Flexible Prozess-Struktur mit Witron

Martin Schrüfer,

Integration aller Vertriebswege

© Witron

Während des laufenden Betriebes wird in Skandinavien derzeit ein leistungsstarkes Store-Logistik- Zentrum zu einem Omnichannel-Logistikzentrum erweitert.

Seit April 2012 kommissioniert der finnische Logistik-Dienstleister Inex Partners, Tochter des Handelsunternehmens SOK, sämtliche General-Merchandise-Artikel am Standort Sipoo mit automatisierten und manuellen Logistiksystemen des Generalunternehmers Witron. Wurden bisher aus der 68.000 Quadratmeter großen Anlage in der Nähe von Helsinki ausschließlich die 1.000 Filialen des Konzerns aus einem wechselnden Sortiment von jährlich mehr als 300.000 verschiedenen Artikeln beliefert, wird künftig auch die Logistik für das schnell wachsende E-Commerce-Geschäft sowie die Abwicklung von Click-and-Collect-Aufträgen integriert. Ziel von SOK/Inex ist es, unterschiedlichste Vertriebswege zentral aus einem Logistikzentrum wirtschaftlich und flexibel abzuwickeln – Filiale, Click and Collect sowie Home-Shopping.

Flexible Prozess-Struktur

Das Verteilzentrum gilt als eines der leistungsstärksten Logistikzentren in Nordeuropa, ausgelegt für eine tägliche Kommissionierleistung von mehr als einer Million Pickeinheiten – Kleidung, Kosmetik, Sportartikel, elektronische Geräte, DVDs, Gartenartikel und Möbel. Bei vielen Non-Food-Artikeln gibt es permanente Wechsel – durch Mode, Geschmack, Trends, Jahreszeiten. Das erfordert hochdynamische und flexible Materialfluss-Prozesse. Diese hohe Flexibilität für die Belieferung von rund 1.000 Filialen ist ein entscheidender Faktor bei der Erschließung und logistischen Integration weiterer Vertriebswege wie Click and Collect und das Home-Shopping.

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Nicht nur pandemiebedingt steigt der Anteil online bestellter Waren auch in Finnland stetig. Bislang konnten die Online-Bestellungen noch direkt in der Filiale von den Store-Mitarbeitern manuell kommissioniert und von dort aus versandt werden, Inzwischen ist diese Vorgehensweise nicht mehr wirtschaftlich und auch hinsichtlich der erwartbaren Steigerung des Auftragsvolumens nicht mehr leistbar.

Vielmehr entlastet die zentrale Abwicklung im Logistikzentrum die Mitarbeiter im Store. Sie geht schneller, flexibler und kostengünstiger vonstatten. Im Logistikzentrum picken die Mitarbeiter kleinvolumige Artikel mit der teilautomatisierten Goods-to-Person-Lösung DPS (Dynamic Picking System) Pick-by-Light-geführt von Lagerbehälter oder Lagerpalette in den Versandbehälter. Mit dem teilautomatisierten, Pick-by-Voice-unterstützten CPS (Car-Picking-System) werden großvolumige und schwere Artikel in der Pickgasse von der Lagerpalette oder den Trays wegeoptimiert in Rollcontainer verbracht. Für den Worker ist es nicht relevant, um welche Auftragsart es sich dabei handelt. Aufgrund des üblicherweise geringen Artikel-Volumens der E-Commerce-Aufträge werden bei der Kommissionierung Behälter gebildet, in die für mehrere Online-Kunden parallel kommissioniert wird.

Nach Abschluss der Kommissionierung werden sämtliche DPS-Auftragsbehälter mit Online-Bestellungen in einem automatisierten Order-Consolidation-Puffer zwischengelagert, anschließend mechanisiert auf Paletten gestapelt und mittels Stapler in einen E-Commerce-Sortierbereich gebracht. Dort treffen sie auf die Rollcontainer aus dem CPS-Bereich. Im jetzt beginnenden Konsolidierungsprozess werden sämtliche kleinvolumige und großvolumige Artikel gescannt und in einem Fachbodenregal manuell der jeweiligen Kundenbestellung zugeordnet, nachfolgend verpackt und für den Versand vorbereitet. Bei Bestellungen von Einzelartikeln entfällt der Konsolidierungsprozess. Sie werden gescannt und von der Kiste in den Karton gepackt. Ein Dienstleister bringt die Bestellungen direkt an die Haustür des Kunden; alternativ kann die Auslieferung auch in die Filialen erfolgen.

Hohe Durchgängigkeit – bis hin zu den Retouren

Die während des laufenden Betriebes integrierten Abläufe überzeugen mit ihrer Durchgängigkeit. Prinzipiell stehen dem SOK/Inex-Kunden sämtliche Artikel aus dem im Jahr bis zu 300.000 Produkten umfassenden General-Merchandise-Sortiment zur Verfügung  – nicht nur als Handelseinheit, sondern auch als „Single Items“. Die Bildung der Einzelstücke wird dynamisch je nach Bedarf bereits im Vorfeld der Kommissionierung in einem separaten Prozess generiert. Im Logistikzentrum erfolgt außerdem die komplette Abwicklung der Retouren, die dem Lagerbestand wieder zugeführt werden. Für Inex bedeuten die neuen Prozesse eine wirtschaftliche und flexible Abwicklung für alle Vertriebswege – mit dem gleichen Logistik-Personal und der gleichen Technologie sowie die Möglichkeit, schnell auf Schwankungen und Auftragsspitzen reagieren zu können.

Der Beitrag erschien in materialfluss 6/22.

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