Aus materialfluss 6/2020

Marvin Meyke,

Logistik-Software: Neue Wege gemeinsam nutzen

Durch die flächendeckende Einführung eines neuen Logistiksteuerungs-Systems durch ­den ­Softwareanbieter ­Wanko konnten zwölf Sammelgut-Spediteure gemeinsam Kosten sparen und ihre ­Lieferkette ­optimieren.

B. Braun Melsungen und die Paul Hartmann AG gründeten das Unternehmen MedSL. Das setzt auf Logistik-Software von Wanko. © B.Braun

Vergleichbare Unternehmen, ähnliche Produkte und viele übereinstimmende Kunden: Bei diesen Rahmen­bedingungen lohnen sich Kooperationen, um die Logistikkosten in der Lieferkette zu optimieren. Vor diesem Hintergrund haben die B. Braun Melsungen AG und die Paul Hartmann AG das Joint Venture Medical Service und Logistik GmbH – kurz MedSL – mit Sitz in Recklinghausen gegründet. MedSL ist der gemeinsame Logistik­dienstleister, der die Warenströme von Hartmann und B. Braun und weiterer Firmen der Gesundheitsbranche bündelt. Dabei disponiert MedSL die Fahrzeuge von zwölf Sammelgut-­Spediteuren mit eigenen Umschlagpunkten, die bundesweit im Nachtsprung sämtliche Apotheken und Krankenhäuser beliefern.­ Gesteuert werden die Prozesse durch das Logistiksteuerungssystem von Wanko mit den Modulen PraMag, PraCar und ­PraBord für Lagerverwaltung, Tourenplanung und Telematik. „2019 wurde die Lösung bei den ersten beiden Spediteuren eingeführt und soll nun Schritt für Schritt auch bei den übrigen Transportpartnern ausgerollt werden“, berichtet Thomas Kolbe, der das ambitionierte Software-Projekt seit Sommer 2018 leitet. Kolbe weiß genau, worauf er sich in Zukunft konzentrieren wird: „Jeder Spediteur braucht genügend Vorlauf vor der IBN, um seine internen Prozesse „zu üben“, denn wenn dabei individuelle Wünsche zum Ablauf auftreten, können wir diese gleich in das System einspeichern. So besitzt dann jeder Spediteur schlussendlich das gleiche, für MedSL notwendige System, allerdings mit einem auf ihn eigens zugeschnittenem Programm“, ­erklärt der IT-Logistik-Fachmann.

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Einen gemeinsamen Fokus setzen Wanko und MedSL auf eine gründliche und anschauliche Information aller Transportpartner über das gemeinsame IT-System. Im Rahmen einer Vollversammlung zeigte MedSL im November 2019 sogar einen rund zehnminütigen Film, der sämtliche Stufen der Lieferkette zwischen Versender und Empfänger aufzeigte. Der Film konnte viele Zweifel ausräumen und auch die übrigen Spediteure von der Lösung überzeugen.

Bis zum Sommer 2020 will Kolbe bei allen MedSL-Partnern das Lagerverwaltungssystem PraMag installiert haben. „Erst dann ist die Supply Chain flächendeckend einheitlich und durchgängig digitalisiert“, bekräftigt Kolbe, der die Nacht­auslieferung seines Kunden schon häufig begleitet hat.

Geplante Zeitfenster
Gestartet wird der Lieferprozess mit der Erfassung der ein­gehenden Bestellungen bei B. Braun beziehungsweise der Paul Hartmann AG. Im nächsten Schritt wird beim jeweiligen ­Versender der Kommissionierauftrag erzeugt, der durch die Lagermitarbeiter termingerecht bearbeitet wird. Danach wird der Auftrag zum Versandbereich transportiert, während der ­begleitende Datensatz via Schnittstelle an das von der MedSL betriebene Wanko Logistiksteuerungssystem übergeben wird. Im Versandbereich startet anschließend die tägliche Belieferung der MedSL-Umschlagpunkte in ganz Deutschland. Die avisierten Vorlauftransporte verschiedener Kunden der MedSL kommen in der Regel im geplanten Zeitfenster am ­Umschlagspunkt an und werden dort einer Endladerampe zu­gewiesen. Nach dem Andocken beginnt die Entladung, wobei jedes Gebinde gescannt wird. Noch auf dem Weg zur Lagerzone informiert das Handheld über den nächsten freien Stellplatz. „Dadurch haben auch neue Mitarbeiter eine schnelle Orientierung und der Prozess wird sicherer“, erklärt Kolbe. Anschließend wird das Gebinde abgestellt und per Barcode-Scan mit dem vorgeschlagenen Platz verheiratet.

Platzfremd einlagern
Mit dem System lassen sich unterschiedliche Prozesse bis hin zu einer chaotischen Lagerhaltung realisieren. Läuft zum Beispiel eine Relation über, so lassen sich Gebinde platzfremd einlagern und sind dennoch vom System und damit vom Personal schnell auffindbar. Neben empfängerreinen Gebinden werden aber auch Misch­gebinde vereinnahmt und in separaten Lagerplätzen abgestellt. Für das Vereinzeln dieser Mischgebinde wird die Zeit zwischen den Entladevorgängen genutzt. Hier kommt die in PraMag integrierte Dekonsolidierungs-Funktion zum Einsatz. Nach der Vereinzelung werden alle Barcodes gescannt und mit einem mit einem übergeordneten Barcode verheiratet. Bei jeder weiteren Umlagerung muss nun lediglich der übergeordnete Barcode gescannt werden.

Systemisch verladen
Die Disposition ist die zentrale Leitstelle der Umschlagpunkte, an dem alle Aufträge zusammenlaufen. Hier sorgt PraMag für eine schnelle und einfache Übersicht über den Entladestatus, der in Prozentwerten angegeben wird. Um die Aufträge zu verplanen, nutzen die Disponenten das Tourenplanungsmodul PraCar. Damit werden die Aufträge manuell, teil- oder voll­automatisiert zu optimierten Touren zusammengefasst. Diese ­werden dann „just in time“ an PraMag übergeben. Der Disponent kann nun im Leitstand den aktuellen Bereitstellungsstatus überwachen und schnell auf Auffälligkeiten reagieren. Sind die Touren bereitgestellt, werden sie mit PraCar an die Handhelds der Auslieferfahrer gesendet. Diese starten um vier Uhr morgens mit der Verladung, für die sie sich zunächst mit ihrem Handheld in der Lager-App anmelden und dort eine Übersicht der Rollkarte mit der Beladereinfolge erhalten. Mit der Auswahl der ersten Tourposition werden dem Fahrer die Stellplätze der Ware angezeigt. Anschließend wird er zielgerichtet zur Ware geführt und kann diese mittels Scannung ­systemisch auf sein Fahrzeug verladen. Die Liste der Sendungen innerhalb der Tourposition wird dabei Schritt für Schritt angepasst, was für maximale Transparenz und Übersicht sorgt.

Kontinuierlich synchronisiert
Die Auslieferung startet der Fahrer mit dem Telematik Modul PraBord, während der Disponent den jeweiligen Status der ­Touren im Leitstand verfolgen kann. Beim Kunden ­angekommen, entlädt der Fahrer die Ware und scannt diese bei Übergabe. Der Kunde quittiert auf dem Display. Abweichungen wie zum Beispiel Schäden oder Annahmeverweigerungen verzeichnet der Fahrer direkt am Handheld. Dieses wird kontinuierlich mit der Tourenplanungssoftware synchronisiert, so dass die Sendung in PraCar umgehend als ausgeliefert gekennzeichnet wird, ­inklusive der am Bildschirm eingeblendeten Unterschrift des Kunden.

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