Die Kolumne von Intra Logistik
Gerd Müller verteidigt nicht unsere Außengrenzen

In einer Zeit, in der Amerika und Nordkorea nicht miteinander reden, die AfD haushoch in den Bundestag reinprotestiert wird, Katalonien nicht mehr mit Spanien will, die Flüchtlingsfreiheit Europas im Niger zu verteidigen ist, Drohnenpiloten einen Führerschein brauchen und Bayern München auch beim Trainerfeuern nur zweiter ist, geht einem so einiges durch den Kopf. Sogar mir. Da ist es gar nicht so einfach, einen klaren Gedanken zu fassen.
Apropos reden. Beim Deutschen Logistik-Kongress in Berlin haben wir dazu wieder unheimlich viel Gelegenheit. „Freuen Sie sich auf einen branchenübergreifenden Dialog mit mehr als 3.000 Teilnehmern aus den Bereichen Industrie, Handel, Dienstleistung und Wissenschaft. Wagen Sie es, Neues zu denken und Digitales zu leben“, schreibt der BVL-Vorstandsvorsitzende Raimund Klinkner im Vorwort des Programms, und wir sind sicher gemeinsam mit dem Professor gespannt, wie viel Sauerstoff in diesen drei Tagen wieder in heißes CO2 umgewandelt wird, wo es doch eh schon so viel davon auf der Welt gibt.
„Brieftauben haben an den handgemeißelten Lieferscheinen ganz schön zu schleppen.“
Apropos Digital. Jetzt tun wir alle so, als gäbe es Software und Vernetzung und das Leben mit der Digitalisierung erst seit morgen, und heute schicken wir noch Brieftauben und meißeln unsere Lieferscheine in Steintafeln. Solange wir das Kongress-Sechs-Gänge-Menü nicht aus dem 3-D-Drucker pressen können, müssen wir noch mit Lieferwagen leben und in der Diskussion über „Perspektiven des Dieselantriebs in der nachhaltigen Stadtentwicklung“ zusätzliches heißes CO2 produzieren. Und dürfen dabei nicht außer Acht lassen, dass der Strom für die ganzen E-Autos zwar aus der Steckdose kommt, da ja aber auch irgendwie reinkriechen muss.
Da tut es ganz gut, wenn einer einen Marshall-Plan hat, zumindest für Afrika und zumindest auf Diskussionsebene. Auf das Podium steigen unter anderem der HSV-Erfolgsgarant Klaus-Michael Kühne und ein Unterabteilungsleiter aus dem Entwicklungshilfeministerium. Das Impulsreferat hält dessen Chef, der Müller Gerd. Der noch Entwicklungshilfeminister ist, nicht der Bomber der Nation. Wie komme ich jetzt gedanklich auf die Verteidigung der EU-Außengrenzen im Niger?
Exklusiv in materialfluss: Intra Logistik schreibt, was sie denkt. Sagen Sie Intra, was Sie denken: [email protected]









