Logistik-Dienstleister
Kontraktlogistiker legt selbst Säge an
In einem neuen Lieferanten-Logistik-Zentrum (LLZ) in Krefeld übernimmt die BLG Logistics die Werksversorgung im Bereich Rohbau für einen Hersteller von Schienenfahrzeugen. Um die Lagerbereiche optimal anzuordnen, wurde das Layout vorher am Computer simuliert. Eins von 40 wurde umgesetzt.

Auf den 32.000 Quadratmetern des Lieferanten-Logistik-Zentrums bewirtschaftet die BLG zwei Hallen und ein Bürogebäude. Der Kunde nutzt das LLZ als Zentrallager für sein Stammwerk. In der „Kurzteilhalle“ befindet sich die Regallagerung. In der „Langteilhalle“ lagern bis zu 28 Meter lange Aluminiumprofile in Stapeljochen. „Als wir das neue Lieferanten-Logistik-Zentrum geplant haben, wollten wir wissen, wo wir in der Langteilhalle die Arbeitsbereiche optimal platzieren sollen“, sagt die Leiterin des LLZ, Cornelia Schollmeier. „Denn die Arbeitsbereiche werden durch unterschiedliche Krane versorgt, wobei die Gefahr bestand, dass diese sich gegenseitig blockieren. Das wollten wir von vornherein ausschließen.“ Cornelia Schollmeier und das BLG-Projektteam hatten als Lösung mehrere Layouts im Kopf. Diese konventionell durchzurechnen, wäre schwierig gewesen. Cornelia Schollmeier entschied sich daher, den Simulationsexperten der BLG, Michael Görges, hinzuzuziehen.
Erst mal am Computer simuliert
„Abläufe und Szenarien am Computer zu simulieren ist meine Leidenschaft“, sagt der Projektmanager für Forschung und Entwicklung. Görges war zuvor wissenschaftlich am Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) tätig. Er weiß: „Simulation gewinnt in Unternehmen zunehmend an Bedeutung, weil sie komplexe Sachverhalte anschaulich darstellt und die Entscheidungsfindung unterstützt.“ Die Simulation von Michael Görges zeigte, wie detailgetreu seine Modelle aussehen können: Umgeben von einer grünen Rasenfläche sind auf einem Bildschirm die Wände einer Halle erkennbar, durch deren Zentrum sich ein Förderband schlängelt. Ein Klick mit der Maustaste haucht dem statischen Modell Leben ein. Kleine Pakete bewegen sich über das Förderband. Ein Mitarbeiter kommissioniert ein Paket. Dann geht es weiter zu anderen Paketen, die schon auf den Abtransport warten.
40 Varianten errechnet
Simulationen bilden komplexe Prozesse ab, um konkrete Fragen zu beantworten: Was passiert, wenn eine Maschine ausfällt? Wie funktionieren unterschiedliche Steuerungsregeln miteinander? Welche Folgen hat eine Erweiterung der Lagerfläche? Für das LLZ in Krefeld simulierte Michael Görges die Machbarkeit 40 verschiedener Layout-Varianten für die Arbeitsbereiche in der Langteilhalle.
„Gemeinsam mit dem Kunden haben wir uns schließlich für die effektivste Variante entschieden“, sagt Cornelia Schollmeier. „Die Simulation hat uns entscheidend geholfen.“ Seit Oktober 2014 läuft das LLZ im Regelbetrieb und die gewählte Variante bewährt sich. Neben einem maßgeschneiderten Logistikkonzept erforderte die Lagerung und das Handling der bis zu 28 Meter langen Aluminiumprofile auch die Anschaffung besonderer Geräte und Anlagen.
Sägen, Lasern, Waschen – gehört alles dazu

In Krefeld hat die BLG in zwei Hochleistungssägen und einen Laser zur Reinigung von Profilen und Modulen investiert. Gemäß Fertigungsauftrag werden die Aluminiumprofile und Rohre auf eine bestimmte Länge gesägt. Dafür kommen Sägeanlagen zum Einsatz. „Die kleinere der beiden Sägen dient zum Ablängen von Kleinstmaterial und Rohren“, erklärt der Director Operations in Krefeld, Torsten Schulz. „Auf der großen Säge mit einem Gewicht von 7,2 Tonnen werden die bis zu 28 Meter langen Aluminiumhohlkammerprofile auf die gewünschte Länge geschnitten. Dabei sind Durchmesser bis zu 800 Millimeter oder mehrere Lagen Profile übereinander kein Problem.“ Ein automatischer Greifer inklusive Vorschubeinheit führt die Profile der Säge zu.
In der Laseranlage findet die Schweißnahtreinigung von Profilen und Modulen statt, die in der Rohbaufertigung von Schienenfahrzeugen benötigt werden. Dabei entfernt der Laser die oberste Oxydschicht und Verunreinigungen entlang der Schweißnaht. Da die gesamte Krefelder Anlage in der höchsten deutschen Laserschutzklasse geführt wird, mussten umfangreiche Sicherheitsauflagen erfüllt werden. Die angeschlossene Großwaschanlage besteht aus zwei je 10.000 Liter fassenden, auf 60 Grad aufheizbaren Becken. Ein Becken dient zur Reinigung der Teile, im zweiten werden sie gespült. Die Anlage wird über einen Portalkran bedient, der die zweimal drei Meter großen und mehrfach unterteilbaren Waschkörbe direkt in die Becken befördert. Die Aluminiumteile werden nach einem genauen Waschprogramm gereinigt.
„Als Logistikdienstleister sind wir eng mit der Produktion des Kunden vernetzt und stellen uns auf seine Bedürfnisse ein“, erläutert LLZ-Leiterin Cornelia Schollmeier. Ein derartiges Leistungspaket ist im Ge-schäftsbereich Kontraktlogistik daher nichts Ungewöhnliches. Die BLG übernimmt für viele Kunden kom-plett oder teilweise wertsteigernde Dienstleistungen. In diesem Fall gehören die Arbeiten an der Laseranlage, den beiden CNC-Großsägen, im halbautomatischen, kranbedienten Jochlager und der Waschanlage zu den speziellen Dienstleistungen für den Hersteller von Schienenfahrzeugen in Krefeld.
Julia Schmelter
Kontakt:
BLG Logistics Group AG & Co. KG D-28203 Bremen Tel.: 04 21 / 3 98-01 E-Mail:









