Meinung
Jahr der Extreme
Glückwunsch! Wenn Sie dieses Editorial lesen, dann haben Sie es fast geschafft: Nur noch zwei Tage, dann ist Silvester, dann ist 2023 vorbei.
Das Jahr hatte mit der großen Hoffnung begonnen, dass Corona als Pandemie endlich überwunden ist und vielleicht sogar der Ukraine-Krieg zu einem guten Ende kommt. Immerhin, Corona-Erkrankungen verlaufen inzwischen glimpflicher, persönliche Treffen, Messen und Kongresse sind kein Problem mehr; das ist gut. Politisch steht die Welt allerdings extrem schlechter da als vor 365 Tagen: Die Offensive der Ukraine blieb weitgehend wirkungslos. Die brutalen Massaker, die palästinensische Terroristen in Israel begingen und der darauf folgende Krieg gegen die Täter sorgen für Hass und Ausschreitungen weltweit. Da bleibt nur die Hoffnung aufs neue Jahr.
Und die deutsche Wirtschaft? Nirgendwo sind die Extreme so ausgeprägt wie hier: Deutschland überholt Japan als drittgrößte Volkswirtschaft nach den USA und China – extrem verblüffend! Der wichtigste deutsche Aktienindex DAX erreicht ein Allzeithoch – extrem beeindruckend! Aber diese Jubelmeldungen geben nicht ganz die Gefühle von Sorge und Beklemmung in vielen deutschen Wirtschaftsunternehmen wieder: Bayer stürzt ab; Volkswagen muss massiv sparen und die Energiepreise drohen zu explodieren. Zahlreiche Einzelhandelskonzerne sind in die Insolvenz gerutscht, zuletzt die Signa Holding von René Benko, das Mutterunternehmen von Galeria Kaufhof. Oh, und reden wir nicht von der Infrastruktur in unserem Land, den bröckelnden Autobahnbrücken und der Deutschen Bahn, die im Fernverkehr im November eine Pünktlichkeitsquote von 52 Prozent erreichte – komplett ausgefallene Züge nicht mitgezählt, und fünf Minuten Verspätung gelten als pünktlich. Extrem schlecht ist das alles.
Die Extreme machen es schwer, ganz simple Fragen zu beantworten: Geht es uns wirtschaftlich gut? Geht es der deutschen Wirtschaft gut? Wird es uns gut gehen? Eine Antwort auf diese Fragen liefert der Arbeitskreis Steuerschätzung in seiner 165. Steuerschätzung vom 26. Oktober: 916,1 Milliarden Euro wird der Staat von seinen Bürgern erhalten; erheblich mehr als die 799,3 Milliarden Euro im letzten Vor-Corona-Jahr 2019 und ein Allzeit-Rekord. Er zeigt die hohe Leistungsfähigkeit von Deutschlands Menschen und Unternehmen. Extrem gut. Reichen werden diese Einnahmen der Bundesregierung allerdings nicht für ihre vorgesehenen Ausgaben. Extrem was-auch-immer!
Ich wünsche uns allen jedenfalls, dass 2024 ein extrem langweiliges Jahr wird. Ein Jahr, in dem die Konflikte im Sinne von Völkerrecht und Frieden gelöst werden und Terrororganisationen und Extremisten verschwinden. Ein Jahr, in dem wir konzentriert an unseren Unternehmen arbeiten, Projekte voranbringen und abschließen können.
Und für jetzt wünsche ich Ihnen eine extrem interessante Lektüre von materialfluss, Erholung und einen gelungenen Start ins neue Jahr!
Ihr
Daniel Schilling










