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Artikel und Hintergründe zum Thema

Lagertechnik

Daniel Schilling,

Digitale Lagerverwaltung für Mittelständler

Waren vor einigen Jahren noch sämtliche Prozesse in den verschiedenen Lagern des mittelständischen Unternehmens Sanitär-Heinze papiergebunden, so sind sie heute komplett digitalisiert.

Dank der Umstellung sind die Arbeitsabläufe nicht nur transparent und weniger fehleranfällig, sondern auch die Effizienz der Mitarbeiter hat sich deutlich erhöht und ihre Kapazitäten können für wertschöpfende Tätigkeiten eingesetzt werden.

Der Mittelständler Sanitär-Heinze hat sämtliche Prozesse in den verschiedenen Lagern digitalisiert. © FIS

Kommissionierung mit Papierlisten, die an einem zentralen Drucker abgeholt werden mussten, unnötige Wege, hoher manueller Aufwand und wenig Effizienz trotz schwieriger Personalknappheit: So sah der Arbeitsalltag in den Lagern von Sanitär-Heinze 2016 vor Beginn des Projektes aus. Mit FIS Informationssysteme und Consulting fand das Unternehmen den passenden Partner, um mit einer umfassenden Digitalisierung Abhilfe zu schaffen und ein Warehouse Management System vollumfänglich einzuführen. Genau ein Jahr später wurde die Lösung in der neuen Firmenzentrale im bayerischen Ainring produktiv gesetzt. "Den Neubau haben wir als Anlass für die Digitalisierung des Lagers genommen", erinnert sich Jörg Teering, IT-Leiter und langjähriger Mitarbeiter bei Sanitär-Heinze. "Ziel war es deshalb, dass mit Bezug des neuen Lagers gleichzeitig die digitale Lagerverwaltung in Betrieb genommen werden kann."

Das ist gelungen, denn Papier spielt im Lager der Firmenzentrale seither keine Rolle mehr: Anstatt dass die Mitarbeiter ihre Kommissionslisten zentral ausdrucken müssen, erhalten sie ihre Aufträge direkt auf ihre mobilen Handscanner oder – seit Kurzem – auf ihre Kopfhörer. "In Ainring haben wir zudem vor einigen Wochen Pick-by-Voice als Alternative für unsere Mitarbeiter eingeführt", so Teering: "Die Kommissionierer, die damit arbeiten, sind dadurch noch mal schneller geworden". Ein Muss ist Pick-by-Voice jedoch nicht, kann es aufgrund von Barrierefreiheit auch nicht sein – denn im Lager sind auch gehörlose Mitarbeiter tätig, die gesprochene Anweisungen nicht umsetzen können. "Eine gewisse Flexibilität bei der Auswahl an Tools für unsere Lagerarbeiter ist uns grundsätzlich wichtig", betont Teering. So könnten Kommissionslisten bei Bedarf auch immer noch ausgedruckt werden, im Falle eines WLAN-Ausfalls zum Beispiel. Und für die digitale Kommissionierung stehen den Mitarbeitern sowohl Staplerterminals im Hochregallager als auch MDE-Geräte im Kleinteilelager zur Verfügung.

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Warehouse Management mit zentralem Monitoring an 16 Standorten ausgerollt

Statt des zentralen Druckers steht in den Lagern von Sanitär-Heinze nun das zentrale Monitoring zur Steuerung und Überwachung aller Lagerprozesse im Fokus. "Da alle Kommissionierer online arbeiten, können sie in Echtzeit gesteuert werden", beschreibt Markus Feser, Senior-Berater und Projektleiter bei FIS, einen Vorteil des digitalen Lagerverwaltungssystems. Ist beispielsweise die Arbeitslast in einem Teil des Lagers besonders hoch, können Mitarbeiter kurzfristig dorthin umgeschichtet werden. Besonders hebt Jörg Teering auch die sogenannte Bypass-Funktion im Wareneingang hervor: Kundenkontierte Ware wurde bisher vom Lieferanten angeliefert und im nächsten Arbeitsschritt vorerst in den vorgesehenen Lagerbereich eingelagert. Dies war zugleich mit mehreren aufwendigen Arbeitsschritten verbunden, wie beispielsweise die Dekonsolidierung im Wareneingangsbereich, das Einlagern und die anschließende Wareneingangsbuchung. Bei der Auslagerung musste diese wiederum von einem anderen Mitarbeiter kommissioniert und versandfertig gemacht werden – weitere ineffiziente Arbeitsschritte bei meist knapper Personaldecke. "Jetzt wird die Ware automatisch über das System als Bypass-fähig erkannt und der Mitarbeiter im Wareneingang macht sie direkt versandfertig. Dadurch entfallen die zeitaufwändigen und in diesem Fall unnötigen Zwischenschritte", beschreibt Teering.

Ob Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Inventur, Umlagerung oder Warenausgang – über alle Lagerprozesse hinweg hat FIS das Warehouse Management bei Sanitär Heinze optimiert. Dabei wurden auch sogenannte SAP-Optimierungen von FIS eingesetzt. "Das sind fertige, modulare Funktionen unserseits, mit denen wir die Effizienz und den Funktionsumfang des SAP-Systems erweitern", erklärt Feser. Sanitär-Heinze erhielt so auf eine seine Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen, die zuerst am Hauptstandort in Ainring eingeführt und nach und nach auf 15 weitere Standorte ausgerollt wurde – am 16. Standort ist das Lagerverwaltungssystem seit Februar 2023 produktiv, genau sieben Jahre nach Projektbeginn. Da es sich um eine generische Lösung handelt, war der Rollout an den nachfolgenden Standorten zwar leichter, den einzelnen Lagern wurde aber nicht einfach eine Lösung übergestülpt. "Wir haben an jedem Standort die Verantwortlichen einbezogen, um gemeinsam notwendigen Optimierungsbedarf zu identifizieren", beschreibt Feser. "Der Vorteil der generischen Lösung, die an allen Standorten gleich eingesetzt wird, besteht darin, dass alle Standorte von neuen Funktionalitäten oder Anpassungen, die aufgrund des Bedarfs an einem Lager entwickelt wurden, profitiert haben."

Stolpersteine gemeinsam aus dem Weg geräumt

Auch der Faktor Mensch spielt beim Gelingen der Digitalisierung eine entscheidende Rolle. "Manchen Mitarbeitern fiel die Umstellung leichter als anderen", weiß Teering. Wichtig war daher ein begleitendes Change-Management. "Wir haben die Verantwortlichen an jedem Standort früh mit ins Boot geholt, um sie als Brückenpfeiler und Fürsprecher einsetzen zu können", erklärt Feser. Besonders wichtig war das am Standort in Südtirol. "Die Mentalität ist dort eine andere, und natürlich auch die Sprache", weiß Teering. Manche Mitarbeiter sprechen ausschließlich Italienisch, entsprechend musste das Warehouse Management auch mehrsprachig ausgelegt werden. "Die Muttersprachler vor Ort haben uns sehr mit den Übersetzungen geholfen", erinnert sich Feser, was ebenfalls für die gute Zusammenarbeit während des kompletten Projektverlaufes spricht.

Mit Unterstützung von FIS konnte das mittelständische Unternehmen Sanitär-Heinze seine Lagerprozesse an 16 Standorten vollständig digitalisieren und durch die Effizienz hinsichtlich der Prozesse und Mitarbeiter auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Alle Lagerprozesse, besonders im Warenein- und -ausgang lassen sich per Monitoring zentral überwachen und steuern, dadurch können Mitarbeiter viel flexibler eingesetzt werden. Mit Pick-by-Voice und Freestyle Picking bietet Sanitär-Heinze zudem hochmoderne Arbeitsweisen an, was die Mitarbeiter zusätzlich entlastet und die Fehlerquoten reduziert.

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