Aus materialfluss 4/2020

Aufschlagszahlungen bei ­Betreibermodellen

Der Logistikmarkt ist im Umbruch: Hochautomatisierte Anlagen und der damit einhergehende Investitionsbedarf führen dazu, dass sogenannte „Betreibermodelle“ an Relevanz gewinnen. In einer Marktanalyse nahmen Logivest und Stephan Meyer Management Consulting die Aufschlagshöhen bei Kontraktlogistikdienstleistern unter die Lupe.

© shutterstock

Beim Betreibermodell bleibt typischerweise die Logistik­immobilie inklusive der immobilen Assets im Besitz des Auftraggebers, während der Logistikdienstleister den Betrieb übernimmt. Auf Seiten der ­Auftraggeber herrscht oft noch Unsicherheit darüber, ob dieses System eine passende Lösung für ihre Unternehmen darstellt. Grund der Skepsis sind die Aufschläge, welche die Dienstleister in ihre Kalkulation mit einbeziehen. Anders als die herkömmlichen Faktorkosten, sind Höhe und Zusammen­setzung dieser Zahlungen oft schwer nachvollziehbar. So gehen viele Auftraggeber davon aus, dass sich die Spannbreite ­zwischen fünf und fünfzehn Prozent bewegt. Fälschlicherweise, wie eine repräsentative Umfrage der Logivest GmbH zusammen mit Stephan Meyer Management Consulting zeigt.

Kuno Neumeier, Geschäftsführer der Logivest-Gruppe © Logivest

Befragt wurden Logistikberater und Auftraggeber zu den Aufschlägen konkreter Projekte der letzten Jahre. Für die Analyse wurde der Aufschlag als kombinierter prozentualer Aufschlag auf die direkten und indirekten Kosten des operativen Betriebs definiert, um sowohl die Gemeinkosten als auch den Gewinn des Kontraktlogistikdienstleisters abzudecken. Ausgangs­szenario sollte dabei jeweils ein reines Lagerlogistik­geschäft und ein Betreibermodell in Deutschland sein, bei dem der ­Kunde Immobilie, Assets und Lagerverwaltungssystem ­unentgeltlich zur Verfügung stellt und der Logistikdienstleister die Anlage mit eigenem Personal betreibt. Ferner sollten die Projekte eine Vertragslaufzeiten von mindestens fünf Jahren und einen Jahresumsatz von drei bis acht Millionen Euro haben.

Anzeige
Stephan Meyer, freiberuflicher Unternehmensberater © Logivest

Aufschlagskalkulation zwischen neun und zehn Prozent Das Ergebnis zeigt eine deutliche Tendenz zu Aufschlägen ­zwischen neun und zehn Prozent. Inklusive Ausreißer durch besonders große, renommierte Projekte mit geringeren Aufschlägen und kleinere, risikobehaftete Projekte mit höheren Aufschlägen, liegt der Mittelwert der Umfrage bei 9,7 Prozent. „Das Ergebnis deckt sich sehr gut mit meinen Erfahrungen aus den eigenen Projekten und der steigenden Anzahl von ­Betreibermodellen im Markt“, so Berater ­Stephan Meyer. „Mit diesem Resultat können wir Auftrag­gebern einen guten Richtwert – und damit auch mehr Einblick bei der Bewertung dieser Outsourcing-Variante – an die Hand geben.“

„Unser Ziel ist es, die Interaktion zwischen Auftraggebern und Logistikdienstleistern zu unterstützen und die Qualität in der Zusammenarbeit weiter zu steigern“, sagt Kuno Neumeier, Geschäftsführer der Logivest. Bereits 2019 hatte Logivest ­zusammen mit Stephan Meyer den LogiVisor Award initiiert, um Logistikdienstleister und Auftraggeber auf einer zentralen Plattform zusammenzubringen und innovative Logistik­lösungen zu präsentieren. Mit der aktuellen Analyse stellen die ­Initiatoren nun einen wichtigen Richtwert für die erfolgreiche Zusammenarbeit bei Betreibermodellen zur Verfügung.

Betreibermodelle: Outsourcing auf klassischem Wege
Betreibermodelle sind eine klassische Form des Logistik-­Outsourcing. Bei dieser Lösung legt der Auftraggeber zum ­Beispiel den Standort fest und fixiert, basierend auf den ­Wareneingangs- und Strukturdaten die Lager- & Kommissionierungsstrategie. Also wie viel Ware geht in welcher Form und wann in das Lager ein und wie viel wird wie versendet.

Bei dem darauffolgenden Outsourcing-Prozess wird genau festgelegt, wie die Aufgabenaufteilung zwischen Logistikdienstleister und Auftraggeber aussieht. Hierbei unterteilt man ­üblicherweise in die drei übergeordneten Themenfelder: IT-Abwicklung, kaufmännische und physische Abwicklung. Die Übernahme reicht dabei von einer reinen Pick-Pack-Ship-Dienstleistung bis hin zu einer kompletten Durchführung des gesamten Betreiberprozesses – beispielsweise Bestellannahme, Auslieferungs- und Debitorenservice. So stellt etwa der ­Auftraggeber die Immobilie samt Infrastruktur, während der Logistikdienstleister das Personal mitbringt und für Waren­eingangshandling, Lagerverwaltung und -management, ­Kommissionierung und Versand verantwortlich ist. Der Auftraggeber kann somit die Effizienz seiner Logistik sicherstellen, Kosten sparen, da der Dienstleister die Aufgabe kostengünstiger und professioneller anbieten kann und verzichtet auf ­Personaleinstellungen. Im Gegenzug stellt er die ­Logistikfläche inklusive der immobilen Assets und hält somit auch die ­Immobilie und die Intralogistik in seinem ­Bestand.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Aus materialfluss 5/2020

Nachhaltigkeit in Echtzeit

Die Corona-Krise hat starke Auswirkungen auf unser Leben und beeinflusst auch die Umwelt – hier jedoch positiv: Die aktuelle Situation beschert uns eine erfreuliche Kohlenstoffdioxid-Bilanz. Agile ­Lieferketten mit der richtigen Transportsoftware...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem materialfluss NEWSLETTER

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite