Kolumne von Intra Logistik

Intra Logistik,

Wann kommt endlich Digitalisierung 1.0?

Exklusiv in materialfluss: Die Intra. © WBM

Es ist schon in Ordnung, wenn man ab und zu eine Sau durchs Dorf treibt, solange man die Kirche drin lässt. Eines der Borstentiere, das längst hechelnd kurz hinter dem Ortsausgang steht, ist 4.0. Allem vorweg natürlich Industrie, aber kreative Menschen haben auch der Logistik und der Intralogistik ein 4.0 verpasst. Warum? Weil‘s schick klingt.


4.0 steht für nächste Generation, für Vernetzung und Digitalisierung. Bäm, die nächste Sau. Was ist denn das? Wenn man zum Addieren nicht mehr den Kopf verwendet, sondern einen Taschenrechner? Und wenn man den als App auf dem Smart­phone hat, ist das dann schon 4.0? Oder erst dann, wenn man das Ergebnis auch mit einer Community teilt?

4.0 steht auch für große Hallen, in denen alles ohne Menschen passiert: Logistik, Materialfluss, Fertigung, Montage. Nur ein paar Supervisor sitzen hinter einer Glasscheibe. Das, was dem Nerd strahlende Augen und dem Kaufmann reibende Hände verursacht, macht anderen Angst. Nicht nur denjenigen, die dort ihr Brot verdienen. Sondern auch den Unternehmern, die nicht wissen, was sie mit „Digitalisierung“ anfangen sollen und was sie womöglich verpassen. Kommen wir zurück zur Kirche, die im Dorf bleiben sollte. Das Unendliche-Möglichkeiten-Marketing-Geschwätz müssen wir jetzt schleunigst unterlassen. Ja, es gibt die Unternehmen, die mit ihren Finanzen, Kapazitäten und Fähigkeiten in der Lage sind, Modell­fabriken auf die grüne Wiese zu stellen. Doch viele sind das nicht. Es gibt schon mehr, die den pragmatischen Ansatz wählen und den Transport zwischen zwei Arbeitsschritten automatisieren, Aufgaben verketten und Daten für weitere Erkenntnisse nutzen, etwa für vorausschauende Wartung.
Den meisten kleineren und mitt­leren Unternehmen ist schon geholfen, wenn sie verständlich und pragmatisch erklärt bekommen, wie ihre Digitalisierung über ausgedruckte Excellisten hinaus gehen kann, wie bezahlbare und einfach bedienbare Software den Mitarbeitern hilft, weniger Fehler zu machen, Bestände zu reduzieren, Waren schneller – oder überhaupt – zu finden und für welche Prozesse das sinnvoll wäre. Diese Unterstützung beim Durchblick im Dschungel darf man meinetwegen gerne auch Digitalisierung 1.0 nennen.

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