beiden Schichten aus der Produktion entsorgen – da kamen gern 140, 150 Paletten zusammen, die dann größtenteils auf die Stretchmaschine gesetzt werden wollten. Alles in allem waren damit sechs Leute rund zwei Stunden eingespannt."
So viel Flexibilität muss sein
Situation: unbefriedigend. Wunsch: Automation. Die Ausgangslage bei Franz Veit ist denkbar schnell beschrieben. Umso länger dauerte dafür die Suche nach der passenden Lösung – was maßgeblich auf die beschriebenen Spezifika der Intralogistik zurückging. Daniel Werner: "Wir haben zwar immer wiederkehrende Transportprozesse – aber eben auch eine sich immer wieder ändernde Produktions- und Lagerumgebung." Heißt im Umkehrschluss: Ein mögliches Automationskonzept muss mit diesem hohen Maß an Flexibilität und "geordnetem Chaos" Schritt halten können.
FTS-Systeme, die Spiegel, Führungsschienen und Co. benötigten, schieden für die Verantwortlichen daher von vornherein aus. "Wir waren über die Jahre mit vielen Anbietern im Gespräch. Doch unsere Wunschlösung sollte eher so funktionieren, wie man es von modernen Staubsaugerrobotern kennt. Man packt das Gerät in den Raum, es orientiert sich selbstständig und macht seine Arbeit – auch wenn man mal ein Möbelstück umstellt", erläutert Daniel Werner. "Da konnte uns leider niemand weiterhelfen – bis wir uns schließlich mit Ernst Müller Fördertechnik an einen Tisch gesetzt haben."
Linde Material Handling hat die Lösung
Die Ideen des langjährigen Linde-MH-Netzwerkpartners rund um die Implementierung von zwei autonomen Hochhubwagen Linde L-Matic stieß bei den Verantwortlichen spontan auf Gegenliebe – zumal sich bisher scheinbar unüberwindbare Hürden quasi in Luft auflösten: So orientieren sich die Linde-Geräte dank Geo-Navigation selbstständig im Raum und benötigen dafür nur wenige Referenzpunkte, die sich in einem digitalen Mapping jederzeit unkompliziert anpassen lassen.
"Das war exakt das, wonach wir gesucht hatten", erinnert sich Daniel Werner. Hinzu kam der Vorteil, dass die Linde L-Matic-Geräte ohne Podestlösung agieren und die Paletten direkt vom Boden aufnehmen können. Starke Argumente also, die die Verantwortlichen von Franz Veit dazu bewogen, gemeinsam mit Ernst Müller die Umsetzung anzupacken.
Ein eingespieltes Team
Mittlerweile verrichten die beiden Linde L-Matic in Hirschaid ihren Dienst, als würden sie schon immer dazugehören. Ein Gerät ist dabei ausschließlich für die Entsorgung der Produktionsmaschinen zuständig. Der jeweilige Maschinenführer stellt die Palette mit fertiger Ware auf einen fest definierten Abholplatz und "ruft" per Knopfdruck das automatisierte Linde-Gerät herbei. Dieses nimmt die bis zu 1.000 Kilogramm schweren Paletten auf und transportiert sie sicher an allen Hindernissen vorbei in den Hallentrakt nebenan und setzt sie auf die zur Stretchmaschine gehörenden Rollenbahn ab. Ist die Ware foliert, übernimmt am Ausgabepunkt der zweite Linde L-Matic; er bringt die Palette zum wenige Meter entfernten Übergabepunkt, wo die menschlichen Kolleginnen und Kollegen auf den Plan treten. Sie befördern die Ware nun zeitnah in den zum jeweiligen Auftrag gehörenden Quadranten.
Dieses Zusammenspiel von Mensch und Maschine funktioniert auch deshalb so perfekt, weil die Technologie des Linde L-Matic selbstständig erkennt, welche Plätze am Übergabepunkt gerade frei sind, und sie dann entsprechend auffüllt. Interessantes Detail: Jeden Tag um Mitternacht tauschen die beiden automatisierten Fahrzeuge ihre Jobs. Daniel Werner: "Damit möchten wir nicht etwa vermeiden, dass einem von ihnen langweilig wird, sondern sorgen auf diese Weise für eine gleichmäßige Belastung, da die Arbeitsstrecken der beiden sehr unterschiedlich ausfallen." Das Laden der Lithium-Ionen-Batterien funktioniert ebenso komfortabel: Sinkt der Ladezustand unter einen bestimmten Schwellenwert, steuern die Hochhubwagen selbsttätig die Ladestation an.
Erwartungen: übertroffen
Aus der Produktion zur Stretchmaschine, von der Stretchmaschine zum Übergabepunkt, Paletten aufladen, abladen – und alles wieder von vorn. Beobachtet man das unermüdlich arbeitende L-Matic-Duo bei Franz Veit, drängt sich spontan der Eindruck auf: Die beiden bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Das kann Prokurist Daniel Werner nur bestätigen: "Die Geräte laufen jetzt seit November 2021. Idealerweise bräuchte ich einen Zeitraffer, um Ihnen zu zeigen, wie häufig sich seit dem Projektstart unsere Produktions- und Lagerumgebung verändert hat. Was heute hier steht, steht morgen da – Maschine A zieht an Platz B … und so weiter. Die Linde L-Matic hat das nie groß beeindruckt, sie haben ihre Wege bisher immer störungsfrei gefunden."
Was jedoch in der Tat beeindruckt, ist die Leistungsbilanz des Automationsprojekts. Zurzeit wird die garantierte Performance um knapp 50 Prozent übertroffen. "Der gegenwärtige Rekord liegt bei 298 Paletten, die die Fahrzeuge binnen 24 Stunden aus der Fertigung entsorgt haben. Das hat meine Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen", freut sich Daniel Werner. Kein Wunder also, dass die Papierprofis aus Oberfranken bereits überlegen, die Automation auf weitere Prozessschritte auszudehnen – etwa, indem man die Produktionsmaschinen in die Lage versetzt, die Linde L-Matic selbstständig zu rufen. "Wir wollen hier konstruktiv weiterdenken; das liegt auch daran, dass die Automation innerhalb der Belegschaft eine hohe Akzeptanz genießt – weil wir unseren Leuten von vornherein aufgezeigt haben, dass die Geräte ihnen die Arbeit nicht wegnehmen. Vielmehr ermöglichen sie ihnen, sich auf andere, wichtigere Tätigkeiten zu konzentrieren", betont Daniel Werner – und ergänzt: "Ich würde sagen, mit dieser Rollenverteilung kann man sehr gut leben."
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