Peter Kazander live
"Wir träumen von 50.000 Besuchern"
Der Himmel ist das Limit – die Intralogistik-Fachmesse LogiMAT wächst so stark, dass der Veranstalter bereits im Herbst „ausverkauft“ meldete. Materialfluss fragte Messeleiter Peter Kazander nach den Perspektiven für 2018 – und worauf sich der Messebesucher bereits in diesem Jahr freuen darf.
Materialfluss: Was hat sich über den Jahreswechsel getan? Sind Sie jetzt ausverkaufter als ausverkauft?
Peter Kazander: So könnte man es definieren. Wir haben im Gegensatz zur LogiMAT 2016 noch mehr Ausstellungsfläche im Eingang Ost realisieren können und im Übergang von Halle 1 auf Halle 3 die Galerie mit 21 sehr starken Ausstellern belegt. Damit waren wir letztes Jahr bereits ausverkauft und 2017 mit plus 3.000 Netto-Quadratmeter ausverkaufter als ausverkauft (lacht).
MFL: Welche Besucherzahlen erwarten Sie? Kazander: Letztes Jahr waren es 43.466 Besucher und natürlich träume ich von einer 5 vorne. Dafür muss ich aber möglicherweise bis 2018 Geduld haben. Aber jede Zahl über 47.000 würde mich zufrieden stimmen. Irgendwann hat man den Markt dann auch komplett beieinander in Stuttgart.
MFL: Was erwartet den Messebesucher an „Neuigkeiten“, was die Messeorganisation angeht? Kazander: Bei der organisatorischen Durchführung setzen wir auf Bewährtes. Aber wir merken bei den Ausstellern, dass es immer schwieriger wird, sie nach Bereichen einzuteilen. Viele definieren sich mittlerweile als Gesamtanbieter, die Produktpaletten werden immer breiter.
MFL: Was heißt das konkret? Kazander: Beim Rundgang müssen die Ausstellungsbereiche idealerweise aufeinander aufbauen. Vom reinen Hallenbau und reiner Fördertechnik zu den Generalanbietern und später der Software, das wäre ein Beispiel für eine solche Abfolge. Das ist möglich und das versuchen wir so im Sinne der Besucher zu realisieren.
MFL: Sprich, Sie sind mittlerweile Meister im Tetris? Kazander: Aber sicher doch (lacht). Am Handy und auch am Messeplan.
MFL: Wie kompensiert man das viele Lob, das Sie seit Monaten kassieren? Wie gehen Sie damit um? Kazander: Man sollte nie vergessen, dass es allein von harter Arbeit kommt. Mein Team ist immer noch überschaubar, wir sind alle als Allrounder unterwegs. Ich genieße das Lob, das aber letztlich den Ausstellern gebührt. Die stellen das Spannende aus, das die Messe ausmacht. Glückliche Besucher kann ich nicht generieren, das machen allein die Aussteller.
MFL: Wie bilden Sie den Run auf die Messe organisatorisch ab? Die Zeiten, in denen Sie persönlich zum Schraubenzieher gegriffen haben, wenn ein Messeaussteller ein Problem hatte, dürften ja vorbei sein ... Kazander: Wir haben im Backoffice ein klein wenig aufgestockt und zwei tolle Mitarbeiterinnen mehr an Bord. Ich greife aber immer noch selbst gerne zum Schraubenzieher und zur Leiter und schaue nicht nur den anderen beim Arbeiten zu. Exakt 222 Aussteller sind bereits seit mehr als fünfzehn Jahren Jahr für Jahr auf der Messe dabei – das vereinfacht das Prozedere. Man kennt und vertraut sich.
MFL: Jeder spricht über Digitalisierung – warum ist der persönliche Kontakt auf der Messe immer noch so wichtig, sieht man sich den Erfolg der Messe an? Kazander: Nur dort kann man Lösungen sehen und anfassen. Dazu kommt, dass wir in der Intralogistik in der Regel über teure Investitionsgüter und große Projekte sprechen. Dazu müssen sich Menschen in die Augen sehen. Das wird auch immer so bleiben. Dass das Internet die Messe ersetzt – diese Diskussion ist längst vom Tisch. Was man aber merkt, ist, dass die Messevorbereitung der Besucher durch das Internet deutlich gründlicher ist. Damit sind auch die Unternehmen mehr gefordert, denn die Zeiten, in denen jeder Besucher im Rahmen seines Besuchs an jedem Messestand vorbeikam, sind vorbei. Dazu ist die Messe zu groß geworden.
MFL: Deutschland ist ein klassisches Messeland? Woran liegt das? Ist der Deutsche an sich nicht eher unkommunikativ im Vergleich zum Beispiel zu Holländern? Kazander: Das kann ich als Holländer so nicht bestätigen. Die Messe an sich hat in Deutschland Tradition und ist seit jeher als Marketinginstrument akzeptiert. Aber nochmal: Aus der Vorbereitung der Unternehmen im Vorfeld der Messe kommt der Erfolg. Sich nur an den Stand zu stellen und zu warten, wer da so kommt, das funktioniert leider nicht.
Intra meint: Hup peter Hup!
Sagen wir mal so: Ich hab von Fussball nicht viel Ahnung, aber dass Holland in diesem seltsamen Spiel in den letzten Jahren nicht mehr viel reißt, das weiß selbst ich. Insofern ist es ganz gut, dass Peter Kazander Messeleiter und nicht Fussballer geworden ist. Denn wenn Nederlands Voetbalelftal so gut spielen würde, wie der smarte Holländer Messe macht, hätten die Weltmeisterschaften einen Dauergewinner.
MFL: Wie geht die Messe 2018 weiter? Wie kommt der Neubau der Halle voran, ist der Zeitplan noch intakt?
Kazander: Das Dach ist drauf, leider wird die Halle in März 2017 aber nicht fertig sein, das hätte ich aus naheliegenden Gründen sehr gern gehabt (lacht). 2018 wird aber klappen, auch der Eingang West wird komplett ausgebaut und mit allen Fazilitäten vorhanden sein. Dann stehen uns 115.000 Quadratmeter zur Verfügung. Ich freue mich drauf.
MFL: Sind Sie nun enttäuscht, dass wir Sie nicht nach der CeMAT gefragt haben? Kazander: Nein, aber ich bin mittlerweile soweit, das ich offen drüber rede, dass eine Messe, die 400 Aussteller weniger hat, als die LogiMAT, sich nicht Weltleitmesse nennen sollte. Wir sind stolz auf das Erreichte und finden es unseriös, wenn sich andere mit Federn schmücken, die längst ausgefallen sind. Ich mochte das Wort Leitmesse noch nie, da es nicht definiert ist. Ich merke aber, dass gerade bei internationalen Ausstellern darauf viel Wert gelegt wird. Ich muss also drüber reden und kann es nicht ignorieren, denn die LogiMAT führt eindeutig.
MFL: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kazander.











