Behälter- & Palettenpooling

Wohlfühlen im Pool

Bei jedem Palettentausch fallen verdeckte Kosten von 3,80 bis fast 5 Euro an. Für die verladende Wirtschaft werden daher Paletten-Poolsysteme immer interessanter. Besonders attraktiv sind Systeme, die über RFID-Chips gesteuert werden.

Ein Tauschgeschäft, so wäre es logisch, ist kostenlos. Beim Europalettentausch entstehen aber jedes mal mehr oder weniger versteckte Kosten, die das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) im September 2009 in einer Umfrage ermittelt hat. Das Ergebnis: Jeder Palettentausch verursacht für den Verlader Kosten von 1,00 bis 1,40 Euro pro Palette, beim Spediteur sind es 2,50 bis 3 Euro. Insgesamt entstehen bei einem Umlauf 3,81 bis 4,96 Euro Kosten.

Den größten Anteil daran machen die Ersatz- und Reparaturkosten aus. Die Verfasser der Studie schlagen zur Optimierung und Kostensenkung einen verstärkten direkten Tausch und die Einführung eines zertifizierten Tauschverfahrens vor. Die Studie erlaubt einen direkten Kostenvergleich zu den Pool-Systemen, die sich im Markt etabliert haben und die beachtliche Mengen an Paletten bewegen und verwalten. Bei Chep sind rund 300 Mio. Behälter und Paletten im Umlauf, bei LPR sind es über zehn Millionen Paletten und das noch relativ junge Palpool-System hat bereits mehr als zehn große Hersteller von Frischeprodukten gewonnen, darunter Arla Foods, Dr.Oetker, Nordmilch und Sachsenmilch.

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LPR kann für 2009 ein kräftiges Wachstum verzeichnen: Das Unternehmen lieferte in Deutschland mehr als 500 000 rote Paletten aus, im laufenden Jahr sollen es mehr als eine Million sein. Stefan Frye, Geschäftsführer der Deutschland-Zentrale in Ratingen: „Wir arbeiten für führende Konsumgüterhersteller wie Nestlé, Kimberley-Clark, Coca-Cola, Heineken und Mars und haben zum Jahresende mehrere neue Verträge abschließen können. Daher sind unsere Wachstumserwartungen mehr als realistisch.“

Im Trend: Abrechnung per RFID Einen weiteren Wachstumsschub für die Pool-Systeme könnte die RFIDTechnik bieten, die die Palettenbewegungen und auch die Abrechnung transparenter macht. Chep hat in einem Praxistest, der zusammen mit dem Fraunhofer-IML, Coca-Cola und Rewe durchgeführt wurde, Paletten mit RFID-Tag verwendet und sehr gute Ergebnisse erzielt.

Dr. Jan Schneider, Leiter Logistik Nationale Kunden bei Coca Cola: „In Sachen RFID und Warentransport konnten wir zum ersten Mal eine hundertprozentige Lesequote erreichen.“ Und da man auf Einweg-Transponder verzichtet und in die Palette integrierte RFID-Chips verwendet, spart man auch Kosten. Beim Palpool-System, vor gut zwei Jahren von Craemer ins Leben gerufen, gehört die RFID-Technik sogar zur Grundausstattung.

Mit seinen Kunststoff- Paletten richtet sich Palpool an die Logistikkette vom Lebensmittelhersteller zum Handel, wo große und kontinuierliche Warenströme transportiert werden. Der geschlossene Palettenkreislauf wird dabei komplett durch den integrierten RFID-Chip gesteuert. Jeder Teilnehmer in der Transportkette nutzt einen Handheld-Scanner, der von Palpool zur Verfügung gestellt wird, zur Erfassung der Palette.

Die Daten werden per Modem und GPRS an ein Internet-Portal gesendet. Der RFID-Tag enthält eine eindeutig zuzuordnende Identifikationsnummer und kann von den Nutzer zusätzlich mit Daten wie Artikelnummern, Abpackdaten etc. beschrieben werden. So komfortabel diese Lösung ist, so einfach ist sie auch: Der Anwender muss im Prinzip nur zwei Steckdosen bereitstellen, und schon ist Palpool startbereit.

Neue Palette: RFID inklusive Auf der Logimat 2010 präsentierte Craemer eine neue Kunststoff-Halbpalette mit der Bezeichnung ECOmax, die sich als Alternative zur Düsseldorfer Halbpalette aus Holz etablieren soll und speziell für Pool-Systeme entwickelt wurde. Frank Bücker, Vertriebsleiter: „Wir sehen vor allem in der Food-Logistik klaren Bedarf für eine Halbpalette, die eine höhere Langlebigkeit und Funktionalität als die bisherige Holzhalbpalette bietet und auch die Forderung vieler Kunden nach nachhaltigen Transport- und Verpackungslösungen erfüllt.“

Zu den Konstruktionsmerkmalen der ECOmax gehören Antirutschstopfen auf der Ober- und Unterseite, eine erweiterte Einfahrbreite von 573 mm und eine patentierte „Legostruktur“, die das Stapeln von Leerpaletten erleichtert. Außerdem ist die neue Palette ohne Einschränkung auf automatisierten Rollen- und Kettenförderanlagen einsetzbar und sie verfügt über die RFIDTechnologie des Palpool-Systems. Somit ist sie in geschlossene und papierlose Pool-Systeme integrierbar.

Tauschpool in der Zange Von der Euro- zur World-Palette: Wie sehr die geschlossenen Pool-Systeme dem Euro-Tauschpool Marktanteile abnehmen, wird sich zeigen. Fakt ist, dass viele Verlader und Spediteure mit dem Tausch- Aufwand und vor allem mit der Palettenqualität der Europaletten unzufrieden sind. Nicht zuletzt deshalb fahren einige Unternehmen schon Praxistests mit Euro-Holzpaletten, die mit RFID-Chips ausgerüstet sind.

Kaufen statt tauschen: Auch aus einer anderen Richtung meldet sich neuer Wettbewerber: Bei der „World-Palette“, die Falkenhahn kürzlich vorstellte, handelt es sich um eine Holzpalette, die prinzipiell identisch ist mit der Euro-Palette. Nur das Geschäftsmodell ist ein anderes: Die Palette wird als Teil der Verpackung gesehen und nicht im freien Pool getauscht, sondern gekauft und verkauft. Damit, so Falkenhahn, entfallen die versteckten Kosten für den Palettentausch.

Chep Deutschland GmbH, www.chep.com Paul Craemer GmbH, E-Mail: info@craemer.com, www.craemer.com Falkenhahn AG, E-Mail: info@falkenhahn.eu, www.falkenhahn.eu LPR-Logistic Packaging Return Deutschland GmbH, E-Mail: info@de.lpr.eu

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