Belastete Neunmonats-Zahlen

Martin Schrüfer,

KIONs EBIT bereitet Sorgen

Die KION Group hat die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2022 mit einem soliden Auftragseingang und einem – insbesondere vom Segment Industrial Trucks & Services (ITS) getriebenen – starken Umsatz abgeschlossen. Der Free Cashflow und das EBIT bereinigt waren deutlich belastet.

Die hohe Inflation und die zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheiten haben die Geschäftstätigkeit des Konzerns im dritten Quartal 2022 weiter erheblich geprägt. Darüber hinaus hat sich die weiterhin ungünstige Kostenentwicklung verbunden mit Störungen in den Lieferketten zunehmend negativ ausgewirkt. Die entstandenen Ineffizienzen aufgrund von fehlender Verfügbarkeit wichtiger Teile an den Projektstandorten führten im Segment Supply Chain Solutions zu Projektverzögerungen und damit zu höheren Gesamtprojektkosten. Das sehr volatile makroökonomische Umfeld verstärkte interne Ineffizienzen im Projektmanagement und der -implementierung zusätzlich. Auch im Segment Industrial Trucks & Services haben sich stark gestiegene Material-, Energie- und Logistikkosten sowie die anhaltenden Engpässe bei Zulieferteilen und Komponenten weiterhin negativ auf das Ergebnis ausgewirkt.

Das EBIT bereinigt der KION Group liegt mit -101,1 Mio. € (Vorjahr: 228,9 Mio. €) für das dritte Quartal 2022 am oberen Ende der im September 2022 kommunizierten Erwartung mit einer Größenordnung von -140 bis -100 Mio. €.

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„Im unverändert volatilen Marktumfeld hat die KION Group ihre Maßnahmen zur Kostenreduktion sowie zur Verbesserung ihrer Projektmanagement-Prozesse zusätzlich intensiviert. Darüber hinaus setzt der Konzern weiterhin auf eine Stärkung seines Zulieferernetzwerkes und auf agile Preisanpassungen“, sagt Rob Smith, Vorstandsvorsitzender der KION GROUP AG. „Zudem haben wir im dritten Quartal eine zielgerichtete Roadmap mit Maßnahmen zur Steigerung unserer Profitabilität – insbesondere im Projektgeschäft – erarbeitet, die wir nun konsequent umsetzen.“ Dazu gehört unter anderem die Risikominderung bei sämtlichen Projektverträgen durch Preisanpassungsklauseln sowie eine Verbesserung der Beschaffungsprozesse und der Ausbau des Zuliefernetzwerkes. Ferner wird die Angebotserstellung optimiert, die Lösungskonzeption zu Beginn der Projekte weiter verbessert und ein noch stärkerer Fokus auf die Risikosteuerung im gesamten Portfolio gelegt.

Der Auftragseingang der KION Group lag nach neun Monaten des Jahres 2022 mit 9,172 Mrd. € um 2,0 Prozent über dem hohen Vergleichswert aus 2021. Das Segment Industrial Trucks & Services steigerte den Auftragseingang im Berichtszeitraum um 17,5 Prozent auf 6,732 Mrd. € (Vorjahr: 5,731 Mrd. €), obwohl das Marktumfeld durch die makroökonomischen Unsicherheiten belastet war. Ein wesentlicher Teil des Anstiegs geht auf die bisherigen Preiserhöhungen zurück – insbesondere in der Region EMEA. Im dritten Quartal 2022 lag der Auftragseingang von 1,905 Mrd. € um 11,4 Prozent über dem Vorjahresquartal 2021. Das Segment Supply Chain Solutions verzeichnete im Neunmonatsvergleich beim Auftragseingang ein Minus von 24,1 Prozent auf 2,480 Mrd. € (Vorjahr: 3,267 Mrd. €). Im dritten Quartal 2022 lag der Auftragseingang bei 614 Mio. €, das im Vergleich zum Rekordwert des Vorjahres einem Minus von 56,1 Prozent entspricht. Während im Vorjahr einige Großaufträge das Auftragsbuch sehr gut gefüllt hatten, war das geringere Bestellvolumen im Berichtsquartal auch durch spürbare kundenseitige Verschiebungen von Aufträgen beeinträchtigt. Ebenso haben sich eine insgesamt rückläufige Nachfrage von E-Commerce-Kunden sowie zwei nennenswerte Auftragsstornierungen auf Kundenseite im Auftragseingang ausgewirkt. Der Auftragsbestand des Konzerns erhöhte sich zum 30. September 2022 entsprechend auf 7,697 Mrd. € (Ende 2021: 6,658 Mrd. €).

Der Konzernumsatz summierte sich nach neun Monaten 2022 auf 8,243 Mrd. € und übertraf den Vorjahreswert
(7,534 Mrd. €) um 9,4 Prozent. Im dritten Quartal wurde ein Umsatzanstieg von 5,5 Prozent auf 2,706 Mrd. € erreicht. Der Gesamtumsatz im Segment Industrial Trucks & Services stieg im Berichtszeitraum um 11,3 Prozent auf
5,288 Mrd. € (Vorjahr: 4,750 Mrd. €). Aufgrund der verlängerten Lieferzeiten basierte der Umsatzanstieg größtenteils auf dem Auftragsbuch des Vorjahres. Aus diesem Grund wirkten sich die dynamischen Preiserhöhungen in den ersten neun Monaten für Flurförderzeuge noch nicht spürbar auf den Umsatz des Segments Industrial Trucks & Services aus. Hohe Auslieferungen an Fahrzeugen noch zum Ende des dritten Quartals führten indes im Quartalsvergleich zu einem deutlichen Umsatzanstieg. Im Segment Supply Chain Solutions erhöhte sich der Gesamtumsatz um 6,3 Prozent auf 2,970 Mrd. € (Vorjahr: 2,794 Mrd. €) – hauptsächlich bedingt durch ein starkes Wachstum im Service-Geschäft.

Das EBIT bereinigt der KION Group ging im Berichtszeitraum auf 210,6 Mio. € (Vorjahr: 691,1 Mio. €) zurück. Die EBIT-Marge bereinigt verringerte sich damit deutlich auf 2,6 Prozent (Vorjahr: 9,2 Prozent). Das EBIT bereinigt des Segments Industrial Trucks & Services verringerte sich im Neunmonatsvergleich auf 300,4 Mio. € (Vorjahr: 423,1 Mio. €). Im dritten Quartal 2022 lag das EBIT bereinigt mit 102,6 Mio. € um 29 Prozent unter dem Vorjahresquartal (Q3 2021: 144,5 Mio. €). Die gestiegenen Kosten konnten bislang kaum durch die Anhebungen der Verkaufspreise in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 kompensiert werden, da vorwiegend die vor den Preisanpassungen erhaltenen Aufträge abgearbeitet wurden. Die EBIT-Marge bereinigt lag in den ersten neun Monaten 2022 bei 5,7 Prozent (Vorjahr: 8,9 Prozent). Im dritten Quartal 2022 hat sich die EBIT-Marge bereinigt dank eines höheren Umsatzvolumens im Vergleich zum Vorquartal um rund 0,8 Prozentpunkte verbessert.

Das EBIT bereinigt des Segments Supply Chain Solutions lag in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 bei
-32,2 Mio. € und damit signifikant unter dem Vorjahreswert (336,6 Mio. €). Im dritten Quartal 2022 fiel das EBIT bereinigt aufgrund der oben beschriebenen Effekte mit -182,0 Mio. € deutlich negativ aus. Die negative EBIT-Marge bereinigt belief sich im Neunmonatszeitraum entsprechend auf -1,1 Prozent (Vorjahr: 12,0 Prozent).

Das Konzernergebnis lag im Berichtszeitraum mit 66,9 Mio. € deutlich unter dem Vorjahreswert (430,8 Mio. €). Darin enthalten sind negative Sondereffekte aus dem Russlandgeschäft (nach Steuern) von rund 34 Mio. €.

Der Free Cashflow lag mit -971,9 Mio. € sehr deutlich im Minus (Vorjahr: 134,7 Mio. €). Hierzu trug der erhebliche Aufbau des Net Working Capital maßgeblich bei.

KION Group beabsichtigt, sich aus dem Russland-Geschäft vollständig zurückzuziehen

Die KION Group hat umgehend auf den Krieg in der Ukraine reagiert. Der Konzern hat und wird sich weiterhin an sämtliche Sanktionen halten. Der Vorstand der KION GROUP AG hat inzwischen entschieden, sich vollständig aus dem Russland-Geschäft zurückzuziehen. Hierzu werden bereits Optionen geprüft. Weniger als 1 Prozent des weltweiten Umsatzes der KION Group entfielen im Jahr 2021 auf Russland und Belarus.

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