Christian Bischof im Interview

Marvin Meyke,

„Baoli muss weltweit keinen Vergleich scheuen“

Es wäre unangebracht, beim Gedanken an Stapler der Kion-Gruppe immer nur an Still und Linde Material Handling zu denken. Baoli, dritte Marke im Bunde, hat viel vor, wie Christian Bischof, Managing Director Baoli EMEA, im Interview zu berichten weiß.

© Baoli

materialfluss: Sie hatten lange Zeit einen beneidenswert interessanten Job im KION-Konzern. Warum haben Sie Ihre „Komfortzone“ verlassen und wurden vor einigen Monaten Managing Director des Flurförderzeug-Herstellers Baoli in EMEA?

Christian Bischof (lächelnd): Nach drei Jahren in der Konzernzentrale als Senior Director Market Intelligence & Corporate Strategy wollte ich meinen Horizont erweitern und etwas Neues machen. Und ich bleibe ja beim Konzern. Vielmehr bin ich – dadurch, dass Baoli ebenfalls zu den KION-Marken zählt – nach wie vor sehr gerne Mitarbeiter des Konzerns, den ich bereits seit sehr langer Zeit begleite. Während meiner Zeit bei KION North America habe ich bereits enge Schnittstellen zu Baoli aufgebaut. In den USA war ich unter anderem für die Einführung und den Ausbau von Baoli zuständig. Damals habe ich auch erkannt, welch großes Potenzial in der Marke schlummert. Das hat mich gereizt.

mfl: Das wirft natürlich gleich die nächsten Fragen auf – von welchem Potenzial reden wir, und wo wollen Sie Baoli in Europa, dem mittleren Osten und Afrika hinführen?

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Bischof: Möglicherweise empfinden Sie meine Antwort auf diese Frage etwas gewagt. Doch mein klares Ziel ist es, Baoli im Flurförderzeug-Einstiegssegment zu einem der führenden Anbieter in allen EMEA-Ländern zu entwickeln. Hier wollen wir die „top of the mind“-Position erlangen. Wer künftig an robuste Lösungen für den täglichen Materialumschlag mit zuverlässigen und einfach zu bedienenden Geräten mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis denkt, dem soll zuallererst Baoli einfallen. Allerdings ist mir bei dieser Ankündigung sehr wohl bewusst, dass wir uns in einem sehr begehrten und dadurch sehr hart umkämpften Umfeld bewegen. Das Einstiegssegment wächst derzeit enorm schnell, viel schneller noch als der Rest des Marktes. Dennoch sehe ich sehr gute Chancen für Baoli in EMEA.

mfl: Das ist in der Tat eine sehr mutige Prognose. Ihnen ist aber schon bewusst, dass es – insbesondere in Deutschland und im restlichen Europa – immer noch starke Vorbehalte gegenüber chinesischen Flurförderzeugherstellern gibt?

Bischof: Diese Ressentiments sind mir natürlich bekannt – wenn auch nicht immer gerechtfertigt. Bei uns stellt sich die Situation zudem allerdings völlig anders dar als bei unseren chinesischen Wettbewerbern. Zwar wurde die Gabelstaplermarke Baoli 2003 in China gegründet, doch bereits 2009 vom globalen Intralogistik-Konzern KION Group – also dem weltweit zweitgrößten Hersteller von Flurförderzeugen – übernommen. Diese Gruppenzugehörigkeit setzt enorme Synergien frei und stärkt unsere Marke immens, zumal die KION Group AG in Frankfurt, sprich in Deutschland, beheimatet ist. Bei unseren Produkten bieten wir europäische Qualitätsstandards, aber wir nutzen unsere Fertigungskompetenz in China – und die ist preiswerter als in Europa. Einmal anders formuliert: Wir vereinen europäische Entwicklungs-DNA mit kostenbewussten chinesischen Produktionsmethoden. Dabei entstehen hoch qualitative und sehr wettbewerbsfähige Produkte, die im Flurförderzeug-Einstiegssegment weltweit keinen Vergleich scheuen müssen.

mfl: Und wie sieht es mit dem Service aus? Wie Sie sicher wissen, kann sich kein Nutzer von Flurförderzeugen leisten, vier Wochen oder länger auf Ersatzteillieferungen aus China zu warten.

Bischof: Auch in diesem Punkt unterscheiden wir uns grundlegend von unseren Marktbegleitern, indem wir unser Angebot im Bereich After-Sales-Lösungen während der vergangenen Jahre sehr stringent ausgebaut haben. Dafür errichteten wir beispielsweise im italienischen Rolo ein zentrales Produkt- und Ersatzteillager. Auf einer Fläche von etwa 14.000 Quadratmeter halten wir dauerhaft rund 700 bis 800 Stapler für sofortige Lieferungen bereit und verfügen zudem über 11.000 Quadratmeter Ersatzteilfläche. Von dort aus können wir nahezu jedes Ersatzteil in 24 Stunden europaweit liefern. Aber vielleicht hilft ein weiteres Beispiel dabei, unsere hohen Qualitätsanforderungen nachzuvollziehen. Während andere chinesische Anbieter die Betriebsanleitungen ihrer Produkte allenfalls in englischer Sprache anbieten, übersetzen wir jede Anleitung sehr aufwändig in die jeweilige Landessprache. Diese sehr hohen Qualitätsstandards werden Sie bei Baoli, geprägt durch die KION-Philosophie, in allen Bereichen finden – von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Kundendienst.

mfl: Aber die Fertigung der Baoli-Maschinen findet ausschließlich in China statt?

Bischof: Das ist richtig. Wir haben unsere angestammte Produktionsstätte in der Region Shanghai. Ende Dezember hat KION ein zusätzliches Werk für die Fertigung von Gegengewichtsstaplern in Jinan (Provinz Shandong) eröffnet, in dem auch Baoli-Flurförderzeuge entstehen. Das Investitionsvolumen für dieses zukunftsweisende Projekt liegt bei rund 100 Millionen Euro. Die KION Group wird bis 2025 mehr als 800 neue Arbeitsplätze an dem neuen ostchinesischen Standort aufbauen. Dort haben wir jetzt eine ultramoderne Produktionsstätte, die den allerhöchsten Fertigungsstandards und damit unseren bereits erwähnten Qualitätsansprüchen entspricht.

mfl: Kommen wir doch noch einmal zum EMEA-Markt zurück. Wie ist Baoli dort strukturiert? Wer sind die wichtigsten Köpfe hinter der Marke?

Bischof: Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wichtig, denn sie machen unser Unternehmen zu dem, was es ist. Es ist schwer, einzelne Personen herauszugreifen. Um vielleicht nur zwei Namen zu nennen: Francesco Pampuri ist unser Director Brand Management und darüber hinaus ein ausgewiesener Flurförderzeug-Spezialist. Sein Wissen hat er bereits in mehreren von ihm verfassten Fachbüchern geteilt. Florian Meyke, unser Director Product Management, wechselte von Still als Leiter Produktmanagement Lagertechnik zu Baoli und bringt heute seine jahrelange Erfahrung in unsere Expansionspläne ein. Ich bin mir sehr sicher, dass wir mit diesem Expertenteam in den kommenden Monaten und Jahren sehr viel bewegen werden.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 3/2022.

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