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Aus alt wird neu

OSR Shuttle von Knapp

Neubau oder Modernisierung? Wer genau rechnet, entscheidet sich häufig für die ­Modernisierung von Logistik-Anlagen. Es gibt viele gelungene Retrofit-Projekte – bei ­Gesamtanlagen ebenso wie bei Komponenten und sogar bei Flurförderzeugen. Wachstum ist Pflicht in der Wirtschaft, und wer wächst, produziert und verkauft mehr Produkte. Zugleich werden die Anforderungen an Durchlauf- und Lieferzeiten kürzer, und die gesamten Lieferketten verändern sich. Aus diesen Gründen entsprechen Lager- und Kommissioniersysteme, die vor zehn oder fünfzehn Jahren gebaut wurden, oft nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Außerdem erhöht sich nach mehrjähriger Betriebszeit der Instandhaltungsaufwand, und die Energieeffizienz der Antriebe ist dann auch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Es gibt also mehrere gute Gründe für die Modernisierung von Anlagen der Materialflusstechnik, und der Markt ist entsprechend groß. Groß sind aber auch die Herausforderungen, denn während das Investment geringer ist als ein Lagerneubau, muss der Umbau bei laufendem Betrieb stattfinden. Das stellt hohe Anforderungen an die Organisation und das „Timing“.

Pharma-Distribution: Hohe Leistung, schneller Durchsatz

Tiroler Werk des Papierherstellers Wattens
Im Tiroler Werk des Papierherstellers Wattens hat Westfalia das Lager erweitert und ein zweites RBG eingebracht.

Gemeistert wurden diese Herausforderungen bei zwei Projekten, die Knapp im Pharma-Großhandel durchführte. Für die Niederlassung Bremen von ANZAG (Andrae-Noris Zahn AG). Herzstück der neuen Anlage ist das OSR Shuttle, das in 12.000 Trays insgesamt 32.000 langsam- und mitteldrehende Produkte platzsparend lagert und pro Stunde bis zu 1.000 Auslagerungen vornehmen kann. Ein LMS-Zentralbandautomat übernimmt die Kommissionierung der Schnelldreher. Beide Anlagen mussten aufgrund der beengten Platzverhältnisse Stück für Stück durch eine Öffnung im ersten Stock des Gebäudes eingebracht werden, während ANZAG die Produkte in Zwischenlagern pufferte. Trotz dieser Widrigkeiten ging die Anlage fünf Monate früher in Betrieb als geplant.

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Für den ANZAG-Wettbewerber Phoenix hat Knapp das Vertriebszentrum in Köln modernisiert. Ziel war dabei eine beträchtliche Steigerung des Durchsatzes sowie die Möglichkeit der Fernwartung.  Während die zentralen vollautomatisierten Kommissionieranlagen – Zentralbandautomaten für 9.400 Schnell-, Mittel- und Langsamdreher – erhalten blieben, hat Knapp die bestehende Fördertechnik und alle manuellen Kommisionierstationen sowohl mechanisch als auch softwareseitig optimiert. Dadurch erreicht Phoenix eine deutliche Steigerung der Performance und kann mehr als 20.000 Aufträge pro Tag kommissionieren. Die Gesamtumstellung aller Systeme vor Ort nahm nicht mehr als sechs Wochen in Anspruch.

Papierproduktion: Lagerumbau ohne Produktionsausfall

Auch bei Wattenspapier in Österreich war eine Leistungssteigerung des Lagers erforderlich. Allerdings werden hier keine kleinen Pharma-Gebinde gelagert und kommissioniert, sondern tonnenschwere Papierrollen. Westfalia rüstete das vorhandene Hochregallager mit einem zweiten Regalbediengerät aus, erweiterte die Regalanlage sowie die Fördertechnik und schaffte die Voraussetzung für die Einlagerung unterschiedlicher Papierrollengrößen. Darüber hinaus wurde das vorhandene RBG grundlegend erneuert und eine Anbindung des Lagers an ein flurfreies Transportsystem (FTS) geschaffen. Auch hier fand der Umbau bei laufendem Betrieb statt. Ganz zuletzt wurde das zweite RBG eingebracht. Ergebnis der Modernisierung ist eine deutlich erhöhte Performance des Lagers. Vor allem durch die Optimierung der Steuerungstechnik wird auch eine höhere Flexibilität und Betriebssicherheit erreicht.

Komponenten: Retrofit von ­Hängebahnen

Schubmaststapler
Retrofit in hohem Alter: Nach 42 Jahren wurde ­dieser Sonder-Schubmaststapler grundlegend ­modernisiert.

Es muss nicht immer das ganze Lager sein: Auch bei einzelnen Komponenten der Lager- und Fördertechnik kann ein Retrofit zum gleichen Erfolg führen wie eine Neuinstallation – und das bei sehr viel geringeren Kosten. Das gilt zum Beispiel für Hängebahnsysteme aus Stahlschienen, an denen z. B. Kranträger manuell verfahren werden. Wenn diese Systeme in die Jahre kommen, werden die aufzuwendenden Bedienkräfte größer, und auch der Geräuschpegel erhöht sich.

Durch ein von eepos entwickeltes Einschub-Aluprofil können solche älteren Hängebahnsysteme zu modernen Leichtlauf-Kransystemen aufgewertet werden. Das Profil wird einfach in in die installierten Stahlprofile eingeschoben; die alten Aufhängungen und Schienen bleiben erhalten. Das ist deutlich preiswerter als ein neues Kran­system, und es lassen sich deutlich höhere Lasten leichtlaufend bewegen. Bei 100 kg Last benötigt der Bediener nur 0,5 bis 0,8 kg Kraft, um das System in Bewegung zu bringen, und 0,2 bis 0,4 kg, um es in Bewegung zu halten. Bei 1.000 kg sind es 5 bis 7,5 kg Kraft respektive 2,0 bis 3,8 kg. Auch ein Verklemmen des Krans bei Schrägzug wird wirkungsvoll vermieden.

Kontakt: eepos GmbH D-51674 Wiehl E-Mail: [email protected] www.eepos.de

Knapp Deutschland GmbH D-63150 Heusenstamm E-Mail: [email protected] www.knapp.com

Sichelschmidt GmbH D-58300 Wetter E-Mail: [email protected] www.sichelschmidt.de

Westfalia Logistics Solutions Europe GmbH & Co. KG D-33829 Borgholzhausen www.westfaliaeurope.com

Retrofit von Flurförderzeugen

Last but not least kann auch ein Retrofit von Flurförderzeugen sinnvoll sein – zumindest dann, wenn es sich um Spezialfahrzeuge handelt, die nicht durch ein Standard-FFZ zu ersetzen sind. Sichelschmidt hat kürzlich einen Fahrerstand-Schubmaststapler modernisiert, der immerhin 42 Jahre alt ist. Ursprünglich wollte der Betreiber ein Neugerät in Auftrag geben. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Lager des Betreibers kam aber damals wie heute nur ein Sondergerät in Frage. Eine kurze Analyse von Sichelschmidt zeigte jedoch, dass die Substanz des Staplers noch einwandfrei ist und eine grundlegende Überarbeitung mit Austausch aller Verschleißteile deutlich kostengünstiger ist als die Fertigung eines neuen Sonderfahrzeugs. Das Ergebnis kann rundum überzeugen – aus technischer ebenso wie aus wirtschaftlicher Sicht: Ein Schubmaststapler Baujahr 1971, der dem Betreiber in den nächsten Jahren weiterhin gute Dienste leisten wird und gute Aussichten hat, sein 50. Lebensjahr zu erreichen.

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