Wiegetechnik
Zweite Chance für defekte Komponenten
Der schnelle technologische Fortschritt bringt nicht nur Vorteile für Konsumenten und produzierende Unternehmen. Die Schattenseiten dieser Entwicklung sind stark zunehmende Mengen an Schrott, da Geräte häufiger getauscht und dann sachgemäß entsorgt werden müssen. Unternehmen können mit durchdachten Servicekonzepten an diesem Punkt ansetzen und einen Mehrwert für Kunden und Umwelt schaffen.

Für Konsumenten ist im Juli 2016 eine neue Regelung für die Rückgabe von Elektroschrott in Kraft getreten. Sowohl stationäre Handelsketten als auch Onlinemarktplätze sind davon betroffen. Sie müssen elektronische Kleingeräte bis zu einer Kantenlänge von 25 Zentimeter, auch ohne Neukauf eines Produkts, zurücknehmen. Für größere Geräte gilt weiterhin die Regelung, dass beim Kauf eines Neugeräts das alte zurückgenommen werden muss.
Laut Bundesumweltministerin Hendricks ist es das Ziel der Gesetzesänderung, eine Sammelstruktur zu schaffen, mit der mehr Elektrogeräte hochwertig recycelt werden können. Das verringert Abfälle, spart Rohstoffe und Energie. Auch für Industriemaschinen gilt, dass der Hersteller diese zurücknehmen muss, wenn der Kunde eine fachgerechte Entsorgung nicht ermöglichen kann.
Verantwortung haben diejenigen, die Müll produzieren

Doch besonders die ordnungsgemäße Entsorgung alter Elektrogeräte ist ein Problem unserer Gesellschaft geworden: Durch die Digitalisierung und Automatisierung müssen Geräte immer häufiger getauscht werden. Außerdem ist die Lebensdauer von computerbasierten Systemen geringer, da die Rechenleistung von alten Geräten nicht ausreicht, um den Anforderungen neuer Programme gerecht zu werden.
Die daraus resultierenden, größer werdenden Mengen an Elektroschrott dürfen laut dem Basler Übereinkommen von 1989 nur in Ländern entsorgt werden, die ihn fachgerecht verarbeiten können. Damit soll die Verantwortung bei den Ländern bleiben, die den Müll produzieren.
Immer häufiger gerät jedoch das Verschiffen von als „funktionsfähig“ deklarierten Elektrogeräten nach Afrika in die Schlagzeilen. Einige Berichte sprechen davon, dass zwei Drittel des anfallenden Elektroschrotts so „entsorgt“ werden. Die Bevölkerung der Slumsiedlung Agbogbloshie in Ghana verdient ihr Einkommen damit, dass sie die Edelmetalle aus den alten Geräten extrahieren. Durch unsachgemäße Trennung der Rohstoffe entstehen Dämpfe und Flüssigkeiten, die die Bewohner und auch den Boden verseuchen. Diese Edelmetalle werden anschließend für Hungerlöhne an Händler verkauft, die diese Materialien dann wieder an Elektrogerätehersteller verkaufen. So kommen die Materialien zwar wieder in den Umlauf, die Belastungen für Mensch und Umwelt sind jedoch immens.
Fachgerechte Demontage oder Instandsetzung
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, müssen Hersteller selbst mehr Verantwortung zeigen und sich Gedanken darüber machen, wie Geräte möglichst effizient eingesetzt werden können. Dabei sollten Unternehmen sicherstellen, dass die Geräte am Ende ihrer Lebensdauer fachgerecht demontiert werden. Hierzu gehört die ordnungsgemäße Trennung von beispielsweise Edelstahl, Kabeln und Kunststoffen.

Bizerba
Bizerba bietet Kunden der Branchen Handwerk, Handel, Industrie und Logistik ein Lösungsportfolio aus Hard- und Software rund um die zentrale Größe „Gewicht“. Dieses Angebot umfasst Produkte und Lösungen für die Tätigkeiten Schneiden, Verarbeiten, Wiegen, Kassieren, Prüfen, Kommissionieren und Auszeichnen. Umfangreiche Dienstleistungen von Beratung über Service, Etiketten und Verbrauchsmaterialien bis hin zum Leasing runden das Lösungsspektrum ab. Seit 1866 gestaltet Bizerba die technologische Entwicklung im Bereich der Wägetechnologie und ist heute in 120 Ländern präsent. Der Kundenstamm reicht vom global agierenden Handels- und Industrieunternehmen über den Einzelhandel bis zum Bäcker- und Fleischerhandwerk. Hauptsitz der seit fünf (!) Generationen in Familienhand geführten Unternehmensgruppe mit weltweit rund 3.900 Mitarbeitern ist Balingen (Baden-Württemberg).
Doch bevor es zur endgültigen Entsorgung kommt, gibt es Möglichkeiten die Lebensdauer der Maschinen zu verlängern. Das schwäbische Traditionsunternehmen Bizerba kann im Rahmen seines Serviceangebots rund 75 Prozent der Elektronikkomponenten von Geräten und Anlagen wieder instandsetzen. Bildlich gesprochen bedeutet das, dass Bizerba seit den 1990er Jahren Elektronikkomponenten von einem Gesamtgewicht von rund 500 Tonnen repariert hat – Müll, der gar nicht erst entstanden ist.
Ressourcen schonen
Um zu entscheiden, welches Bauteil eines Gerätes nach dem Tausch entsorgt werden muss oder welches repariert werden kann, sind alle Einzelelemente der Maschinen in einem zentralen ERP-System erfasst. Dort ist auch die Information hinterlegt, ob ein Teil reparaturfähig ist oder nicht. Die Entscheidung darüber fällt Bizerba anhand der Verfügbarkeit, der Komplexität und des Reparaturaufwands im Verhältnis zu den Herstellkosten des Produkts. Ist ein Bauteil reparaturfähig, bekommt die Verpackung eine Kennzeichnung und der Servicetechniker weiß, dass er beim Tausch das defekte Element zurück in die Zentrale schicken kann, wo es dann repariert wird und Bizerba es später wieder in den Umlauf bringt.

Intra meint: So geht das
Als Unternehmen könnte man es sich einfach machen: Was kümmert mich der Schrott von morgen, den ich heute (natürlich in dem Moment als High-End-Schnick-Schnack-State-Of-The-Art-Luxuslösung) an den Kunden verkaufe? Dass es auch anders geht, zeigen Firmen wie Bizerba, die, wie Sie als stets aufmerksame Materialfluss-Leserinnen und -Leser jetzt wissen, durch ein ausgeklügeltes Recycling-Konzept 75 Prozent seiner verbauten Komponenten wieder instandsetzen kann. Das finden nicht nur „Ökos“ gut, sondern jeder, der halbwegs bei Verstand ist. Well done!
Ein weiterer Vorteil neben dem ressourcenfreundlichen Wirtschaften ist die Möglichkeit, dass Bizerba so auch Ersatzteile für ältere Produkte bereithalten kann ohne diese aufwendig nachproduzieren zu müssen. Gerade produzierende Unternehmen sollten es zu einer Priorität machen, nachhaltig zu produzieren und recyceln, wo es möglich ist. Denn: Es lohnt sich, sowohl für Unternehmen als auch für die Umwelt.
Robert Keller









